Krisengipfel Europas Absage an den Protektionismus
Ja zum Binnenmarkt. Auf diese Kernaussage haben sich die EU-Staatschefs bei ihrem Gipfeltreffen geeinigt. Sonderwünsche blockten sie ab
In der EU gibt es nach Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel keinen Streit über Protektionismus. Kein Land habe irgendeinem anderen Land protektionistische Tendenzen unterstellt, sagte Merkel nach dem informellen EU-Sondergipfel am Sonntag in Brüssel. "Alle sind sich einig, es ist gut, den Binnenmarkt zu haben und dass die Kommission über unsere Konjunkturpakete wacht." Die nationalen Maßnahmen zum Ankurbeln der Konjunktur müssten der gesamten EU nützen, die Wirkung dürfe nicht auf ein einzelnes Land konzentriert sein.
Der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek sagte zu der Debatte um eine Abschottung von Märkten : "Wir haben uns geeinigt, dass es keinen einzigen Fall von Protektionismus gibt." Vor dem Treffen war vor allem Frankreich vorgeworfen worden, mit einem großen Programm für die heimische Autoindustrie diese über Gebühr zu bevorzugen.
Im Entwurf zur Abschlusserklärung des Sondergipfels der EU-Staats- und Regierungschefs am Sonntag wird die zentrale Rolle des gemeinsamen Binnenmarktes als Mittel zur Lösung der Krise betont. "Dieser Gipfel muss zeigen, dass Europa sich nicht spaltet in Neu und Alt, Süd und Nord oder Ost und West", sagte der kurz vor dem Treffen in Brüssel. Unter dem Druck der Krise drohten die EU-Länder zuletzt auseinanderzudriften und sich mit nationalen Hilfsprogrammen für die Wirtschaft gegenseitig zu schaden.
Das von Ungarn geforderte Sonderprogramm für den Finanzsektor Mittel- und Osteuropas lehnten die Gipfelteilnehmer ab. "Die Lage in jedem Land ist unterschiedlich", sagte Topolanek nach Abschluss des Sondertreffens. Ungarn hatte ein bis zu 190 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für Osteuropa verlangt.
Im Entwurf zur Abschlusserklärung versprechen die EU-Staaten erneut, sich bei der Unterstützung der Wirtschaft eng abzustimmen und EU-Recht nicht zu verletzen. Die zurzeit massiv steigende Staatsverschuldung soll unter Kontrolle gehalten werden. Es komme außerdem darauf an, die Kreditvergabe wieder in Gang zu bringen, damit die staatlichen Konjunkturprogramme wirken könnten.
Bei dem Gipfel zur Beschäftigungssicherung im Mai sollen außerdem Maßnahmen beschlossen werden, um die sozialen Folgen der Krise abzufedern. So sollen die bestehenden EU-Hilfsfonds ausgeschöpft werden.
In den vergangenen Wochen war in Europa die Furcht vor Protektionismus gewachsen. Frankreich, Spanien und Italien wollten Schutzklauseln für die heimischen Standorte bei staatlichen Hilfen für die Autoindustrie einführen. Frankreich zog die umstrittene Regelung auf Druck der EU-Kommission am Samstag zurück.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sagte, die EU-Länder müssten Protektionismus und Egoismus vermeiden. Auf seine Initiative tauschten sich die neun osteuropäischen EU-Länder kurz vor dem Sondergipfel aus. Doch da die Lage in den einzelnen Ländern unterschiedlich ist, vertraten die Osteuropäer keine einheitliche Linie.
- Datum 11.03.2009 - 17:34 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
- Kommentare 3
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Uii uii,....das Wort Protektionismus scheint in aller Munde zu sein und droht... malt da wer den Teufel an die Wand? Immerhin, das Wort Protektionismus wurde bereits soweit stigmatisiert das dieses nur noch mit Schutzhandschuhen angefasst wird... Die Chance scheint vergeben zur heutigen Zeit pragmatisch damit umzugehen. Es braucht wohl noch einige Zeit bis der Sinn und Unsinn von Protektionismus wieder ohne Schrecken diskutiert werden kann...
Warum blos haben alle angeblich soviel Angst davor? Vieleicht weil die Exportmärkte dann langsam dahin fallen? An der angeblichen Verschlechterung im "eigenen" Land durch Protektionistische Massnahmen kann es ja nicht liegen.
Die angebliche Einigkeit, vorallem zwischen Ost und West war so oder so nie vorhanden. Die bis heute massiven Ungleichheiten, Wirtschaftlich, Sozial und Kulturell konnte man lediglich bis heute so ohne weitere Diskussionen zudecken weil diese Länder mit Krediten überschwemmt wurden... Das friedliche bestaunen der vollen Schaufenster und der Konsum der dahinter zu sehenden Waren beglückt halt nur solange wie die Kredite freigiebig verteilt wurden...
Plötzlicher Reichtum (auch in diesem Ländern nur für wenige) musste sich ja anfühlen wie ein Lottogewinn. An die Zukunft dachten wohl nur die "ewig gestrigen" Kritiker der Kreditblasen. Aber auf die wollte ja niemand höhren...
Es war schon immer so, das Protektionismus die einzige Möglichkeit für Nationen war sich auf eigene Standbeine zu stellen. Die einzigen Ausnahmen waren lediglich in Rohstoffreichen Nationen zu finden... Alle anderen sind bis heute Arm geblieben...
So streng sollte man das nun wirklich nicht sehen. Immerhin hat sich ja die Neoliberale Ideologie in den letzten Wochen und Monaten ad absurdum geführt....
Vieleicht hat Protektionismus doch einige gute Seiten?
;-)
. “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
dann wuerden sie jetzt, iran und saudi-arabien sind auch schon unter ihrer kontrolle, der welt den oel-hahn auf- und zudrehen konnen. Die restproduktion der welt waere vernachlaessigbar - auf jeden fall bei der preisgestaltung.
Sie haetten damit der weltwaehrung ein starkes asset hinzugefuegt um sie zu 'backen' und die welt haette damit endlich wieder eine waehrung, von der man auch weiss was die zahlen auf den scheinchen an wert bedeuten.
Bei jeder weltwaehrungskriese haetten sie einfach den oelpreis angepasst und der welt damit stabilitaet geschenkt. Wir, wenn auch vasallen, waeren alle in den genuss der 'sonne' unseres herrschers gekommen die auch auf uns einwenig herabstrahlt um uns in seinem glanze zu sonnen.
Ach waere das jetzt schoeoeoennn....
... wie der Freihandel innerhalb der EU heißt, war ein riesiger Fehler.
Sie ist einer der Hauptgründe, warum jetzt alle ein "handlungsfähiges" Europa heraufbeschwören, denn kein Land kann mehr irgendwelche Vorschriften machen, ohne dass alle anderen EU-Länder es abnicken. Was für ein Hemmschuh.
Warum machen unsere Politiker solchen Schwachsinn, warum beschneiden sie ihre eigene Handlungsfähgkeit? Nun, das wüsste ich selbst gern, aber die Profiteure sind wohl relativ eindeutig, es sind die internationalen Unternehmen, deren Aufwand ein Produkt weltweit zu vermarkten, sinkt. Andere Vorteile kann ich nicht erkennen.
Schön, dass unsere Politiker diese euopäischen Grundsätze mantraartig bestätigen und sie offenbar ebensowenig in Frage stellen, wie zu der Zeit, als sie die entsprechenden Verträge unterschrieben haben.
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