Entwicklungspolitik Gleichberechtigung verhindert Armut

Die Gleichstellung von Frauen und Männern wird in den UN-Millenniumszielen kaum beachtet. Sie auf Bildung und Gesundheit zu beschränken reicht nicht aus

Frauen und Kinder werden in der Entwicklungspolitik  nicht ausreichend berücksichtigt: Im Kibera-Slum von Nairobi in Kenia

Frauen und Kinder werden in der Entwicklungspolitik nicht ausreichend berücksichtigt: Im Kibera-Slum von Nairobi in Kenia

Die Welt ist ein für Frauen und Männer sehr unterschiedlicher Ort ist. Frauen leisten weltweit zwei Drittel aller Arbeit, erhalten dafür aber nur ein Zehntel des Einkommens und besitzen nur ein Prozent des Eigentums. 70 Prozent der extrem Armen sind Frauen und Mädchen. „Die Gleichstellung der Geschlechter ist der Schlüssel zur Überwindung von Armut“, sagte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul deshalb folgerichtig bei der Präsentation des Weltbevölkerungsberichtes 2008 vergangenes Jahr. Aber spiegelt sich diese Einsicht in der Entwicklungspolitik wider?

Im Jahr 2000 haben sich 189 Staaten in der Millenniumserklärung verpflichtet, mit der Umsetzung von acht Millenium Development Goals (MDGs) zur weltweiten Armutsbekämpfung beizutragen. Die demonstrative Einigkeit der Akteure auf der Bühne der internationalen Entwicklungspolitik, ihren gut gemeinten Absichtserklärungen bis 2015 nun auch gut gemachte Taten folgen zu lassen, mag eine positive Überraschung gewesen sein und hat zu großer internationaler Aufmerksamkeit geführt. Aber die aus der Millenniumserklärung abgeleiteten Ziele sind nicht übertrieben innovativ. Vor allem im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit können die MDGs sogar als Rückschritt betrachtet werden. So war etwa die Aktionsplattform der Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 schon sehr viel breiter angelegt, konkreter formuliert und in ihren Forderungen erheblich konsequenter.

Anzeige

Also darf – nicht nur anlässlich des Internationalen Frauentages am kommenden Sonntag und weil die Halbzeitmarke für die Erreichung der Millenniumsziele gerade überschritten ist – die Frage gestellt werden, wie bedeutsam die MDGs im Hinblick auf Geschlechtergerechtigkeit überhaupt sind. Positiv ist, dass im dritten Millenniumsziel die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und die Selbstbestimmung von Frauen ausdrücklich thematisiert wird. Aber die hier formulierte Vorgabe, das Geschlechtergefälle in der Grund- und Sekundarschulbildung zu beseitigen, steht bemerkenswert isoliert und blendet andere wesentliche Faktoren zur Durchsetzung von Gleichberechtigung aus. Und die geforderte Selbstbestimmung von Frauen wird in der Gesamtschau der Ziele zu einem Nebenelement.

In den MDGs drückt sich nur die Erkenntnis aus, dass Frauen von Armut häufiger und stärker betroffen sind als Männer. Diese Erkenntnis ist nicht neu und zweifellos auch wahr. Aber ihre Rolle als wesentliche Akteurinnen in Entwicklungsprozessen bleibt unberücksichtigt und bestehende Machtverhältnisse bleiben unangetastet. Dabei ist doch eigentlich unbestritten, was Kofi Annan richtig auf den Punkt brachte: "Die Zukunft der Welt ist abhängig von den Frauen."

Andere Stellen im Zielkatalog beziehen sich auf Frauen vor allem im Zusammenhang mit ihrer traditionellen Geschlechterrolle als Schwangere und Mütter. Immerhin wird in der ersten Zielvorgabe "Beseitigung der extremen Armut und des Hungers" auf die "produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle, einschließlich Frauen und junger Menschen“ eingegangen. Und die in der zweiten Zielvorgabe geforderte Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung soll gleichermaßen für Jungen wie Mädchen gelten. Aber damit ist die genderpolitische Schmalspuragenda der MDGs leider auch schon vollständig dargestellt.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 02.03.2009 um 14:51 Uhr

    Ersteinmal stimme ich insofern zu, dass GleichBERECHTIGUNG etwas in höchstem Maße sinnvolles und erstrebenswertes ist: sie reduziert sowohl tatsächlich die weltweite Armut und räumt dem Individuum GLEICHE MÖGLICHKEITEN ein, etwas zu tun oder zu lassen (für mich eine Grunddefinition des Freiheitsbegriffes).

