Autozulieferer Der letzte Akt im Drama Schaeffler beginnt

Eine Trennung von Schaeffler und Conti steht offenbar kurz bevor. Die Geschichte von Schaeffler als Familienunternehmen wäre damit zu Ende

Vor der Trennung: Maria-Elisabeth Schaeffler könnte die Macht im eigenen Unternehmen verlieren

Vor der Trennung: Maria-Elisabeth Schaeffler könnte die Macht im eigenen Unternehmen verlieren

Das Drama über die Zukunft der angeschlagenen Schaeffler-Gruppe strebt seinem Höhepunkt zu. Medienberichten zufolge planen die beteiligten Banken angeblich, die Übernahme von Continental rückgängig zu machen. Das fränkische Familienunternehmen Schaeffler hatte den dreimal größeren Autozulieferer im vergangenen Jahr gekauft und sich dabei massiv überhoben. Seither ist der Autozulieferer in akuter Finanznot.

Zwar ist eine Rückabwicklung des Geschäfts prinzipiell nicht unmöglich. Allerdings wird dies nicht zu Lasten der Conti-Aktionäre geschehen, die von der Übernahme enorm profitiert haben. Schaeffler hatte ihnen im vergangenen Sommer 75 Euro pro Aktie geboten, ein Preis, der die Aktionäre erst verärgerte. Erst als die Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach und Conti eine Gewinnwarnung veröffentlichte, begriffen sie ihre Chance und verkauften.

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Binnen Tagen wurde Schaeffler mit 90 Prozent der Conti-Aktien zugeschmissen – mehr, als sie je haben wollten. Für die alten Conti-Aktionäre war das ein Segen, denn die Aktie ist heute nur noch etwa 12 Euro wert – das entspricht einem Kursverlust von mehr als 80 Prozent. Der Kaufvertrag gilt, auch wenn Schaeffler die Aktien nun ihren ehemaligen Besitzern am liebsten zurückgeben würde. Es gehe aber eher darum, "Conti aus dem Strudel herauszuhalten", sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) nun der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Somit wird deutlich, dass die Rückabwicklung nur in einer Trennung von Schaeffler und Conti liegen kann, ohne die Interessen der früheren Aktionäre zu berühren.

Continental hat zwar – ähnlich wie Schaeffler – aus einer früheren teuren Übernahme hohe Schulden. Anders als Schaeffler trauen die Banken dem Autozulieferer aber offenbar zu, diese aus eigener Kraft zu bedienen.

Letztlich würden beide Unternehmen ohnehin in der Hand der Banken landen, die die Übernahme seinerzeit finanziert hatten – allen voran die Commerzbank und die Royal Bank of Scotland. Denn die Übernahme der von der Schaeffler-Gruppe abgespaltenen Conti-Aktien allein dürfte die Kreditforderungen nicht decken.

Durchaus möglich also, dass die Banken ihre Forderungen an Schaeffler auch in Eigenkapital umwandeln werden. Glaubt man den Spekulationen, dürfte der Anteil von Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg dann von 100 auf etwa zehn Prozent sinken. Die Geschichte der Schaeffler-Gruppe als Familienunternehmen wäre damit am Ende. Und die Geschichte einer Industriebeteiligung von Banken am Anfang.

 
Leser-Kommentare
    • Medley
    • 02.03.2009 um 18:35 Uhr

    Die aufgetakelte Dame müsste selbst im Worst Case ihr Rouge nicht bei Schlecker statt bei Douglas kaufen. Es gibt wahrlich schlimmeres auf der Welt, als dass Milliardäre zu Millionären werden. Allerdings sollte die DB im Umkreis ihres Wohnortes mal ein bisschen auf ihr Streckennetz achten. Wir haben schließlich schon genug traumatisierte Lokomotivführer in diesen Zeiten.

  1. Dazu noch eine marktwirtschaftliche. Es wäre schon 'traurig' wenn die Union, unter der geballten Führung der CSU, Seehofer und zu Guttenberg, die Bürger für den Erhalt des Vermögens von Mutter und Sohn Schäffler 'bluten' lassen würde!

