Online-Wahlkampf Merkels Missionare

Die CDU setzt auf Communities. Andere Teile ihrer Onlinestrategie sind weniger innovativ. Teil vier der Serie

Die neue CDU-Seite will die Übersicht erleichtern

Die neue CDU-Seite will die Übersicht erleichtern

Wenn es um die Präsenz der CDU in der Online-Welt ging, fiel das Urteil von Fachleuten bisher nicht allzu schmeichelhaft aus. "Die Union ist im Internet jenseits der eigenen Angebote kaum präsent“, urteilt etwa der Politikwissenschaftler Daniel Dettling. Damit überlasse sie das Medium der Zukunft dem politischen Gegner.

Genau das will die CDU nun ändern. Seit der neue US-Präsident Barack Obama vorgemacht hat, was man mit dem Internet im Wahlkampf alles anstellen kann, stehen die Christdemokraten wie alle anderen Parteien in Deutschland unter dem Druck, es ihm – wenn auch in kleinerem Maßstab – nachzutun. Die öffentliche Erwartungshaltung verstärkt diese Tendenz noch. Längst hat sich in den deutschen Parteien die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Frage, wer sich wie im Netz bewegt, selbst zum Wahlkampfthema wird.

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Zwar bemüht sich die CDU, nicht zu modernistisch aufzutreten. "Der Wahlkampf wird aus einer Mischung aus traditionellen und innovativen Elementen bestehen“, sagt Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler. Den Online-Wahlkampf sieht er eher als ein wichtiges Element unter anderen. Trotzdem steht für ihn fest: Bei den Onlineaktivitäten werde die Kampagne 2009 sowohl quantitativ als auch qualitativ eine neue Dimension erreichen.

Einen ersten Einblick in das, was die CDU vorhat, kann man sich seit Donnerstag auf ihrer neu gestalteten Homepage verschaffen. Fand sich dort bisher ein eher kleinteiliges und textlastiges Angebot, hat die CDU dies nun entschlackt und auf eine einzige Bildschirmseite konzentriert. Dass sie sich optisch damit weitgehend der neuen SPD-Seite angenähert hat, die bereits vor mehreren Wochen startete, hört in der Partei freilich niemand gern.

Doch die gewandelte Optik ist nur ein Aspekt des neuen Web-Angebots. Der Anspruch geht weit darüber hinaus. Ganz im Sinne Obamas will die CDU ihre User künftig nicht mehr in erster Linie informieren sondern aktivieren. Aus der "Landebahn“ für alle, die im Internet nach der CDU suchten, soll nun eine "Startrampe“ werden, von der aus ihre Inhalte und Kandidaten in die Weiten des Netzes hineingetragen werden, so die Philosophie.

Zu den innovativen Elementen, mit denen diese hehren Ansprüche umgesetzt werden sollen, zählt die CDU ihr parteieigenes Videoprogramm auf Youtube, obwohl dies mit Web 2.0 wenig zu tun hat. Schließlich geht es ganz traditionell darum, Inhalte an potenzielle Wähler zu bringen, nur eben über ein neues Medium. Ein Austausch mit den Usern im eigentlichen Sinn findet nicht statt.

Darüber hinaus scheint es fraglich, ob die CDU mit dem jetzigen Angebot eine Chance hat, die anvisierten parteifernen Wähler und vor allem junge User zu erreichen. Auch wenn abgefilmte Reden tabu sind, dominiert bisher Generalsekretär Pofalla allzu deutlich das Programm.

Immerhin: Gelegentlich geht es auch anders. "Ohne Mitte fehlt Dir was“, spottete die CDU unlängst per Video über den angeblichen Versuch von Merkel-Herausforderer Frank-Walter Steinmeier, seinen zweiten Vornamen loszuwerden. Für CDU-Verhältnisse entwickelte sich der 31-Sekunden-Spot zu einem Renner, auch wenn bei bisher 13.000 Abrufen nicht gerade von Massenwirksamkeit gesprochen werden kann. Erfolgreich war das Video jedoch in anderer Hinsicht: Es schaffte den Sprung vom Netz in die Medien, die wiederum Interesse an dem Onlineprodukt produzierten. Wenn die CDU-Filmchen auf You Tube überhaupt wahlkampfrelevant sein sollen, ist dies wohl der einzig gangbare Weg.

Auch das zweite Standbein des Onlinewahlkampfs – das sogenannte teAM Deutschland (AM steht dabei für Angela Merkel) - ist keine Neuerfindung. Bereits seit 2002 experimentiert die CDU wie andere Parteien mit Freiwilligenkampagnen im Netz. 30.000 Teilnehmer gab es 2005. Parteimitgliedschaft ist keine Voraussetzung, allerdings muss man sich auf einer einsehbaren Seite registrieren.

