Befürchtungen über eine Verschärfung der weltweiten Wirtschaftskrise haben dafür gesorgt, dass die Talfahrt der Aktienmärkte auch zu Wochenbeginn anhält: Der deutsche Aktienindex Dax fiel am Montag auf das tiefste Niveau seit 2003 und schloss bei 3710,07 Punkten. Kurzzeitig war er sogar unter die 3700-Punkte-Marke gefallen.

Besonders Finanzwerte gerieten unter Druck und litten damit ein weiteres Mal unter den andauernden Sorgen über weitere Kapitalhilfen für die Finanzbranche. Dass diese immer mehr und immer neues Geld benötige, sei ein eindeutiger Belastungsfaktor für die Aktien von Banken und Versicherern, hieß es am Markt. So sackten die Papiere der Commerzbank, Deutschen Bank, Postbank und der Allianz auf neue Tiefststände.

An der Wall Street rutschte der Dow-Jones-Index erstmals seit 1997 wieder unter 7000 Punkte. Für Unbehagen unter den Börsianern sorgten auch hier die Angst vor einer weiteren Verschärfung der Finanzkrise, vor allem aber das Desaster des Versicherungskonzerns American International Group (AIG) mit dem größten Verlust der Wirtschaftsgeschichte.

"Die Verunsicherung ist allenthalben groß", brachte ein Händler die Stimmung auf den Punkt. Viele Anleger sähen sich durch die schlechten Nachrichten von AIG bestätigt: "Da draußen gibt es noch immer große Probleme und diese Probleme sind bei Weitem nicht gelöst". Allerdings könne man die Situation für die deutschen Versicherer auch positiv sehen, kommentierte ein anderer Händler: "Sie werden AIG sicher den einen oder anderen Kunden abjagen können".

Der schwer angeschlagene und einst weltgrößte Versicherer hat innerhalb von drei Monaten fast 62 Milliarden Dollar verloren, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 100 Milliarden. AIG hatte sich vor allem mit Versicherungen auf hochspekulative Papiere verzockt und gehört damit neben der Citigroup zu den größten Verlierern der Finanzkrise. Am Montag wurde bekannt, dass die Regierung dem Unternehmen einen weiteren Kredit von 30 Milliarden Dollar bewilligt hat. Insgesamt summiert sich die staatliche Unterstützung damit auf rund 180 Milliarden Dollar. Der Staat kontrolliert bereits 80 Prozent der AIG-Anteile.

Die Anleger waren aber offenbar auch erleichtert darüber, dass durch die neuen Staatshilfen die Gefahr neuer Herabstufungen durch die Ratingagenturen abgewendet wurde. Aus diesem Grund entzogen sich die Aktien des Versicherers der negativen Stimmung und sprangen in New York knapp 15 Prozent in die Höhe. Für die Titel anderer Finanzinstitutionen wirkten die AIG-Nachrichten jedoch belastend. Die Aktien der Bank of America stürzten um zwölf Prozent ab, JPMorgan- und Goldman-Sachs-Papiere gaben jeweils etwa drei Prozent nach.