    • tom310
    • 02.03.2009 um 20:04 Uhr

    werden zwei Banken (Commerzbank und RBS) auf Kosten der Schaefflergruppe richtig absahnen. Denn sie haben, ohne viel Geld zu investieren, Conti und Schaeffler übernommen. Dazu kommen dann auch noch Zinsen und Zinseszinsen.
    Schaeffler ist ja gescheitert, weil Conti heute nicht mal mehr ein Fünftel dessen Wert ist, was Schaeffler dafür bezahlen wollte und jetzt muss. Vielleicht waren sie ein bisschen zu gierig, aber hauptsächlich waren sie blauäugig und hatten mal richtig Pech.

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    Schaeffler ist nicht gescheitert weil Conti heute nicht mal mehr ein Fünftel wert ist sondern weil Schaeffler sich übernommen hat. Auch eine Schlange erstickt wenn die Beute zu groß ist. Blauäugig ist keine Entschuldigung. Leid tun mir nur die Angestellten, die ihren Job verlieren, weil die Unternehmerin kein Augenmaß hatte. Das ist kein Pech sondern unternehmerisches Versagen.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    Schaeffler ist nicht gescheitert weil Conti heute nicht mal mehr ein Fünftel wert ist sondern weil Schaeffler sich übernommen hat. Auch eine Schlange erstickt wenn die Beute zu groß ist. Blauäugig ist keine Entschuldigung. Leid tun mir nur die Angestellten, die ihren Job verlieren, weil die Unternehmerin kein Augenmaß hatte. Das ist kein Pech sondern unternehmerisches Versagen.

    Gruß, Bernd
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    • Neon
    • 02.03.2009 um 20:29 Uhr

    Maria-Elisabeth Schaeffler (geb. Kurssa)
    Frau Schaeffler als Unternehmerin zu bezeichnen ist wohl etwas gewagt. Erfolgreiche Verwalterin ein gruseligen Hinterlassenschaft trifft wohl eher den Kern. Es waere doch schlau, einmal zu schauen, unter welchen Bedingungen die Familie Schaeffler in den Besitz dieses Vermoegens gelangte. Zu klein um im OMGUS Report zu landen, und immer noch erstaunlich, dass Vater Wilhelm Schaeffler zum Zeitpunkt des Erwerbes der "Davistan AG " 1939/41 Angestellter der Dresdner Bank war, die auch die SS Bank genannt wurde. Somit fuegt sich dann doch etwas, obgleich die einstmals legitimen Eigentuemer ihren Besitz wohl nicht wiedersehen werden. Nicht langweilig wirds, wenn man der Familie Kurssa nachsteigt. Da haben sich ja offenbar die Richtigen getroffen.
    Schauen wir mal, welchen Unrat diese Geschichte an die Oberflaeche spuelen wird.

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    nicht lange fabulieren, man kann es nachlesen http://www.sueddeutsche.d...
    Das Ergebnis könnte nicht unbedingt Ihren Erwartungen entsprechen.

    nicht lange fabulieren, man kann es nachlesen http://www.sueddeutsche.d...
    Das Ergebnis könnte nicht unbedingt Ihren Erwartungen entsprechen.

  2. Schaeffler ist nicht gescheitert weil Conti heute nicht mal mehr ein Fünftel wert ist sondern weil Schaeffler sich übernommen hat. Auch eine Schlange erstickt wenn die Beute zu groß ist. Blauäugig ist keine Entschuldigung. Leid tun mir nur die Angestellten, die ihren Job verlieren, weil die Unternehmerin kein Augenmaß hatte. Das ist kein Pech sondern unternehmerisches Versagen.

