Stammzellgewinnung Virenfreie MultitalenteSeite 2/2

Beide Gesundheitsrisiken – Krebsgene und Viren – scheinen nun ausgeräumt: Statt der Viren nutzten die Forscher ein Stück Erbmaterial namens piggyBAC als Genfähre. In diesen Plasmid genannten DNS-Abschnitt bauten die Forscher die vier Gene ein, die die Verjüngungskur in erwachsenen Zellen auslösen. Der Trick daran: Nach der Verwandlung der Zelle konnten die Forscher das künstlich eingebrachte Genmaterial wieder vollkommen entfernen.

"Niemand hat das für möglich gehalten, auch ich nicht", sagt Keisuke Kajil vom Zentrum für Regenerative Medizin an der Universität in Edinburgh. "Jetzt ist es möglich, nicht nur die eingebrachten Gene zu entfernen, sondern auch jegliche Spuren unserer genetischen Veränderungen in den iPS."

Es sei ein Schritt zur praktischen Anwendung reprogrammierter Zellen in der Medizin, der es möglicherweise überflüssig mache, menschliche Embryonen als Stammzell-Quelle zu nutzen. Auch Kajils Kollege Nagy ist von der neuen Methode überzeugt: "Wir hoffen, dass diese Zellen die Grundlage bilden, um viele bislang als unheilbar geltende Krankheiten zu behandeln." Mediziner hoffen, künftig Gewebe züchten zu können, dass etwa zerstörte Nerven- und Hirnzellen von Parkinson- und Alzheimerpatienten ersetzen könnte. Darüber hinaus könnten die Stammzellen genutzt werden, um neue Medikamente an ihnen zu testen.

Dies wird allerdings frühestens in ein paar Jahren möglich sein. "Es wird weiterhin Zeit brauchen, bevor Patienten induzierte pluripotente Zellen gegeben werden können," sagte Sir Ian Wilmut, der Schöpfer des Klon-Schafs Dolly zu den neuen Erkenntnissen. Noch fehle eine Methode, um aus diesen Stammzellen gezielt die gewünschten Zelltypen zu machen. Der Forscher arbeitet ebenfalls an der Universität Edinburgh.

Sein Kollege Robin Lovell-Badge vom britischen Institut für Medizinforschung warnte davor, die Forschung an embryonalen Stammzellen wegen der vielversprechenden Methode zur Reprogrammierung adulter Zellen jetzt zu vernachlässigen: "Es gibt noch vieles, das wir über die Identität und die Eigenschaften dieser Zellen lernen müssen." Dies sei entscheidend, denn ohne embryonale Stammzellen zum Vergleich könne niemand sagen, ob iPS nützlich seien.

Dennoch geben sich viele Stammzellforscher zuversichtlich, allen voran Wilmut: "Die Versprechen der regenerativen Medizin könnten schon bald eingelöst werden."

 
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