    Eine Entartung dieses Begriffs ist jedoch die GleichSTELLUNG/Gender-Mainstreaming. Hierbei wird nicht mehr dem Individuum Rechnung getragen, sondern die Gesellschaft wird in zwei unbedingt zu homogenisierende Massen eingeteilt. Es zählt hierbei nicht mehr die Freiheit des einzelnen Menschen, sondern letztendlich das ENDPRODUKT, egal, wie die tatsächlichen Bedürfnisse der einzelnen Menschen tatsächlich beschaffen sind.

    Dass weltweit Gleichberechtigung herrscht, halte ich für eine Grundvoraussetzung für das Überleben der menschlichen Spezies. Gleichzeitig sind, bestimmte wohlhabendere Gesellschaften, darunter auch die Deutsche, auf dem besten Wege, durch Geschlechterkommunismus (ich halte das für die beste deutsche Bezeichnung des Wortes "Gender-Mainstreaming") zu Grunde gerichtet zu werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo Morido.
    Tja, unser ungeklärter Punkt von "damals", da ist er wieder.
    Bevor ich aber jetzt aushole habe ich hierzu noch Fragen:
    "Dass weltweit Gleichberechtigung herrscht, halte ich für eine Grundvoraussetzung für das Überleben der menschlichen Spezies. Gleichzeitig sind, bestimmte wohlhabendere Gesellschaften, darunter auch die Deutsche, auf dem besten Wege, durch Geschlechterkommunismus (ich halte das für die beste deutsche Bezeichnung des Wortes "Gender-Mainstreaming") zu Grunde gerichtet zu werden."

    1. Wenn Gleichberechtigung Grundvorraussetzung für das Überleben der menschlichen Spezies ist, und Sie sich dann mit den aktuellen Fakten auf der Welt auseinandersetzen, wieso tendieren Sie dann eher zu einer Anti-Position? Die Welt ist doch offensichtlich noch ein ganzes Eckchen von bloß-formaler Gleichheit entfernt?

    2. Das hatte ich damals schon nicht verstanden: wieso richtet Gender-Mainstreaming die Gesellschaft in D zugrunde? (Ich hoffe, Sie kommen mir mit was anderem als den männlichen Schulabbrechern)

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

    • ztc77
    • 02.03.2009 um 19:24 Uhr

    Ganz zufällig wird gegenwärtig das Wort "Kommunismus" durch die Fakten Finanz-, Wirtschaftskrise, Teilverstaatlichung wieder aufgewertet! Warum also nicht das Wort "Geschlechterkommunismus" deutlich positiver sehen als früher? Diese ZEIT-Kommentarnische läuft schon länger Gefahr, zum Forum für Geiferer und Frauenfeinde zu werden, somit danke für diese Wortwahl, sie könnte richtungweisend werden für eine Gesellschaftsentwicklung zum Besseren hin! Es ist für unsere Gesellschaft ganz grundsätzlich notwendig, dass solche Artikel nicht nur einmal im Jahr erscheinen, sondern so oft wie möglich! Schon allein um das Gegeifere der Frauenfeinde zu relativieren!

    Hallo Morido.
    Tja, unser ungeklärter Punkt von "damals", da ist er wieder.
    Bevor ich aber jetzt aushole habe ich hierzu noch Fragen:
    "Dass weltweit Gleichberechtigung herrscht, halte ich für eine Grundvoraussetzung für das Überleben der menschlichen Spezies. Gleichzeitig sind, bestimmte wohlhabendere Gesellschaften, darunter auch die Deutsche, auf dem besten Wege, durch Geschlechterkommunismus (ich halte das für die beste deutsche Bezeichnung des Wortes "Gender-Mainstreaming") zu Grunde gerichtet zu werden."

    1. Wenn Gleichberechtigung Grundvorraussetzung für das Überleben der menschlichen Spezies ist, und Sie sich dann mit den aktuellen Fakten auf der Welt auseinandersetzen, wieso tendieren Sie dann eher zu einer Anti-Position? Die Welt ist doch offensichtlich noch ein ganzes Eckchen von bloß-formaler Gleichheit entfernt?

