Internet und Jugend Netzgeborene können's besser

Die Zukunft wird toll: Die heutige Jugend ist schlauer und sozialer als ihre Eltern – nur durch das Internet. Das schreibt Dan Tapscott in seinem Buch "Grown up Digital"

Dan Tapscott: Grown Up Digital. How the Net Generation is Changing Your World

Dan Tapscott: Grown Up Digital. How the Net Generation is Changing Your World

Seit mehr als fünfzehn Jahren gehört Don Tapscott zu den bekanntesten Internetverstehern Nordamerikas. Bereits 1993 gründete er eine Beraterfirma, um Unternehmen durch die Welt der Informationstechnologie zu helfen. Damals leuchteten die Buchstaben auf dem Bildschirm noch giftgrün, die meisten Computer liefen noch auf kruden textbasierten Betriebssystemen, aber Tapscott war überzeugt, dass ohne PCs und Internet bald niemand mehr leben könne.

So jemand ist gewiss kein Technikpessimist. Da überrascht es nicht, dass sein Sittenbild der Internet-Generation, Grown Up Digital, eine Lobeshymne geworden ist. Die Unter-31-Jährigen seien mit dem Internet aufgewachsen und klüger, kooperativer und sozialer als ihre Vorgängergeneration. Sie hätten nie eine Welt ohne Internetanschluss erlebt und daher ganz selbstverständlich die Potenziale dieser Technik verwirklicht – auf eine Weise, die die Altvorderen sich nicht einmal hätten erträumen können. Die Jungen, die machen "es" einfach, sie leben zugleich online und offline, ohne zwischen beiden Welten zu unterscheiden. Das Internet und Social Media ist ihnen zur zweiten Natur geworden, und wie das so ist mit den Natürlichkeiten: Die eigene Natur zu erklären, ist schwer bis unmöglich.

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Folglich verstehen sich die Eingeborenen des Internetlandes mit Zugewanderten nicht gut, mit kurzzeitigen Besuchern noch weniger. Eltern verzweifeln an Pubertierenden, die zwar ständig mit 500 Facebook-Freunden kommunizieren, aber am Essenstisch keinen vollständigen Satz herausbringen. Arbeitgeber schütteln den Kopf, wenn junge Mitarbeiter jeden Tag eine Stunde World of Warcraft spielen, anstatt zu arbeiten.

Nicht aufregen, rät Tapscott. Früher hätten Jugendliche täglich vier Stunden ferngesehen, nun sind sie vier Stunden online. Fernsehen fordert wenig vom Konsumenten, höchstens die Entscheidung der Senderwahl. Im Internet hingegen muss der Anwender sich im Sekundentakt entscheiden, kann eigene Inhalte erstellen, fremde Inhalte neu zusammenstellen, mit anderen Menschen reden und zusammenarbeiten. Tapscott ist sich sicher, Internet ist gut für Heranwachsende, weil es höhere Anforderungen stellt und zu Handlungen anregt.

Bis zu seinem 20. Geburtstag war ein heutiger Jugendlicher durchschnittlich 20.000 Stunden online und hat 10.000 Stunden lang Computerspiele gespielt. Das bleibt nicht folgenlos: Net Geners, wie Tapscott die Unter-31-Jährigen nennt, können visuelle Reize schneller verarbeiten, verfügen über eine bessere Koordination von Augen und Händen und sind entscheidungsfreudiger. Ihr Gehirn sei durch die neuen Reize während des Heranwachsens anders verdrahtet, sagt Tapscott. Aber Verstehen könne man sie dennoch. Sie hätten nämlich eine Handvoll Verhaltensnormen, die Tapscott aus Interviews mit etwa 10.000 Menschen herausgearbeitet hat.

Net Geners wollten beispielsweise in allen Belangen Wahlfreiheit haben, nicht nur beim Einkaufen, sondern auch auf der Arbeit. Sie erwarten völlige Aufrichtigkeit und finden dank des Internets und seiner Datenbanken schnell heraus, wenn sie belogen werden. Weil PR bislang eigentlich immer so gut wie gelogen war, haben sie eine skeptische Grundhaltung bzw. einen vorzüglich funktionierenden "Bullshit Detektor" entwickelt. Hierarchien und enge Arbeitsaufträge stören sie. Sie wollen lieber komplexe Probleme lösen und zwar in Zusammenarbeit mit derart vielen Menschen, dass virtuelle Kanäle benutzt werden müssen. Unterhaltsame Arbeit ziehen sie gut bezahlter vor.

Leser-Kommentare
  1. hat niemals die Potentiale eienr Welt ohne Internet kennengelernt und kann sie konsequenterweise ebensowenig beurteilen, wie die ältere Generation die ihren. Nur weil es etwas Neues gibt, heißt das noch lange nicht, dass dies auch einen Fortschritt darstellt...

