Macht ein Computer- oder Videospiel erst dann Spaß, wenn einer der Gegner aggressiv ist? Wie viel Gewalt ist überhaupt notwendig, damit es Spaß macht? Oder wäre es nicht besser, ganz darauf zu verzichten? Die individuelle Antwort eines Spielers auf solche Fragen hängt von den unterschiedlichsten Faktoren an: Frauen mögen andere Spiele als Männer, Jugendliche finden nicht dasselbe spannend wie Erwachsene – und die Lust auf ein bestimmtes Spiel kann sogar je nach Laune variieren.

Wie man Computerspiele mit künstlichen Wesen programmieren muss, damit echte Menschen daran Spaß haben, erforscht Klaus Peter Jantke vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie : Auf der Fachmesse Cebit in Hannover präsentierte der Leiter der Abteilung Kindermedien ein 2-D-Spiel namens Gorge.

Wer das Gewusel auf dem Bildschirm des Forschers verfolgt, dem erscheint sofort "Mensch ärgere Dich nicht" vor dem inneren Auge. Blaue, gelbe, grüne und rote Männchen wandern je nach Augenzahl eines virtuellen Würfels von Punkt A nach Punkt B, können sich auf ihrem Weg gegenseitig behindern und überholen. An sich nichts Besonderes, würden Jantke, sein Mitarbeiter Christian Wölfert und deren Kollegen nicht das Ziel verfolgen, jungen Spielern zu veranschaulichen, wie Künstliche Intelligenz in digitalen Systemen funktioniert, sprich: Wie Computer menschliche Denkprozesse berechnen und simulieren.

"Um die Wirkung der Künstlichen Intelligenz zu demonstrieren, haben wir Gorge entsprechend einfach gehalten", sagt Jantke. "Kinder und Jugendliche werden in die Lage versetzt, eigene Einstellungen an der Künstlichen Intelligenz vorzunehmen, sodass sie rasch sehen, welche Konsequenzen das auf den Verlauf hat". Hierzu lassen sich anfangs sowie während einer Spielpause vier Parameter beliebig einstellen: Sollen die Figuren des eigenen Teams die Gegner etwa attackieren, friedfertig und hilfsbereit oder wagemutig sein, oder anderen aus der Patsche helfen beziehungsweise sie links liegen lassen? Hierzu tippt der Anwender Zahlenwerte von minus fünf bis plus fünf ein.

Anfangs wirkt Gorge willkürlich. Erst nach dem vierten, fünften Durchlauf kristallisiert sich heraus, was hinter der Idee steckt: Bei den roten und den blauen Männchen gibt Jantke einen hohen Aggressionswert ein, die anderen beiden Teams konfiguriert er als friedfertig und hilfsbereit. Nun könnte man meinen, dass entweder Rot oder Blau gewinnt. Von wegen! Beide Mannschaften verschenken so viel Energie, sich gegenseitig zu bekämpfen, dass Gelb und Grün davonziehen – und schließlich Grün gewinnt. "Hätte ich hingegen angegeben, dass drei Teams aggressiv sind, wäre das Team, das nicht aggressiv ist, sehr wahrscheinlich schnell aus dem Rennen", erklärt Jantke.