    2. Das hatte ich damals schon nicht verstanden: wieso richtet Gender-Mainstreaming die Gesellschaft in D zugrunde? (Ich hoffe, Sie kommen mir mit was anderem als den männlichen Schulabbrechern)

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

    • ztc77
    • 02.03.2009 um 19:24 Uhr

    Ganz zufällig wird gegenwärtig das Wort "Kommunismus" durch die Fakten Finanz-, Wirtschaftskrise, Teilverstaatlichung wieder aufgewertet! Warum also nicht das Wort "Geschlechterkommunismus" deutlich positiver sehen als früher? Diese ZEIT-Kommentarnische läuft schon länger Gefahr, zum Forum für Geiferer und Frauenfeinde zu werden, somit danke für diese Wortwahl, sie könnte richtungweisend werden für eine Gesellschaftsentwicklung zum Besseren hin! Es ist für unsere Gesellschaft ganz grundsätzlich notwendig, dass solche Artikel nicht nur einmal im Jahr erscheinen, sondern so oft wie möglich! Schon allein um das Gegeifere der Frauenfeinde zu relativieren!

    • rjl
    • 02.03.2009 um 17:04 Uhr
    2. leer

    Interessantes Thema/ schlechter Beitrag. Leider ist es der Autorin nicht gelungen, einen informativen Artikel zu verfassen. Viele Worte, nichts Neues, keine vertieften Aussagen. Erinnert uns das nicht an die Projektbeschreibungen und Homepages der Entwicklungsinstitutionen???

    • Piepe
    • 02.03.2009 um 17:08 Uhr

    ist die Analphabetisierung. 60 Jahre wurde eine falsche Entwicklungspolitik betrieben. Noch jetzt verkündet die Bundesregierung , dass unser Wohlstand auf den geschaffenen Wettberbsvorteilen beruht. Was ja wohl nichts anderes als die Vorenthaltung von Wissen ist.
    Frau Wieczorek-Zeul bitte zurücktreten.
    Und diese Wischi_Waschi Emanzipation ist nur Ablenkungsquark.
    Würden 100% der Frauen in der dritten Welt lesen und schreiben können. Würde die Geburtenrate auch sinken.

  1. Die UN-Generalversammlung hat im Dezember 2007 den Forderungen islamischer Länder nachgegeben und die Kritik an Religion und Scharia als Verstoß gegen die Menschenrechte geächtet. Diese nichtbindende Resolution soll in den nächsten Wochen durch eine bindende Vereinbarung ersetzt werden (siehe Link).
    Unter diesem Hintergrund ist auch zu verstehen, warum der UN-Menschenrechtsrat die Ungleichbehandlung der Frau nur sehr schwer kritisieren kann. Schließlich ist die Unterdrückung der Frau in vielen Ländern die direkte Folge der islamischen Gesetzgebung.
    Link: http://www.youtube.com/wa...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist zwar jetzt auch keine bahnbrechende Erkenntnis, dass die Sharia (die doch gestern noch in Somalia eingeführt wurde?) unvereinbar ist mit Gleichberechtigung. Aber ich hatte das mit der Generalversammlung gar nicht mitbekommen.

    Hatten die sich nicht letztes Jahr auch darauf geeinigt, Vergewaltigungen explizit auch unter Menschenrechtsverletzungen zu fassen? Immer wieder eine erschreckende Ungleichzeitigkeit...

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

    Vielen Dank für den Link, der ist ja einigermassen erschreckend.

    Wie es um die Meinungsfreiheit bei der UN steht, wurde vor ein paar Monaten von Henryk M. Broder in einem Spiegelartikel thematisiert und auch das Internetportal "Europenews" hat davon berichtet, dem größte Teil der der deutschen Qualitätspresse (inkl. Die Zeit) war das Thema aber keine Zeile wert.

    http://www.spiegel.de/kul...

    • VeGi
    • 04.03.2009 um 23:25 Uhr

    Ich habe mir die Resolution mal genauer angesehen und musste feststellen, dass das Ziel der Resolution die Förderung des Dialogs und des respektvollen Umgangs miteinander ist. Die Resolution ist darum meiner Meinung nach grundsätzlich nicht verkehrt, und wird im CNN Programm einfach nicht gut dargestellt. Der Youtube Ausschnitt verdeutlicht vor allem das ethnozentrische Weltbild der Amerikaner.

    Für die persönliche Meinungsbildung, hier der Link zur Resolution 62/154:
    http://daccessdds.un.org/...