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    • self22
    • 27.02.2009 um 12:28 Uhr

    Vorteil ist, dass sich Interessierte - und nur die - Informationen und Meinungen aus dem Netzt holen können, die von der allgemeinen Macht-/Medienmeinung abweichen.
    Nachteil ist, dass man sich auch (siehe die Twitter-Entwicklung) tagaus tagein mit Banalitäten beschäftigen kann, was die partielle Verblödung wahrscheinlich noch erhöht.

    • Anonym
    • 27.02.2009 um 13:05 Uhr

    Und nur weil Sie dieser Generation nicht angehören heißt es noch lange nicht dass Sie nicht akzeptieren können müssen dass es in dieser Generation einen Fortschritt gibt der sich vom dem früherer Generationen unterscheidet.

    • self22
    • 27.02.2009 um 12:28 Uhr

    Vorteil ist, dass sich Interessierte - und nur die - Informationen und Meinungen aus dem Netzt holen können, die von der allgemeinen Macht-/Medienmeinung abweichen.
    Nachteil ist, dass man sich auch (siehe die Twitter-Entwicklung) tagaus tagein mit Banalitäten beschäftigen kann, was die partielle Verblödung wahrscheinlich noch erhöht.

    • Anonym
    • 27.02.2009 um 13:05 Uhr

    Und nur weil Sie dieser Generation nicht angehören heißt es noch lange nicht dass Sie nicht akzeptieren können müssen dass es in dieser Generation einen Fortschritt gibt der sich vom dem früherer Generationen unterscheidet.

  2. Ob die heutige Jugend dank der Dauerpräsenz von Online-Nachrichten, -Communities, -Auktionen, -Spielen und dergleichen mehr tatsächlich in irgendeiner Hinsicht weiterentwickelt ist als die Generationen vor ihr, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall sind ihre Hirne um ein vielfaches mehr überfordert. Sie können kaum noch unterscheiden zwischen wichtiger Nachricht und belanglosem Unfug, zwischen Realität und Cyberspace. Keine Ahnung, ob solche Tendenzen als soziale Errungenschaften gefeiert werden sollten.

    Mehr auf den Grund gegangen wird hier: www.das-tacheles.de

    • self22
    • 27.02.2009 um 12:28 Uhr

    Vorteil ist, dass sich Interessierte - und nur die - Informationen und Meinungen aus dem Netzt holen können, die von der allgemeinen Macht-/Medienmeinung abweichen.
    Nachteil ist, dass man sich auch (siehe die Twitter-Entwicklung) tagaus tagein mit Banalitäten beschäftigen kann, was die partielle Verblödung wahrscheinlich noch erhöht.

    Antwort auf "Die "User"-Generation"
    • Anton3
    • 27.02.2009 um 12:54 Uhr

    Klar bewegt sich diese Generation selbstverständlicher und lockerer in einer digitalen Welt. Was Dan Tapscott aber ignoriert, sind schlummernde Defizite, welche die Cyber-Generationen von vorangehenden Jahrgängen unterscheidet. Das Web nimmt den Cyber-Kids zuviel ab und raubt ihnen die Räume, eigene Wege zu entdecken und zu gehen. Sie werden leider nicht mehr gefordert wie früher, sich Wissen auf Vorrat anzueignen und einen originellen Kopf zu entwickeln. Viel zuviele Copy-Paste-Strukturen bestimmen das Bild. Ganz nebenbei haben nur die wenigsten gelernt, sich ohne ständige Verbindung über Handy oder Internet auch in anspruchsvollen Situationen zurecht zu finden und zu behaupten. D.h. in der virtuellen Welt mögen sie besser zu Hause sein. In der reellen Welt aber (und ich nehme an, die wird es noch eine Weile geben) tut man gut daran, die lieben Cyber-Kids nicht allzu sehr in den Himmel zu heben und sie damit zu überfordern. Im übrigen sollte man die Bedeutung der letzten vor-digitalen Generationen für Gesellschaft und Unternehmen nicht zu früh abzuschreiben, nur weil sie ihre Busenfreunde auf Facebook in der Regel seltener vorstellen.

  3. Es sind die jungen Leute. Wie oft habe ich es in der Uni erlebt, dass die Studenten das Internet ablehnen - während meine Oma sich einen Laptop wünscht eMails zu verschicken.

    Vielleicht liegt es an den Schulen?

    http://www.marctv.de/blog...

    • Anonym
    • 27.02.2009 um 13:05 Uhr

    Und nur weil Sie dieser Generation nicht angehören heißt es noch lange nicht dass Sie nicht akzeptieren können müssen dass es in dieser Generation einen Fortschritt gibt der sich vom dem früherer Generationen unterscheidet.

