ZEIT ONLINE: Herr Brachinger, der Weltwirtschaft geht die Luft aus. Die Preise auf den Güter- und Rohstoffmärkten tendieren nach unten, weil die Nachfrage weltweit einbricht. Sie aber warnen vor einer neuen Inflationswelle. Warum?

Brachinger: Weil die amerikanische und die anderen Notenbanken im Moment den perfekten Boden dafür bereiten. Es ist verwunderlich, wie die Fed ganz freimütig mit allen Tabus bricht: Erst betreibt sie quantitative easing und kauft faule Papiere der Banken auf, nun will sie sogar Staatsanleihen kaufen. Diese hemmungslose Geldpolitik bedeutet nichts weiter, als dass sie Geld druckt. Jeder Ökonom weiß: Wenn die Geldmenge derart drastisch steigt, tritt irgendwann Inflation ein.

ZEIT ONLINE: Sollen die Notenbanken in der Krise untätig sein?

Brachinger: Nein, aber allen sollte bewusst sein, dass die Notenbanken – vor allem die amerikanische – derzeit alles tun, damit die nächste Blase kommt. Nach dem 11. September und dem Zusammenbruch des Neuen Marktes hat die Notenbank schon einmal die Geldmenge ausgeweitet. Das Geld floss damals in den Häusermarkt und blähte diesen auf, bis es zu der Katastrophe kam, mit der wir jetzt leben müssen. Nun wiederholt sich die Geschichte. Das wird durch hohe Inflationsraten begleitet werden.

ZEIT ONLINE:Wo sollen die Preissprünge herkommen? Noch ebbt der Handel zwischen den Staaten ab, die Industrieproduktion bricht rund um den Globus ein. 

Brachinger: Wenn die Weltwirtschaft wieder anspringt, wird die Energienachfrage wieder steigen. Die Energiepreise werden anziehen und mit ihnen das Preisniveau. Die weltweiten Energieressourcen haben sich ja nicht plötzlich über Nacht vermehrt, nur weil die globale Nachfrage zeitweilig sinkt. Wir haben es hier mit einem dauerhaften Problem zu tun, das zu einer langen Phase der Inflation führen kann, wenn die Weltwirtschaft wieder in Gang kommt. Es gibt aber noch ein zweites Argument für steigende Preise in zwei, drei Jahren.

ZEIT ONLINE: Das wäre?

Brachinger: Die Mixtur aus hoher Staatsverschuldung und einer zunehmenden Geldmenge wird den Dollar deutlich schwächen. Dadurch können die Amerikaner nicht mehr so billig Waren in China einkaufen. Das treibt die Preise in Amerika, ein Umstand, der offenbar ganz im Sinne der amerikanischen Politik ist.

ZEIT ONLINE: Inwiefern?