    Es ist zwar jetzt auch keine bahnbrechende Erkenntnis, dass die Sharia (die doch gestern noch in Somalia eingeführt wurde?) unvereinbar ist mit Gleichberechtigung. Aber ich hatte das mit der Generalversammlung gar nicht mitbekommen.

    Hatten die sich nicht letztes Jahr auch darauf geeinigt, Vergewaltigungen explizit auch unter Menschenrechtsverletzungen zu fassen? Immer wieder eine erschreckende Ungleichzeitigkeit...

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

    Vielen Dank für den Link, der ist ja einigermassen erschreckend.

    Wie es um die Meinungsfreiheit bei der UN steht, wurde vor ein paar Monaten von Henryk M. Broder in einem Spiegelartikel thematisiert und auch das Internetportal "Europenews" hat davon berichtet, dem größte Teil der der deutschen Qualitätspresse (inkl. Die Zeit) war das Thema aber keine Zeile wert.

    http://www.spiegel.de/kul...

    • VeGi
    • 04.03.2009 um 23:25 Uhr

    Ich habe mir die Resolution mal genauer angesehen und musste feststellen, dass das Ziel der Resolution die Förderung des Dialogs und des respektvollen Umgangs miteinander ist. Die Resolution ist darum meiner Meinung nach grundsätzlich nicht verkehrt, und wird im CNN Programm einfach nicht gut dargestellt. Der Youtube Ausschnitt verdeutlicht vor allem das ethnozentrische Weltbild der Amerikaner.

    Für die persönliche Meinungsbildung, hier der Link zur Resolution 62/154:
    http://daccessdds.un.org/...

  2. Es ist zwar jetzt auch keine bahnbrechende Erkenntnis, dass die Sharia (die doch gestern noch in Somalia eingeführt wurde?) unvereinbar ist mit Gleichberechtigung. Aber ich hatte das mit der Generalversammlung gar nicht mitbekommen.

    Hatten die sich nicht letztes Jahr auch darauf geeinigt, Vergewaltigungen explizit auch unter Menschenrechtsverletzungen zu fassen? Immer wieder eine erschreckende Ungleichzeitigkeit...

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

  3. Hallo Morido.
    Tja, unser ungeklärter Punkt von "damals", da ist er wieder.
    Bevor ich aber jetzt aushole habe ich hierzu noch Fragen:
    "Dass weltweit Gleichberechtigung herrscht, halte ich für eine Grundvoraussetzung für das Überleben der menschlichen Spezies. Gleichzeitig sind, bestimmte wohlhabendere Gesellschaften, darunter auch die Deutsche, auf dem besten Wege, durch Geschlechterkommunismus (ich halte das für die beste deutsche Bezeichnung des Wortes "Gender-Mainstreaming") zu Grunde gerichtet zu werden."

    1. Wenn Gleichberechtigung Grundvorraussetzung für das Überleben der menschlichen Spezies ist, und Sie sich dann mit den aktuellen Fakten auf der Welt auseinandersetzen, wieso tendieren Sie dann eher zu einer Anti-Position? Die Welt ist doch offensichtlich noch ein ganzes Eckchen von bloß-formaler Gleichheit entfernt?

    2. Das hatte ich damals schon nicht verstanden: wieso richtet Gender-Mainstreaming die Gesellschaft in D zugrunde? (Ich hoffe, Sie kommen mir mit was anderem als den männlichen Schulabbrechern)

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 03.03.2009 um 18:24 Uhr

    Vorne weg: bevor ich micht in zu viel von dem, was ich in der letzten Battle geschrieben hab, wiederhole, verlinke ich hier mal für die anderen Leser darauf.

    Kurz zu Ihren Fragen:
    1. Wie Sie meinem ersten Beitrag (sowohl in dieser, als auch in der letzten Debatte) sicher entnehmen konnten, unterscheide ich zwischen dem Begriff Gleichberechtigung und Gleichstellung/GM. Meine Anti-Position bezieht sich auf letzere beiden Begriffe und auf ihre Anwendung in Deutschland. Wie Globalworx bin ich der Meinung, dass die Probleme auf der ganzen Welt jeweils unterschiedlich sind und sich Deutschland nicht mit der Sahel-Zone vergleichen lässt.

