SuchtstatistikZahl der Drogentoten gestiegen

Die Deutschen nehmen mehr harte Drogen. Das zeigen neue Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 1449 Menschen durch Rauschmittel

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Die Zahl der Drogentoten in Deutschland nimmt zu. Vor allem der Konsum von Heroin endet oft tödlich  |  © Paula Bronstein/Getty Images

Seit 2006 steigt die Zahl der Drogentoten hierzulande an und hat jetzt den höchsten Stand seit fünf Jahren erreicht. Die meisten Abhängigen starben an einer Überdosis Heroin, oft kombiniert mit Alkohol und Schlafmitteln. Mit zunehmendem Alter der Heroinabhängigen könnte die Zahl weiter steigen, warnte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD) am Dienstag in Berlin. Nötig seien mehr Drogenkonsumräume und Ersatzprogramme.

Viele Heroinabhängige seien zunehmend verelendet, sagte Bätzing. Zu den Todesursachen zählten auch zunehmend Hepatitis C oder Lebererkrankungen. Die meisten Betroffenen seien seit Jahren abhängig und bereits über 35 Jahre alt. Um die Zahl der Drogentoten zu verringern, sprach sich Bätzing für die verstärkte Abgabe von Methadon und künstlichem Heroin (Diamorphin) aus. Der Vorschlag Diamorphin Schwerstabhängigen regelmäßig zur Verfügung zu stellen, stößt bei der Union noch auf Ablehnung.

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"Strafverfolgung allein ist kein Mittel", sagte Bätzing. Hunderte Leben seien durch Drogenkonsumräume gerettet worden. "Der Drogentod im Bahnhofsklo gehört der Vergangenheit an." In Privaträumen kämen Rettungsärzte oft zu spät. Auch schneller verfügbare Therapien müsse es geben, mehr Aufklärung und mehr Medikamente, die einen Atemstillstand wegen einer Überdosis vorbeugen.

Dem Bundeskriminalamt (BKA) fielen auch mehr regelmäßige Konsumenten von Amphetamin, Ecstasy und Kokain auf. Rauschgift werde in Deutschland zunehmend selbst gemixt und angebaut. Die Nachfrage nach Drogen bleibe trotz Vorbeugung und Appellen auf hohem Niveau, räumte Bätzing ein. Auch die Zahl der Konsumenten, die erstmals harte Drogen konsumieren, steigt: Das BKA verzeichnete einen dreiprozentigen Zuwachs auf 19.200 Menschen. Darunter seien oft bereits langjährig Betroffene, sagte BKA-Chef Jörg Ziercke. Bei Amphetaminen gab es einen Anstieg um rund sieben Prozent auf 10.600. Fast 4000 Kokain-Konsumenten gerieten in diese Behördenstatistik. Auch nahmen mehr Menschen Ecstasy. Außerdem wurden 160 Fälle von LSD-Konsum erfasst. "Der Trend geht weg vom schmutzigen Heroin, hin zur Lifestyledroge Kokain", sagte Ziercke. Dabei mache Kokain genauso abhängig, warnte er.

Einen drastische Anstieg gab es auch bei sichergestellten Drogen. Die Fahnder entdeckten 56 Prozent mehr Amphetamin (1,3 Tonnen), 108 Prozent mehr Haschisch (7,6 Tonnen) und 137 Prozent mehr Marihuana (8,9 Tonnen). Eine härtere Gangart gegen den Cannabis-Anbau in den Niederlanden habe zu einer starken Zunahme in Nordrhein-Westfalen geführt. Bundesweit stieg die Zahl der unschädlich gemachten Plantagen von 330 auf 517. 25 Rauschgiftlabore wurden geschlossen, 15 mehr als im Jahr 2007, die meisten davon an der Grenze zu Tschechien.

Mit großem Abstand starben in Berlin die meisten Drogenabhängigen (152), gefolgt von Hamburg (58), Köln (54) und München (50). In Baden-Württemberg, Niedersachsen, dem Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Schleswig-Holstein stieg die Zahl der Rauschgiftopfer. Einen Rückgang verzeichneten Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bremen.

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Leserkommentare
  1. Aber Alkohol faellt ja nicht unter Drogen,lol.
    Die Statistik halten wir auch lieber unterm Tisch.
    Gruss

  2. Ein Drittel bis die Hälfte der Wahlberechtigten nimmt bei uns nicht mehr an Wahlen teil - gibt es deswegen eine "Bundesbeauftragte für Wahlmüdigkeit"? Nein, unsere institutionalisierte Politik kümmert sich liebevoll um Pseudoprobleme, während sich in ihrem Rücken die realen Bedrohungen auftürmen. Aber wenn man die ziel- und interesselosen Massen schon politisch ignoriert, sollte man ihnen wenigstens ihre Drogen lassen. Wie wohltuend anders hätte sich die Geschichte entwickelt, wenn die Deutschen 1932/33 alle dauerbekifft gewesen wären....

    • ohno
    • 04. März 2009 20:28 Uhr

    ist doch keine Droge - das ist doch Kultur!

    *hicks*

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Jörg Ziercke | SPD | Bundeskriminalamt | Browser | Bundeskriminalamt | Drogen
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