Koma-Fall Englaro Behörden ermitteln wegen Mordes

17 Jahre lang lag sie im Koma, Anfang Februar wurde die künstliche Ernährung eingestellt, Eluana Englaro starb. Nun wird gegen 14 Personen wegen Mordverdachts ermittelt

Auch gegen den Vater der 38-jährigen Eluana Englaro sowie den zuständigen Anästhesisten seien Ermittlungen eingeleitet worden, erklärte Staatsanwalt Antonio Biancardi. Nach zahlreichen Strafanzeigen seien die Behörden dazu verpflichtet.

Die nach einem Unfall vor 17 Jahren ins Koma gefallene Frau starb Anfang Februar, nachdem die künstliche Ernährung auf Bitten ihres Vaters Beppino eingestellt worden war. Er hatte dafür die Erlaubnis vom Obersten Gericht des Landes erhalten.

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Der Fall führte im katholisch geprägten Italien zu einer heftigen Kontroverse, in die sich auch Ministerpräsident Silvio Berlusconi und der Vatikan einschalteten. Berlusconi wollte per Eilgesetz die Ärzte zur Wiederaufnahme der lebenserhaltenden Maßnahmen zwingen. Dem kam jedoch der Tod Englaros zuvor.

 
Leser-Kommentare
    • TyRell
    • 28.02.2009 um 16:12 Uhr

    Wenn man voraussetzt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Genesung der Patientin nach 17 Jahren im Koma nahezu unmöglich ist, so besteht dennoch eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass dies hätte eintreten können und ohne einen selbst verfassten Beschluss der im Koma liegenden Frau, wird die gesamte Situation sehr viel komplexer.

    Das ist wahrscheinlich die Sichtweise, wie sie der ultra-konservative Vatikan oder der Ministerpräsident Berlusconi sehen. Es gibt aber auch eine andere Sichtweise: Nämlich die leidende Familie der Frau, die es nicht mehr ertragen kann, nach 17 Jahren auf den Tag zu warten, an dem die Frau ihre Augen öffnet und sich alles wieder normalisiert. Diese Hoffnung ständig in sich zu tragen ist wahrscheinlich viel zermürbender und schrecklicher, als die Gewissheit des Todes.

    Hier gilt es abzuwägen, welches Leid man lindern sollte und in Anbetracht der Situation, in der die Patientin bereits seit 17 Jahren im Koma liegt, ist die Entscheidung, die Ernährung der Patientin einzustellen und ihr ein würdiges Ende zu bieten wahrscheinlich richtiger gewesen, als das Leiden der Familie immer weiter auszudehnen.

    Eine Sache ist es, dass so festzustellen und die andere, dass in die Beton-Köpfe des in Italien mächtigen Vatikans und von dem Ministerpräsidenten Berlusconi zu bekommen.

    Man messe sie am Müll.

  1. werter @TyRell moechte ich Ihnen zustimmen. Ich halte einen grundsaetzlichen Aspekt fuer immer wieder entsetzlich vernachlaessigt in solchen Diskussionen, wenn eben keine Sterbeverfuegung da ist: was sagen die engsten Angehoerigen - Ehepartner, Freunde, Familie des Komapatienten ueber den Menschen eben vor jenem Moment, der ihn zum Apalliker - oder - zum Komapatienten machte ? War er lebenslustig, hat er sich 'mal ueber so etwas geaeussert ? Ich, als Motorradfahrer und auch sonst jemand, der ein gewisses Risiko immer faehrt, dieses aber schon bewusst kalkuliert - aber - falscher Zeitpunkt, falscher Ort - dann ist's halt mal ganz schnell passiert - also ich habe immer zu Freunden und auch zu meiner Familie gesagt, dass ich nicht laenger als zwei Jahre hirntod vegetieren moechte.
    Das Grundrecht auf einen menschlichen Tod wird in vielen Kliniken taeglich mit Fuessen getreten - weil es dieses Recht paradoxerweise nicht gibt und es ein Tabu ist, das insbesondere von der katholischen Kirche strengstmoeglich behuetet wird.
    Eine Verfahrensweise wird so generalisiert, die den Menschen seiner Geschichte und seiner Freiheit in der drastischsten Weise ueberhaupt enthebt.
    Berlusconi und der Vatikan verhalten sich in dieser Angelegenheit einmal mehr widerlich und menschenverachtend dogmatisch.
    Denn - die Freiheit des Menschen, seine eigene Geschichte zu leben - und die Freiheit seiner Lieben, diesem Freund / Partner die Freiheit des wuerdevollen Todes zu geben, wenn er selbst dazu nicht mehr faehig ist - und mithin ihm diese Freiheit als letztes Geschenk zu geben - das ist Menschlichkeit und Respekt und - Liebe.
    Nicht, was die Gralshueter des Todes in ihrem billigen Populismus veranstalten.

  2. mir fehlen die worte für das, was da in italien passiert und theoretisch überall passieren kann, wo es keine klaren regeln für solche fälle gibt.

    die familie der nach 17 jahren verstorbenen frau darf nun immer noch nicht erlöst in ruhe trauern und ein kapitel abschließen.

    und angehörige anderer koma-patienten werden weiterhin gezwungen, in so einem zwischenzustand zwischen leben und sterben auszuharren.

  3. Der eigentliche Skandal ist, daß der Vater durch alle Instanzen das Recht erkämpft hatte, die künstliche Ernährung seiner Tochter einzustellen und sie somit sterben zu lassen. La Corte Suprema, das wenn ich mich richtig erinnere, dem Bundesgerichtshof entspricht, hatte entschieden, daß Eluana nicht weiter am Leben gehalten werden muss.
    Wenn jetzt ein Provinzstaatsanwalt eine Mordanklage konstruiert, bedeutet das, daß er die Entscheidung des höchsten Gerichtes Italiens, also geltendes Recht, ignoriert. Genauso war der Versuch Berlusconis zu werten, mit einem Eilgesetz eine höchstrichterliche Entscheidung als nichtig zu betrachten.

    Hier beginnt die Auflösung des Rechtsstaates und der Rechtssicherheit. Dies ist auch so gewollt. Die Bevölkerung wird durch den medialen, vermeintlich moralischen begründeten Dauerbeschuss, dumm gemacht und bemerkt garnicht, daß sie immer mehr der Willkür ausgesetzt und ihrer Rechte beraubt wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
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  • Schlagworte Silvio Berlusconi | Vatikan | Ermittlung | Italien | Behörde
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