    2. Stimmt, männliche Schulabbrecher waren Thema des letzten Artikels und ich möchte dieses hier nicht zu sehr breittreten. Kurze Erwähnung verdienen sie trotzdem, insbesondere dann wenn ihre schlechtere Schullaufbahn darauf beruht, dass Jungen auch bei gleicher Kompetenz öfters auf die Hauptschule verfrachtet werden. Dies wird von der Politik vernachlässigt und von den Gender-Koordinationsstellen gutgeheißen (Link hier), die gleichzeitig im Schlepptau des Fachkräftemangels dafür eintreten, dass mehr Mädchen an die Maschinen gehen sollen, et cetera, selbst wenn sich deren Empfänglichkeit für solche Ideen bisher als sehr gering herausgestellt hat. Die Folgen dieser Politik treffen das Land einerseits wirtschaftlich. Gleichzeitig glaube ich, dass der gesellschaftliche Friede gefährdet wird, denn jemand, der trotz Intelligenz aufs Abstellgleis geschoben wird, neigt wesentlich eher dazu, sich zu radikalisieren und sich auf unverträgliche Weise Anerkennung zu verschaffen.

    Aber dies ist ja nicht das einzige, womit ich ihnen kommen sollte und auch nicht mein Hauptanliegen. In einem Kommentar zum letzten Thema verfechten Sie eine "menschliche" Gesellschaft, die frei von "männlich und weiblich" sei. Dazu: durch bestimmte naturwissenschaftliche Studien glaube ich nicht an diese Gesellschaft. Nach ein paar Beobachtungen in Ländern außerhalb Europas meine ich viel eher, dass, je weniger man sich krampfhaft die Mühe macht, Rollenbilder zu beseitigen, umso besser funktionieren tendenziell zwischenmenschliche Bindungen. Umgekehrt bin ich der Überzeugung dass, je mehr man versucht "Gleichheit der Geschlechter" (eine absurde Formulierung, aber sie wird oben verwendet) herzustellen, umso mehr sinkt die Begeisterung dafür, Bindungen einzugehen und Familien zu gründen, bzw. diese zu halten - wie soll dies auch funktionieren, wenn sich Menschen nur noch rein sexuell einander ergänzen? Aber nein, im Sinne der höchst diffusen Parole "die Hälfte der Macht den Frauen" versucht eine kleine Gruppe von FunktionärInnen, die selber in den allermeisten Fällen nur begrenzt Ahnung von Familie und Beziehungen gesammelt haben (und fast verwette ich meinen Lmml darauf, dass die obige Autorin auch zu dieser Sorte gehört), in das Leben der restlichen Gesellschaft einzugreifen - mittels höchst wackeliger Theorien. Ob dies den Endorphinspiegel dieser Gesellschaft am Ende tatsächlich hebt, spielt für sie keine Rolle. Im Gegenteil. Sie beklagen sich dann auch noch darüber, dass heute junge Frauen in Rollenkonflikte geraten. (Link Hier).

    Zwar möchte ich einschränkend hinzufügen, dass Rollenmodelle UNTER ANDEREM Produkt einer Kultur sind - schließlich sind sie in jedem Land unterschiedlich ausgeprägt. Dennoch hat die Verteilung auf dem gesamten Planeten letztendlich gleich erfolgt. Dies legt nahe, dass es grundsätzliche Unterschiede im Verhalten zwischen den Geschlechtern gibt, denen diese Rollenbilder tendenziell am ehesten gerecht geworden sind und der Mensch insofern, wie der Rotfuchs, auch nur ein Tier ist.

    Bin gespannt auf Ihr "Ausholen"

    • Anonym
    • 03.03.2009 um 18:24 Uhr

    Vorne weg: bevor ich micht in zu viel von dem, was ich in der letzten Battle geschrieben hab, wiederhole, verlinke ich hier mal für die anderen Leser darauf.

    Kurz zu Ihren Fragen:
    1. Wie Sie meinem ersten Beitrag (sowohl in dieser, als auch in der letzten Debatte) sicher entnehmen konnten, unterscheide ich zwischen dem Begriff Gleichberechtigung und Gleichstellung/GM. Meine Anti-Position bezieht sich auf letzere beiden Begriffe und auf ihre Anwendung in Deutschland. Wie Globalworx bin ich der Meinung, dass die Probleme auf der ganzen Welt jeweils unterschiedlich sind und sich Deutschland nicht mit der Sahel-Zone vergleichen lässt.