    Antwort auf "Die "User"-Generation"
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    Wahrscheinlich ist aufgrund meiner fehlenden Netzerfahrung mein Umgang mit fehlerhaftem Deutsch so mangelhaft dass ich den Sinn Ihrer Ausführungen nicht verstehe.

    Was heißt denn bitte Fortschritt? Fortschritt ist genauso relativ wie alles. Guck mal: wenn ein Auto schneller fahren kann ist dass ein Fortschritt in der Schnelligkeit aber ein Rückschritt in Langsamkeit. Fortschritt gibt es nicht. Nur Veränderung.

    Wahrscheinlich ist aufgrund meiner fehlenden Netzerfahrung mein Umgang mit fehlerhaftem Deutsch so mangelhaft dass ich den Sinn Ihrer Ausführungen nicht verstehe.

    Was heißt denn bitte Fortschritt? Fortschritt ist genauso relativ wie alles. Guck mal: wenn ein Auto schneller fahren kann ist dass ein Fortschritt in der Schnelligkeit aber ein Rückschritt in Langsamkeit. Fortschritt gibt es nicht. Nur Veränderung.

    • SeppD
    • 27.02.2009 um 13:07 Uhr

    sehe ich täglich in unserem Büro (Entwicklung Elektronik und Software) bei unseren Jung-Ingenieuren und -Informatikern:
    Keine oder kaum Bereitschaft auch mal unangenehme, langweilige Aufgaben zu übernehmen
    Statt selber Lösungen zu erarbeiten, werden Lösungen ergoogelt, ausprobiert und dann durch try and error versucht ans Laufen zu bringen
    Lösungen werden zu 90-95% fertig, den Rest können andere erledigen
    Generell wenig Bereitschaft, irgendwelche Verantwortung zu übernehmen
    Auch die vielgepriesene höhere soziale Kompetenz kann ich nicht beobachten. Wobei dies vielleicht auch an der hohen Zahl von Einzelkindern liegt.
    ------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.
    (Mahatma Gandhi)

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    Vielleicht gibt es wirklich ein generationsuebergreifendes Verstændnissproblem. Ich zumindest verstehe ihren Einwand nicht:

    "Statt selber Lösungen zu erarbeiten, werden Lösungen ergoogelt, ausprobiert und dann durch try and error versucht ans Laufen zu bringen"

    Warum sollte jeder Ingeneur das Rad neu erfinden? Die ganze Technikentwicklung beruht darauf, auf Vorleistungen andrer zurueckzugreifen.
    Von Newton stammt der Ausdruck, er hætte weiter gesehen als andere, stuende dabei aber auf den Schultern von Riesen - Heute das Motto von Google Scholar.

    Dank des Internets ist dieser Prozess nur viel einfacher und schneller geworden, warum sollte das nicht genutzt werden?

    Vielleicht gibt es wirklich ein generationsuebergreifendes Verstændnissproblem. Ich zumindest verstehe ihren Einwand nicht:

    "Statt selber Lösungen zu erarbeiten, werden Lösungen ergoogelt, ausprobiert und dann durch try and error versucht ans Laufen zu bringen"

    Warum sollte jeder Ingeneur das Rad neu erfinden? Die ganze Technikentwicklung beruht darauf, auf Vorleistungen andrer zurueckzugreifen.
    Von Newton stammt der Ausdruck, er hætte weiter gesehen als andere, stuende dabei aber auf den Schultern von Riesen - Heute das Motto von Google Scholar.

    Dank des Internets ist dieser Prozess nur viel einfacher und schneller geworden, warum sollte das nicht genutzt werden?

    • Quarax
    • 27.02.2009 um 13:16 Uhr

    dann fragt sich wieviel von dieser Zukunft nach der Finanzkrise noch übrig sein wird.

    Der Großteil der Angebote finanziert sich noch immer über Werbung und Werbeetats werden so ziemlich als allererstes gekürzt.

    Vielleicht sollten sowohl die I-Generation als auch die Generationen vorher mal beginnen sich eine Welt vorzustellen, in der Internet und digitale Informationen wieder richtig kosten.

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    Ein betraechtlicher Teil des Informationsangebots im Internet wird kostenlos erstellt, angefangen bei Ihrem und meinem Kommentar bis hin zu guten Blogs und Videos.

    Auch das halten Net Geners fuer selbstverstaendlich.

    Ein betraechtlicher Teil des Informationsangebots im Internet wird kostenlos erstellt, angefangen bei Ihrem und meinem Kommentar bis hin zu guten Blogs und Videos.

    Auch das halten Net Geners fuer selbstverstaendlich.

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