Prozess Chodorkowskij weist Betrugsvorwurf zurück
Zum Auftakt des zweiten Prozesses hat das Moskauer Gericht den Kremlgegner mit der Anklage konfrontiert. Chodorkowskij sitzt bereits mehr als fünf Jahre in Haft

© Alexander Nemenov/AFP/Getty Images
Zweiter Prozess in Moskau unter starken Sicherheitsvorkehrungen: Kremlkritiker Chodorkowskij
Die Verteidiger des ehemals reichsten Mann Russlands haben die Vorwürfe des Betrugs und der Steuerhinterziehung als absurd bezeichnet. Michail Chodorkowskij hätte dazu mehr Geld stehlen müssen, als Yukos im fraglichen Zeitraum überhaupt erwirtschaftet habe, sagte Chodorkowskijs Anwalt Robert Amsterdam. "Dieser Fall hat enorme politische Bedeutung, weil daran deutlich werden wird, in welche Richtung sich Russland bewegt."
Kurz nach Beginn der vermutlich mehrere Tage dauernden Voranhörung schloss der Richter wie erwartet die Öffentlichkeit aus. Der Kremlgegner und frühere Öl-Milliardär Chodorkowskij und sein früherer Geschäftspartner Platon Lebedew seien zunächst von Richter Viktor Danilkin mit der Anklage konfrontiert worden, meldete die Agentur Interfax .
Die früheren Eigentümer des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Yukos sollen zwischen 1998 und 2003 Einnahmen von knapp 20 Milliarden Euro unterschlagen haben.
Chodorkowskij macht korrupte Regierungsvertreter für das Vorgehen der Justiz gegen ihn verantwortlich. Diese hätten seine politischen Ambitionen gefürchtet und seinen Ölkonzern Yukos zerschlagen wollen, betonte er stets.
Den Angeklagten drohen zusätzlich 22 Jahre Haft. Sie waren 2005 rechtskräftig zu acht Jahren wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt worden. Chodorkowskij büßt seine Strafe im sibirischen Tschita ab nahe der Grenze zu China.
Die Ankunft Chodorkowskijs vor dem Moskauer Gericht war sein erster öffentlicher Auftritt seit Ende 2005. Die beiden Angeklagten wurden unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen in das Gerichtsgebäude gebracht. Etwa 300 Polizisten, darunter einige der Sondereinheit Omon, waren laut Medien im Einsatz, um das Gebäude zu sichern.
- Datum 03.03.2009 - 13:34 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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"Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger, die im Auftrag des Europarates das Verfahren beobachtet, sagte, sie erwarte keinen fairen Prozess. Wie bei der ersten Verhandlung vor vier Jahren wolle die Führung im Kreml an dem ehemaligen Öl-Magnaten ein Exempel statuieren, sagte die Vorsitzende der bayerischen FDP dem Bayerischen Rundfunk."
Leider sind nicht alle Beobachter des Europarates so unvoreingenommen wie Frau L.S. - Vorbildlich muss man sagen.
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