    2. Stimmt, männliche Schulabbrecher waren Thema des letzten Artikels und ich möchte dieses hier nicht zu sehr breittreten. Kurze Erwähnung verdienen sie trotzdem, insbesondere dann wenn ihre schlechtere Schullaufbahn darauf beruht, dass Jungen auch bei gleicher Kompetenz öfters auf die Hauptschule verfrachtet werden. Dies wird von der Politik vernachlässigt und von den Gender-Koordinationsstellen gutgeheißen (Link hier), die gleichzeitig im Schlepptau des Fachkräftemangels dafür eintreten, dass mehr Mädchen an die Maschinen gehen sollen, et cetera, selbst wenn sich deren Empfänglichkeit für solche Ideen bisher als sehr gering herausgestellt hat. Die Folgen dieser Politik treffen das Land einerseits wirtschaftlich. Gleichzeitig glaube ich, dass der gesellschaftliche Friede gefährdet wird, denn jemand, der trotz Intelligenz aufs Abstellgleis geschoben wird, neigt wesentlich eher dazu, sich zu radikalisieren und sich auf unverträgliche Weise Anerkennung zu verschaffen.

    Aber dies ist ja nicht das einzige, womit ich ihnen kommen sollte und auch nicht mein Hauptanliegen. In einem Kommentar zum letzten Thema verfechten Sie eine "menschliche" Gesellschaft, die frei von "männlich und weiblich" sei. Dazu: durch bestimmte naturwissenschaftliche Studien glaube ich nicht an diese Gesellschaft. Nach ein paar Beobachtungen in Ländern außerhalb Europas meine ich viel eher, dass, je weniger man sich krampfhaft die Mühe macht, Rollenbilder zu beseitigen, umso besser funktionieren tendenziell zwischenmenschliche Bindungen. Umgekehrt bin ich der Überzeugung dass, je mehr man versucht "Gleichheit der Geschlechter" (eine absurde Formulierung, aber sie wird oben verwendet) herzustellen, umso mehr sinkt die Begeisterung dafür, Bindungen einzugehen und Familien zu gründen, bzw. diese zu halten - wie soll dies auch funktionieren, wenn sich Menschen nur noch rein sexuell einander ergänzen? Aber nein, im Sinne der höchst diffusen Parole "die Hälfte der Macht den Frauen" versucht eine kleine Gruppe von FunktionärInnen, die selber in den allermeisten Fällen nur begrenzt Ahnung von Familie und Beziehungen gesammelt haben (und fast verwette ich meinen Lmml darauf, dass die obige Autorin auch zu dieser Sorte gehört), in das Leben der restlichen Gesellschaft einzugreifen - mittels höchst wackeliger Theorien. Ob dies den Endorphinspiegel dieser Gesellschaft am Ende tatsächlich hebt, spielt für sie keine Rolle. Im Gegenteil. Sie beklagen sich dann auch noch darüber, dass heute junge Frauen in Rollenkonflikte geraten. (Link Hier).

    Zwar möchte ich einschränkend hinzufügen, dass Rollenmodelle UNTER ANDEREM Produkt einer Kultur sind - schließlich sind sie in jedem Land unterschiedlich ausgeprägt. Dennoch hat die Verteilung auf dem gesamten Planeten letztendlich gleich erfolgt. Dies legt nahe, dass es grundsätzliche Unterschiede im Verhalten zwischen den Geschlechtern gibt, denen diese Rollenbilder tendenziell am ehesten gerecht geworden sind und der Mensch insofern, wie der Rotfuchs, auch nur ein Tier ist.

    Bin gespannt auf Ihr "Ausholen"

    • ztc77
    • 02.03.2009 um 19:24 Uhr

    Ganz zufällig wird gegenwärtig das Wort "Kommunismus" durch die Fakten Finanz-, Wirtschaftskrise, Teilverstaatlichung wieder aufgewertet! Warum also nicht das Wort "Geschlechterkommunismus" deutlich positiver sehen als früher? Diese ZEIT-Kommentarnische läuft schon länger Gefahr, zum Forum für Geiferer und Frauenfeinde zu werden, somit danke für diese Wortwahl, sie könnte richtungweisend werden für eine Gesellschaftsentwicklung zum Besseren hin! Es ist für unsere Gesellschaft ganz grundsätzlich notwendig, dass solche Artikel nicht nur einmal im Jahr erscheinen, sondern so oft wie möglich! Schon allein um das Gegeifere der Frauenfeinde zu relativieren!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anonym
    • 02.03.2009 um 23:52 Uhr

    Erstmal tuts mir ja leid, dass ich Ihnen so spät antworte...ich hab gerade ne Rolle Bounty aufgebraucht, da ich ja eben noch den von Ihnen erwähnten Geifer von der Tastatur wischen musste...