    Gruß, Bernd
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    Antwort auf "Auf der anderen Seite"
    • Badori
    • 02.03.2009 um 21:52 Uhr

    Ich stimme Medley voll zu: Dass Frau Schaeffler demnächst ihre Rougeschicht vielleicht etwas dünner auftragen muss und dafür vielleicht nicht einmal mehr Personal haben wird, dürfte uns als demokratische Gesellschaft wirklich wenig interessieren. Sie wird sicher nicht den Hungertod sterben.

    Wesentlich tragischer finde ich die Folgen dieser in einer unendlichen Selbstüberschätzung begründeten unternehmerischen Fehlentscheidung für all die einfachen Arbeiter und Angestellten der Firma Schaeffler.

    Es ist typisch, dass in solch schwierigen Zeiten mal wieder der Ruf nach Vater Staat laut wird, während in Zeiten von wirtschaftlichem Boom (dessen Ende sich im Sommer 2008 längst angekündigt hatte) stets größtmögliche unternehmerische Freiheit gefordert wird.
    Eine staatliche Intervention und milliardenschwere Unterstützung für werte Frau Schaeffler halte ich für nicht vertretbar. Das würde absolut falsche Signale setzen.

    Das Geld könnte man stattdessen in wirklich zukunftsträchtige Bereiche investieren:
    - Bildungswesen
    - neue Technologien (Umwelttechnik)
    - umweltfreundliche Infrastruktur

    Auch was den Fall "Opel" angeht, erschüttert es mich, dass in der öffentlichen Diskussion überhaupt so lange ernsthaft nachgedacht wird über staatliche Finanzspritzen.

    Viele Grüße

    Badori

  3. nicht lange fabulieren, man kann es nachlesen http://www.sueddeutsche.d...
    Das Ergebnis könnte nicht unbedingt Ihren Erwartungen entsprechen.

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    Den Artikel kannte ich zwar schon, aber nun ja.

    Anders als der beauftragte Historiker behauptet, wurden da doch einige Stellen dezent "ausgeblendet" - das habe ich schon mal etwas anders gelesen.

    Wie der "kleine" Buchprüfer an die Firma gekommen ist, bleibt ziemlich offen (soo billig kann die auch nicht gewesen sein). Auch war anderswo zu lesen, dass doch viel kriegswichtiges produziert wurde (und nicht nur "Knöpfe", sondern Waffen) und die Firma eben auch deswegen nach Franken verlagert wurde, um dort im Krieg weiter zu produzieren (und eben nicht dort "neu" gegründet wurde - allenfalls nach dem Krieg gab es eine Neugründung). Aber wie auch immer.
    Der Hinweis auf "Familie Kurssa" bei Wikipedia ist sehr interessant.
    Da wurde also immer schon ein großes Rad gedreht.

    Aber trotz allem muß das mit der aktuellen Situation nicht unbedingt im Zusammenhang stehen.

    Es war halt die falsche Aktion zum falschen Zeitpunkt an einem zu großen Happen. Hoch gepokert und verloren - aber für einen schönen Lebensabend wird es wohl noch sehr gut reichen bei Frau Schaeffler. Das Eisenbahnpersonal wird Frau Schaeffler wohl eher nicht traumatisieren.

    Die leidtragenden sind wie immer die Arbeitnehmer (und die Steuerzahler), wenn als Gewinner die Banken übrig bleiben - wie fast immer.

    Den Artikel kannte ich zwar schon, aber nun ja.

    Anders als der beauftragte Historiker behauptet, wurden da doch einige Stellen dezent "ausgeblendet" - das habe ich schon mal etwas anders gelesen.

    Wie der "kleine" Buchprüfer an die Firma gekommen ist, bleibt ziemlich offen (soo billig kann die auch nicht gewesen sein). Auch war anderswo zu lesen, dass doch viel kriegswichtiges produziert wurde (und nicht nur "Knöpfe", sondern Waffen) und die Firma eben auch deswegen nach Franken verlagert wurde, um dort im Krieg weiter zu produzieren (und eben nicht dort "neu" gegründet wurde - allenfalls nach dem Krieg gab es eine Neugründung). Aber wie auch immer.
    Der Hinweis auf "Familie Kurssa" bei Wikipedia ist sehr interessant.
    Da wurde also immer schon ein großes Rad gedreht.