Das schöne Wort vom Mobilisierungswahlkampf findet hier seine konkreteste Umsetzung. Unter drei Dingen, die man sofort tun könne, werden Nutzer beispielsweise aufgefordert, zehn weitere Mitglieder zu werben.

Zentrales Anliegen der Partei ist es jedoch, mit Hilfe der Freiwilligenkampagne in die Internetcommunities vorzudringen. Als Missionare in eigener Sache sollen die Mitglieder dort, wo sie ohnehin aktiv sind, das teAM vertreten. Erste Anfänge davon sind immerhin zu erkennen. So haben Freiwillige bereits aus eigener Initiative Gruppen in Netzwerken wie studi.vz , wer-kennt-wen , facebook  oder flickr gegründet. Und natürlich wird auch getwittert.

Wer nun allerdings hoffen sollte, künftig von Angela Merkel im Stundentakt mit Neuigkeiten aus dem Kanzleramt versorgt zu werden, der sieht sich getäuscht. Spitzenpolitiker selbst stärker in die Web 2.0-Aktivitäten einzubeziehen, ist nicht geplant. In dieser Hinsicht bleibt die CDU ganz traditionell. Wer will, kann der Kanzlerin eine E-mail schreiben, die dann von ihren Mitarbeitern beantwortet wird.

Trotz aller Bemühungen bietet die CDU also nicht das, was die Netzgemeinde heute erwartet: einen echten Austausch. Möglichkeiten, sich online an der Erarbeitung von Inhalten zu beteiligen, sind nicht erkennbar. Dies soll allenfalls indirekt geschehen. Die Hauptamtlichen würden die Diskussionen im Netz natürlich genau beobachten, heißt es.

Manchmal machen sich die Schwierigkeiten der CDU mit dem Netz aber auch an viel banaleren Dingen fest. An der einfachen Frage etwa, wie man die Nutzer eigentlich ansprechen sollte. Mit "Sie“ wie es in CDU-Kreisen üblich ist, oder klingt das im Web doch allzu steif? Auf den teAM-Deutschland-Seiten existieren bislang beide Varianten. Immerhin: Nun will man die Nutzer abstimmen lassen. Am Ende könnte sich zeigen, dass der Online-Wahlkampf selbst die CDU verändert – wenigstens ein kleines bisschen.

 
Leser-Kommentare
  1. > CDU > Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Ehrendoktorwürde der University of Exile, New School for Social Research erhalten. In ihrer Dankesrede warb sie für neue Regeln auf den internationalen Finanzmärkten. Von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise ist "nahezu niemand um den Globus herum rausgenommen", so Merkel. Deshalb könne "heute kein Land der Welt mehr allein die Probleme lösen.

    Damit wird klar, dass sie von Finanzmärkten sehr viel versteht (Neue Schule für Sozialforschung) und das wird sich sicher bei der Bundestagswahl auswirken. Vorsicht Ironie ....

    Vergessen worden ist bei dem Versuch der Nachahmung von Obama, dass keine Foren angeboten werden. Der aufmerksame Leser kann zwar viel über die CDU lesen und vielleicht Angela eine e-mail schreiben, aber was denn die Leser dazu meinen (und zu der Politik) können sie nicht offenbar machen. Scheint wohl auch nicht gewollt.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    • Soahc
    • 26.02.2009 um 19:43 Uhr

    Im Kommentar meines Vorredners schon angesprochen, scheint mir der Ansatz zwar ein Gelungener, aber die Intention stimmt nicht.
    Das monotone ablesen allgemeiner Informationen, ist eine Gabe, die auch Bücher besitzen. Das Internet hat die Fähigkeit, Welten aufzubauen und in diesen Welten tummeln sich potentielle Wähler. Bücher gestalten sich teils auch als Welten, doch kommt hier die Interativität nicht zum Zuge. Bücher an sich leben nicht, höchstens deren Inhalt, beim Internet ist es in Bezug auf dieses Thema genau umgekehrt, der Leser soll sich umgarnt fühlen, das Internet lebt, während auf den Inhalt (mit Verlaub) weniger Rücksicht genommen werden muss.

  2. hat das ja geholfen....allerdings ist es schon ein wenig schade das auch hier wieder nicht selbst ein wenig herumexperimentiert wurde, anstatt einfach ein erfolgskonzept zu kopieren!

  3. Zitat:

    "Ein Austausch mit den Usern im eigentlichen Sinn findet nicht statt."

    Das kann die Union auch absolut nicht gebrauchen, weil ihre Frontleute in solchen Fällen ganz schnell ganz alt aussehen und eine z.T. erschreckende Ahnungslosigkeit offenbahren. Zudem muss die Union seit den ganzen Bimbesgeschichten - da ist z.B. ein Bundesinnenminister, der immer gern von Recht und Ordnung und Sicherheit faselt, selber aber schon 100.000 DM von einem gewissen Herrn Schreiber bekommen haben soll, an einer Aufklärung dieses Vorfalls aber nicht interessiert ist - kritische Fragen fürchten, da diese sehr schnell für sie existenzbedrohende Folgen haben kann. Ach ja, und dann sind da ja auch noch Bimbesgeschichten in Hessen - mit einem Ministerpräsidenten, der das Parlament belogen hat, der auch gerne von Law-and-Order schwadroniert, dabei aber vergisst, dass er selbst in Hessen seit 10 Jahren regiert und nachweislich absolut nichts in der Richtung unternommen hat...