    Eine Anmerkung vorweg: ich hatte das Wort schon im Sinn, bevor die Finanzkrise groß die Agenda besetzt hat und keine Angst: ich habe absolut nicht vor, das Wort "Kommunismus" aufzuwerten, wenn ich den Begriff "Gender-Mainstreaming" auf diese Weise ins Deutsche übersetze. Wieso sollte ich dies nicht tun? Handelt es sich etwa nicht um eine Ideologie, welche sich auf Egalitarismus stützt und einen "neuen Menschen" erschaffen will und damit Kernfelder des praktizierten Kommunismus besetzt? Zudem hat ihre Einbringung in die Geschäftsordnung des deutschen Bundestags mit Demokratie nicht viel zu tun.

    Ansonsten: Sie schreiben, es sei notwendig, solche Artikel "so oft wie möglich" zu schalten, um das "Gegeifere der Frauenfeinde zu relativieren". Sie wollen also, dass auf Beiträge wie den meinigen mit Quantität geantwortet wird. Wenn Sie meinen, dass schiere Masse Glaubwürdigkeit steigert - bitteschön, fordern Sies. Trotzdem sollten Sie die verantwortlichen Redakteurinnen bei der ZEIT in dieser Hinsicht nicht zu sehr überfordern - sie geben da bereits seit langem ihr bestes.

    PS@ Redfox: bitte verzeihen Sie mir die Unhöflichkeit, dass ich Ihnen nicht, der Reihenfolge der Antworten wegen, als erstes zurückschreibe. Dies werde ich morgen Mittag tun - jetzt schmeißen sie mich um 12 hier raus und ich habe mir den womöglich kürzeren Kommentar herausgepickt . Die Rolle Bounty vom Anfang war eigentlich ne Hausarbeit, die zu Ende geschrieben werden musste. Also bis dann...

    • Anonym
    • 02.03.2009 um 23:52 Uhr

    Erstmal tuts mir ja leid, dass ich Ihnen so spät antworte...ich hab gerade ne Rolle Bounty aufgebraucht, da ich ja eben noch den von Ihnen erwähnten Geifer von der Tastatur wischen musste...

    Eine Anmerkung vorweg: ich hatte das Wort schon im Sinn, bevor die Finanzkrise groß die Agenda besetzt hat und keine Angst: ich habe absolut nicht vor, das Wort "Kommunismus" aufzuwerten, wenn ich den Begriff "Gender-Mainstreaming" auf diese Weise ins Deutsche übersetze. Wieso sollte ich dies nicht tun? Handelt es sich etwa nicht um eine Ideologie, welche sich auf Egalitarismus stützt und einen "neuen Menschen" erschaffen will und damit Kernfelder des praktizierten Kommunismus besetzt? Zudem hat ihre Einbringung in die Geschäftsordnung des deutschen Bundestags mit Demokratie nicht viel zu tun.

    Ansonsten: Sie schreiben, es sei notwendig, solche Artikel "so oft wie möglich" zu schalten, um das "Gegeifere der Frauenfeinde zu relativieren". Sie wollen also, dass auf Beiträge wie den meinigen mit Quantität geantwortet wird. Wenn Sie meinen, dass schiere Masse Glaubwürdigkeit steigert - bitteschön, fordern Sies. Trotzdem sollten Sie die verantwortlichen Redakteurinnen bei der ZEIT in dieser Hinsicht nicht zu sehr überfordern - sie geben da bereits seit langem ihr bestes.

    PS@ Redfox: bitte verzeihen Sie mir die Unhöflichkeit, dass ich Ihnen nicht, der Reihenfolge der Antworten wegen, als erstes zurückschreibe. Dies werde ich morgen Mittag tun - jetzt schmeißen sie mich um 12 hier raus und ich habe mir den womöglich kürzeren Kommentar herausgepickt . Die Rolle Bounty vom Anfang war eigentlich ne Hausarbeit, die zu Ende geschrieben werden musste. Also bis dann...

  4. Vielen Dank für den Link, der ist ja einigermassen erschreckend.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service