Für den THW Kiel war es ein großer Erfolg. Nach einem 28:28 im Hinspiel hatte der Bundesligist das Finalrückspiel in eigener Halle mit 29:27 gegen die SG Flensburg-Handewitt gewonnen. Die Kieler waren damit erstmals Sieger der Champions League. Direkt nach dem Spiel gab es keine Diskussionen über die Leistung der polnischen Schiedsrichter Miroslaw Baum und Marek Goralczyk.

Nun drohen die schweren Bestechungsvorwürfe die bislang makellose Saison des deutschen Handball-Rekordmeisters zu überschatten. Laut einem Bericht des Flensburger Tageblatts soll der Klub die damaligen Schiedsrichter bestochen haben. Der deutsche Handball-Ligaverband HBL berät am Montag auf einer Sondersitzung über die Anschuldigungen. "Die Vorwürfe sind massiv. Aber mir liegen bis jetzt keine belastbaren Dokumente vor", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann am Sonntag.

Beweise gibt es bis jetzt nicht. Allerdings soll der Berliner Staatsanwaltschaft eine Selbstanzeige von Noka Serdarusic und eines unbekannten Geldboten vorliegen. Serdarusic trainierte die Kieler Mannschaft von 1993 bis 2008. Im Anschluss wollte er seine Trainerkarriere bei den Rhein-Neckar Löwen fortsetzen, in der vergangenen Woche kündigte er dort jedoch aus gesundheitlichen Gründen.

Am Sonntagabend bestritt Serdarusic, mit einer Selbstanzeige den möglichen Bestechungsskandal um den THW Kiel ins Rollen gebracht zu haben. "Dieses Gerücht entbehrt jeder Grundlage", sagte der gebürtige Bosnier dem Sport-Informations-Dienst.

Auslöser der Diskussion war ein Schreiben vom Aufsichtsratsmitglied der HBL, Dieter Matheis an den Geschäftsführer der THW Kiel, Uwe Schwenker. Matheis ist Beiratsvorsitzender der Rhein-Neckar Löwen und ehemaliger Finanzvorstand von SAP, dem Sponsor der Löwen. Es sei wahr, dass es ein entsprechendes Schreiben an Uwe Schwenker gebe, sagte Matheis. "Darin habe ich um Aufklärung in dieser Sache gebeten." Details wollte er nicht preisgeben.

Vorsichtig reagierte auch der Vorsitzende der HBL. Rainer Witte sagte vor der Sondersitzung, wenn man mit dieser Sache solide umgehen wolle, könne man sie nicht kommentieren: "Noch ist alles Spekulation."