Das Militär in Guinea-Bissau hat den Präsidenten des westafrikanischen Kleinstaates getötet und die Macht an sich gerissen. Das berichten portugiesische Medien. Den Streitkräften und der gestürzten Regierung zufolge hatten Militärs in den frühen Morgenstunden die Residenz von Staatschef João Bernardo Vieira im Stadtzentrum von Bissau angegriffen. Der Präsident habe flüchten wollen und sei dabei erschossen worden.

Das Staatsoberhaupt, "Nino" Vieira, sei schuld am Mordanschlag auf Generalstabschef Batista Tagme Na Wai, sagen die Putschisten. Der General war am Sonntag bei einem Bombenattentat auf das Hauptquartier der Streitkräfte getötet worden. Der Sprecher der Streitkräfte, Zamura Induta, erklärte, Vieira sei "einer der Hauptverantwortlichen für den Tod von Tagme" gewesen. Das Land werde nun "vorwärtskommen, dieser Mann hat alles blockiert in diesem kleinen Staat", sagte Induta über den Präsidenten.

Die Militärführung distanzierte sich nun von der Ermordung. Vieira sei von "einer Gruppe noch nicht identifizierter Bürger" getötet worden, heißt es in einem Kommuniqué des Generalstabs. Gleichzeitig verpflichteten sich die Soldaten zum "Gehorsam gegenüber der politischen Macht und den Institutionen der Republik".

Ein Augenzeuge sagte der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa, er habe den leblosen Körper Vieiras in der Residenz gesehen. Die Streitkräfte hätten nach dem Mord das Haus von Vieira geplündert. Die portugiesische Regierung verurteilte beide Anschläge scharf. Die frühere Kolonialmacht rief in Lissabon dazu auf, die verfassungsmäßige Ordnung zu respektieren. Bei dem Anschlag auf General Na Wai wurden Medienangaben zufolge fünf Menschen verletzt. Zwei schwebten in Lebensgefahr, wie es hieß.

Der Kleinstaat Guinea-Bissau liegt an der Westküste Afrikas © ZEIT ONLINE



Mit 36.125 Quadratkilometern ist Guinea-Bissau etwas größer als Baden-Württemberg. Die frühere portugiesische Kolonie erklärte sich 1973 für unabhängig. Seitdem hat die Republik zahlreiche Putschversuche erlebt. 1997/98 erschütterte ein Bürgerkrieg das Land. Die Kämpfe zerstörten auch die gewerbliche Infrastruktur in der Hafenstadt Bissau und machten die wirtschaftliche Verbesserung der Jahre zuvor zunichte. Seit dem Krieg sind noch zahlreiche Minen unter Feldern und Verkehrswegen verborgen.

Im Norden des Landes sorgen zudem Rebellentruppen aus dem benachbarten Senegal mit Überfällen für Unsicherheit. Auch internationale Drogenkartelle tragen zur Destabilisierung bei. Guinea-Bissau gilt als eines der wichtigsten Transitländer für den Kokainschmuggel von Südamerika nach Europa.

Guinea-Bissau wird seit Jahren von Konflikten zwischen rivalisierenden Gruppen erschüttert. Dabei soll der Drogenhandel eine große Rolle spielen. Der an der Westküste Afrikas gelegene Kleinstaat ist eines der ärmsten Länder der Welt. Etwa zwei Drittel der knapp 1,5 Millionen Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze, das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen wird auf 500 US-Dollar (knapp 400 Euro) im Jahr geschätzt. Der Reisanbau und die Fischerei dominieren die Wirtschaft. Die schlechte Infrastruktur behindert die ökonomische Entwicklung. Die wenigen geteerten Straßen sind in einem schlechten Zustand, Strom- und Wasserversorgung funktionieren in der Hauptstadt Bissau nur unregelmäßig und sind in vielen ländlichen Gebieten nicht vorhanden.