"Der Holocaust ist etwas Furchtbares. Und es gibt gar keine Möglichkeit, den Holocaust einfach mit anderen Elementen zu vergleichen", sagte Zollitsch am Montag in der ARD vor Beginn der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Hamburg. Natürlich seien die Bischöfe besorgt wegen der hohen Zahl der Abtreibungen. "Aber es wird immer wieder darauf ankommen, dass wir, wenn wir Vergleiche anstellen, die richtigen Proportionen treffen."

Vergangene Woche hatte eine Rede von Walter Mixa auf einer CSU-Veranstaltung im fränkischen Dinkelsbühl für Empörung gesorgt. Der Bischof hatte darin die Zahl der Holocaust-Opfer mit den in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland vorgenommenen Abtreibungen in Zusammenhang gestellt. In Anspielung auf die Debatte um den umstrittenen Pius-Bischof Willamson betonte er, dass es den Holocaust im Umfang mit sechs Millionen Getöteten sicher gegeben habe. Diese Zahl sei aber von den Abtreibungen bereits überschritten.

Zollitsch sagte dazu, Mixa werde Gelegenheit zur Klarstellung haben. "Wir werden über diese Frage miteinander sprechen. Und es hat auch Bischof Mixa selbstverständlich die Gelegenheit, seine Äußerung, die oft falsch verstanden oder missverstanden worden ist, auch in dem richtigen Kontext klarzustellen."

Der Zentralrat der Juden hatte Mixa eine "Instrumentalisierung der Holocaust-Opfer" vorgeworfen. Das Bistum Augsburg erklärte hingegen, die Erwähnung der "unterschiedlichen Zahlen in verschiedenen Sachzusammenhängen" bedeute "keine Relativierung des Holocausts". Dies zu konstruieren, sei "absurd und bösartig".

Bischof Mixa hatte schon in der Vergangenheit durch öffentliche Äußerungen für Aufsehen gesorgt. So hatte er Bundesfamilienministerin Ursuala von der Leyen vorgeworfen, mit ihren Politik Frauen zu "Gebärmaschinen" zu degradieren.

Die Affäre um den Holocaust-Leugner Richard Williamson wird vermutlich auch die Bischöfe auf ihrer Konferenz beschäftigen. Auch wenn das Thema Pius-Bruderschaft in der Tagungsordnung nicht auftaucht, würden die Bischöfe darüber beraten, sagte Matthias Kopp, Sprecher der Bischofskonferenz. Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" hat eine klare Stellungnahme der Bischöfe zu dem Thema gefordert.