    Aber trotz allem muß das mit der aktuellen Situation nicht unbedingt im Zusammenhang stehen.

    Es war halt die falsche Aktion zum falschen Zeitpunkt an einem zu großen Happen. Hoch gepokert und verloren - aber für einen schönen Lebensabend wird es wohl noch sehr gut reichen bei Frau Schaeffler. Das Eisenbahnpersonal wird Frau Schaeffler wohl eher nicht traumatisieren.

    Die leidtragenden sind wie immer die Arbeitnehmer (und die Steuerzahler), wenn als Gewinner die Banken übrig bleiben - wie fast immer.

    • WDK
    • 02.03.2009 um 23:25 Uhr

    “Die Geschichte der Schaeffler-Gruppe als Familienunternehmen wäre damit am Ende. Und die Geschichte einer Industriebeteiligung von Banken am Anfang.”

    Der zweite Satz scheint mir in solch einer Allgemeinheit nicht ganz wahr zu sein. Die Deutsche Bank war für viele Jahre der Hauptaktionär der Daimler Benz AG und der Bayer AG. Diese Aktien wurden aber langsam von der Deutschen Bank verkauft, weil die Rendite dieser durchaus profitablen AGs nicht annährend so hoch war wie der Handel mit den “neuen Finanzprodukten”.

    Als diese “feindliche Übernahme” der Conti AG durch das viel kleinere “Schaeffler Familienunternehmen” Gestalt annahm, habe ich oft gelesen, dass in dieser Unsicherheit der Finanzen Familienunternehmen als solche geradezu ein Fels in der Brandung seien. Sie würden nicht gezwungen, vier mal im Jahr ihre Bilanzen zu drucken, müssten auch darüber hinaus wenige finanzielle Daten auf den Tisch legen, und sogar wichtiger, persönliches Interesse daran hätten, IHR Unternehmen weiter zu bringen und IHRE Arbeiter gut zu behandeln.

    Die Geschichte der Schaeffler Gruppe belegt nicht das Gegenteil, relativiert aber sehr stark die angebliche Überlegenheit von “Familienunternehmen”.

    Nach dem Krieg aufbauend auf patentierten “Wälzlagern” wurden diese von Schaeffler fabriziert und mit guten Gewinnen vermarktet. Investitionen in zukunftgerichtete Forschung sind in dieser Geschichte nicht ersichtbar, was die hohen Profite erklären könnte, mit denen dann Firmen gekauft wurden, die erfolgreich eigenfinanzierte Innovationen auf den Markt brachten, und genau deshalb erstmal etwas “knapp bei Kasse” waren. Dieses "knapp bei Kasse sein" hat die Schaeffler Familie mehrfach genutzt, um diese Firmen "günstig" zu kaufen. (Off the record: nicht viel anders als damals "jüdische Firmen" gekauft wurden).

    Der letzte Conti-Bissen war zu groß, aber durchaus der Geschäftsidee folgend, Zukunfts-Innovationen nicht selber zu entwickeln sondern zu kaufen. Dieser Coup wurde eingeleitet durch typische Aktien-Lehrkäufe. Mehrere Banken wurden beauftragt, langsam Conti-Aktien zu kaufen, aber unterhalb der Meldepflicht von 5%. Dann kam der Schaeffler Angriff auf Conti, mit der Direktive an die Aktien-Einsammelbanken, ihnen diese Aktien zum Tageskurs zu leihen …….. .

    Meine eigenes Fazit aus dieser “Familientragödie” der Schaefflers ? Ich traue CEOs von AGs wie Zetsche bei der Daimler AG viel mehr zu als Maria-Elisabeth Schaeffler, die “Mutter der Belegschaft”. Vielleicht ist das Zeitalter der "Familien-Partriarch(inn)en abgelaufen ?", Wenn es so wäre würde ich keine Träne weinen.

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