Die brisanteste Frage stand in Bielefeld Samstag früh auf der Tagungsordnung: Soll Anja Gadow aus dem Vorstand des FZS abgewählt werden? Die Chemie-Studentin hatte Ende des Jahres eine Mail nicht an alle Mitgliedshochschulen weiterleiten wollen, weil diese eine "Frechheit" sei. Studentenvertreter aus Nürnberg, Potsdam und Freiburg klagten in dem Schreiben über die mangelhafte Informationspolitik des FZS-Vorstands. Der hätte über das Finanzloch des Verbands nicht richtig informiert und zum Sparen alle fünf Referenten gekündigt. Außerdem habe der Vorstand sein Aufsichtsgremium, den Ausschuss der Studentenschaften, nicht rechtzeitig informiert. Das wiederum bestreitet der Vorstand.

Studentenvertreter der Fachhochschule Nürnberg hatten daraufhin einen Abwahlantrag gestellt. Im Antragsbuch zur Mitgliederversammlung begründen sie ihr Anliegen: "Es kann nicht hingenommen werden, dass ein Mitglied des Vorstands aktiv versucht, Informationen vor den Mitgliedern zu verheimlichen." Samstag früh nun zogen die Vertreter aus Nürnberg diesen Antrag zurück. Zu den Gründen wollte sich bisher niemand aus der Studentenvertretung äußern. Wie Anja Gadow ihr Verhalten beurteilt, wollte sie nicht sagen, trotz mehrfacher Nachfragen durch ZEIT ONLINE.

Nachdem die Nürnberger ihr Abwahlbegehren zurückzogen, diskutierten die Delegierten einen neuen Antrag, der Gadow die Unterstützung zusichert. "Anja Gadow hat vollkommen richtig gehandelt", sagt Silja-Katharina Haufe. Die Delegierte aus Göttingen stimmte daher dafür, Gadow das Vertrauen auszusprechen. Die anderen Mitglieder taten es ihr gleich, "mit überwältigender Mehrheit", wie es in einer Erklärung der Göttinger heißt.

Darüber schüttelt Johannes Knewitz den Kopf: "Die Argumente dazu waren sehr absurd." Der Bundesvorsitzende der Liberalen Hochschulgruppen besuchte die Mitgliederversammlung in Bielefeld als Gast. Sein Verband lehnt den FZS grundsätzlich ab: "Die Diskussion hat mir das bestätigt, denn auf einmal war nicht mehr das Verhalten Anja Gadows schädlich für die Mitglieder, sondern ihre drohende Abwahl." Denn die Delegierten hätten sich bei ihren Hochschulen für die Abwahl rechtfertigen müssen.

Ob Albrecht Vorster sich rechtfertigen muss? Die Studentenvertreter aus Freiburg hatten ihm aufgetragen, für die Abwahl Anja Gadows zu stimmen. Er enthielt sich seiner Stimme bei der Abstimmung. "Das war im Rahmen meines Mandats", sagt er.

Wie aber geht der FZS nun mit seinen finanziellen Problemen um? Werden Referenten gekündigt? Wird die Unterstützung für die Hochschulen im Süden eingefroren? Telefonische Auskünfte dazu verwehrt der Vorstand, Mail-Anfragen von ZEIT ONLINE hat er nicht beantwortet.