    Und dann ist da noch das Gequatsche von Leipziger Parteitag, wofür man bei der letzten Bundestagswahl ganz gewaltig abgewatscht worden ist und heute froh sein kann, dass 2005 es doch nicht zu einer Schwarz-Gelben Koalition kam... Da wäre angesichts der heutigen Krise aber über einem Kabinett Merkel/Westerwelle die ganz große Kanzlerinnendämmerung aufgezogen und die FDP wäre jetzt nicht bei 15%, sondern hätte sich ganz große Sorgen machen müssen, nicht im Herbst ganz einfach aus dem Parlament hinausgewählt zu werden.

    Und nun? Nun fürchtet man seine Pfründe und möchte bei Herrn Obama abkupfern - genaus, wie man bei der NGO-Revolution in Ukraine abkupferte, bei der es letztendlich nur um den Freien Zugang zu irgendwelchen Pfründen unter der Farbe Orange ging. Ich persönlich möchte mal Frau Merkel und ihre Konsorten sehen, wenn sie auf irgendwelchen Podien stehen und "Jes Wie Kän" rufen. Höchstwarscheinlich wird sich auch irgendwer aus der Riege finden, der das in die Runde trötet, da brauchen wir keine Sorge zu haben.

    Und ansonsten? Alles wie gehabt. Neue Kleider machen noch keine neue Welt, wenn unter den neuen Kleidern der alte Mief steckt.

  4. oh mein gott noch so ein polit typ der glaubt das die rotgruenenroten nicht korrupt sind!

    hey alle sind korrupt, die baenkern, die tvstars, die politiker, alle politiker, die journalisten, der kleine mann, den haag, der us praesident, die ddr´s sowieso...

    mein gott, ich finde solch eine geschichtsstunde einfach lachhaft...anstatt was konstruktives zu liefern was hoechstwahrscheinlich helfen mag...nein man kommt mit der paedagogischen geschichtsstunde...keiner lernt was....alle bleiben bloed und haben noch weniger lust zu arbeiten....super strategie

  5. Und ansonsten? Alles wie gehabt. Neue Kleider machen noch keine neue Welt, wenn unter den neuen Kleidern der alte Mief steckt.

    eventuell riecht es da so weil du dich nicht bewegst (gammeln) oder waeschst. mein tipp: mach sport und danach waschen! so einfach ist die welt!

  6. heißt das ja nicht, dass 1000 Leute das Video toll fanden. Im Gegenteil, jeder einigermaßen vernünftige Mensch wird darüber den Kopf schütteln und mit Sicherheit solche Leerköpfe wie Unionisten nicht wählen.

    Wer mit solchen Sprüchen wie: "Ohne Mitte fehlt Dir was“ Politik zu machen glaubt, der stößt sich doch selber noch tiefer in den Keller als er schon sowieso drinnen steckt. Mit Namensvandalismus Politik zu machen, ist nicht nur das Allerletzte, nein, das ist echt das Alleralleraller....letzte.

    Von Obama lernen, heißt vor allem, authentisch zu sein. Authentizität aber fehlt immer per definitionem solchen Leuten, die andere plagiatieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 28.02.2009 um 0:34 Uhr

    heißt für Deutsche in erster Linie Patriotismus lernen.

    Obama hat einen sehr patriotischen Wahlkampf geführt und stets sehr patriotische Reden gehalten - man stelle sich das mal bei Frau Merkel und der CDU vor (oder bei irgendeiner mehrheitsfähigen Partei hierzulande) ... oO

    • Anonym
    • 28.02.2009 um 0:34 Uhr

    heißt für Deutsche in erster Linie Patriotismus lernen.

    Obama hat einen sehr patriotischen Wahlkampf geführt und stets sehr patriotische Reden gehalten - man stelle sich das mal bei Frau Merkel und der CDU vor (oder bei irgendeiner mehrheitsfähigen Partei hierzulande) ... oO

  7. ...ja, und zwar einen Austausch dieser Witzfiguren, die momentan das Regieren vorspiegeln! Frau Merkel kommt über das Nachahmenwollen von irgendwem ja kaum hinaus. Herrn Kohl hat sie, was den Durchsatz ihrer Sprache mit schiefen Vergleichen und Tautologien angeht, sogar übertroffen; den Bush beinahe erreicht. Und nun Obama? Da werden wohl am Ende nur Kabarettisten Beifall klatschen...

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