Fussball-Bundesliga Wolfsburg rückt heran, HSV enttäuscht zu Hause
Die Bundesliga ist unberechenbar: Der HSV hat die Tabellenspitze verloren, Wolfsburg kommt immer näher. Stuttgart lauert, der KSC versauert – die Spielberichte vom Sonntag

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Kaum wieder dabei, schon trifft er: Wolfsburgs Torjäger Grafite schenkte dem HSV zwei ein
Hamburger SV–VfL Wolfsburg 1:3
Mit einem Doppelschlag hat Grafite den Hamburger SV unsanft aus den Meisterträumen gerissen. Der Stürmer des VfL Wolfsburg legte mit zwei Treffern die Grundlage zum verdienten 3:1 (2:0) seines Teams beim gestürzten Tabellenführer. Der Brasilianer, der sich erst vor zwei Wochen einer Meniskusoperation hatte unterziehen müssen, verwandelte in der 12. Minute einen Foulelfmeter sicher.
13 Minuten später schlug er erneut zu und markierte bereits sein vierzehntes Saisontor. Paolo Guerrero (73.) sorgte mit seinem Anschlusstor kurz für Hoffnung in Hamburg. Zwei Minuten später machte Edin Dzeko (75.) den Erfolg für die Gäste endgültig perfekt.
In der offensiv geführten Partie waren die Hamburger vor 57.000 Zuschauern beinahe die gesamte Spielzeit überlegen, schafften es aber zu selten, die VfL-Abwehr in Gefahr zu bringen. Durch ihre erste Heimpleite in dieser Saison verlor die Mannschaft von Trainer Martin Jol am 22. Spieltag ihren Spitzenplatz an Hertha BSC und rutschte auf Platz zwei.
Die konterstarken Wolfsburger, die in der Hinrunde ohne Auswärtserfolg geblieben waren, feierten indes ihren zweiten Sieg nacheinander in der Fremde und meldete als bestes Rückrunden-Team und Tabellenvierter Titel- und Champions-League-Ambitionen an. Während auf Hamburger Seite niemand die Niederlage dramatisieren wollte, gaben sich die Wolfsburger keinen Meisterschafts-Illusionen hin. "Wir wollen im DFB-Pokal ins Finale kommen und in der Bundesliga auf Platz sechs", sagte Torschütze Dzeko im Sinne seines Trainers.
HSV-Trainer Jol konnte fast auf seine beste Formation zurückgreifen. Dagegen musste Felix Magath auf den gelb-gesperrten Regisseur Zvejzdan Misimovic verzichten und das Europapokal-Aus gegen Paris St. Germain verdauen. Doch das machte sich kaum bemerkbar – dank Grafite.
Nach dem Trikotzupfer des Hamburgers Dennis Aogo an Dzeko ließ er HSV-Torwart Frank Rost keine Chance. Als der starke Marcel Schäfer sich auf der linken Seite durchsetzte und flankte, war Grafite erneut zur Stelle. Nach 49 Minuten nahm Magath den entkräfteten Südamerikaner vom Platz.
In der giftigen Begegnung mit zahlreichen Zweikämpfen erspielten sich die Hanseaten ein Übergewicht. Doch der HSV machte zu wenig aus seiner Überlegenheit. Allein Ivica Olic (2./21.) scheiterte zweimal an Wolfsburgs Ersatztorwart André Lenz. Mit Pfiffen wurde das Team in die Pause begleitet. Nach dem Wechsel brachte Jol den Kroaten Mladen Petric als dritte Spitze.
Den Gastgebern gelang noch immer nicht sehr viel. Die Wolfsburger waren mit ihren Kontern stets gefährlicher. Dzeko (57.) hätte schon für die frühe Entscheidung sorgen können. Mit der ersten gelungenen Aktion gelang dem HSV durch Guerrero (73.) der Anschluss. Doch statt Sturmlauf gab es einen Dämpfer: Dzeko machte schon zwei Minuten später alles klar.
Karlsruher SC–VfB Stuttgart 0:2
Elson mit seinem Premieren-Tor und Sami Khedira haben den VfB Stuttgart auf Europapokal-Kurs gehalten und den Karlsruher SC in noch größere Abstiegsnot gebracht. Nach dem Treffer des Brasilianers in der 50. Minute stellte Khedira (88.) im brisanten baden-würtembergischen Derby den Stuttgarter 2:0 (0:0)-Sieg sicher. Vor 29.252 Zuschauern im ausverkauften Wildpark-Stadion blieb Markus Babbel auch im achten Bundesliga-Spiel als VfB-Teamchef ungeschlagen.
Mit 36 Punkten behielt Stuttgart als Tabellensiebter Tuchfühlung zu den Uefa-Pokal-Plätzen, der KSC bleibt mit 17 Zählern auf Rang 17. Das brisante Duell hatte mit 15 Minuten Verzögerung begonnen, weil mehrere hundert Chaoten vor dem Stadion dem VfB-Mannschaftsbus die Zufahrt versperrt hatten und von berittenen Polizisten zurückgedrängt werden mussten.
Die Randalierer brüllten daraufhin Schmähparolen gegen den VfB und warfen Feuerwerkskörper. Erst auf Umwegen erreichte der Bus einen anderen Stadioneingang. Insgesamt waren mehr als tausend Sicherheitskräfte im Einsatz.
Nach vorn unterliefen den Stuttgartern viele Stockfehler, die Abwehr war ein ums andere mal nicht sattelfest. Mit einem Beinschuss düpierte Sebastian Freis VfB-Verteidiger Ludovic Magnin, der dann Freis am Trikot zog. Schiedsrichter Felix Brych (München) bewertete diese Aktion (13.) aber nicht als strafstoßwürdig. Sonst bestimmten Kampf und Krampf die Szenerie.
Der KSC konnte seine Feldüberlegenheit bis auf einen Schuss von Mahir Saglik nicht in Torchancen ummünzen, auf der Gegenseite dauerte es eine halbe Stunde bis zum ersten Eckball des VfB. Doch dann drehten die Gäste auf. Beim Schuss von Ciprian Marica aus 20 Metern rettete der Pfosten (33.), bei Martin Lanigs Kopfball (38.) die Latte für den bereits geschlagenen KSC-Keeper Markus Miller.
Kurz nach der Pause belohnte sich Elson für seine starke Leistung. Nach Pass von Gomez, der erstmals in der Rückrunde ohne Tor blieb, wartete Marica lange genug mit seiner Hereingabe in den Fünf-Meter-Raum, um dem Brasilianer sein erstes Bundesliga-Tor zu ermöglichen. Giovanni Federico vergab kurz darauf die beste Karlsruher Chance zum Ausgleich.
Der VfB verlegte sich gegen wenig zwingende Gastgeber fast nur noch aufs Kontern. Für Gefahr sorgte Magnin, der mit einem Freistoß aus gut 20 Metern Miller (58.) prüfte. In der Schlussphase wackelte die VfB-Defensive, doch Khedira machte dann alles klar.
Lesen Sie hier die Berichte von Samstag und Freitag, hier das Live-Protokoll Bremen-Bayern.
- Datum 02.03.2009 - 09:35 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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