Das Drama über die Zukunft der angeschlagenen Schaeffler-Gruppe strebt seinem Höhepunkt zu. Medienberichten zufolge planen die beteiligten Banken angeblich, die Übernahme von Continental rückgängig zu machen. Das fränkische Familienunternehmen Schaeffler hatte den dreimal größeren Autozulieferer im vergangenen Jahr gekauft und sich dabei massiv überhoben. Seither ist der Autozulieferer in akuter Finanznot.

Zwar ist eine Rückabwicklung des Geschäfts prinzipiell nicht unmöglich. Allerdings wird dies nicht zu Lasten der Conti-Aktionäre geschehen, die von der Übernahme enorm profitiert haben. Schaeffler hatte ihnen im vergangenen Sommer 75 Euro pro Aktie geboten, ein Preis, der die Aktionäre erst verärgerte. Erst als die Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach und Conti eine Gewinnwarnung veröffentlichte, begriffen sie ihre Chance und verkauften.

Binnen Tagen wurde Schaeffler mit 90 Prozent der Conti-Aktien zugeschmissen – mehr, als sie je haben wollten. Für die alten Conti-Aktionäre war das ein Segen, denn die Aktie ist heute nur noch etwa 12 Euro wert – das entspricht einem Kursverlust von mehr als 80 Prozent. Der Kaufvertrag gilt, auch wenn Schaeffler die Aktien nun ihren ehemaligen Besitzern am liebsten zurückgeben würde. Es gehe aber eher darum, "Conti aus dem Strudel herauszuhalten", sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) nun der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Somit wird deutlich, dass die Rückabwicklung nur in einer Trennung von Schaeffler und Conti liegen kann, ohne die Interessen der früheren Aktionäre zu berühren.

Continental hat zwar – ähnlich wie Schaeffler – aus einer früheren teuren Übernahme hohe Schulden. Anders als Schaeffler trauen die Banken dem Autozulieferer aber offenbar zu, diese aus eigener Kraft zu bedienen.

Letztlich würden beide Unternehmen ohnehin in der Hand der Banken landen, die die Übernahme seinerzeit finanziert hatten – allen voran die Commerzbank und die Royal Bank of Scotland. Denn die Übernahme der von der Schaeffler-Gruppe abgespaltenen Conti-Aktien allein dürfte die Kreditforderungen nicht decken.

Durchaus möglich also, dass die Banken ihre Forderungen an Schaeffler auch in Eigenkapital umwandeln werden. Glaubt man den Spekulationen, dürfte der Anteil von Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg dann von 100 auf etwa zehn Prozent sinken. Die Geschichte der Schaeffler-Gruppe als Familienunternehmen wäre damit am Ende. Und die Geschichte einer Industriebeteiligung von Banken am Anfang.