Klinsmann beim FC Bayern Der Revolutionär hat’s schwer

Klinsmann trat an, den FC Bayern zu modernisieren. Doch bisher fehlt ihm der Erfolg. Im Sinne seines Veränderungswillens: Ein Rückblick auf die Revolutionen im Fußball

Als der FC Bayern im vergangenen Sommer Jürgen Klinsmann als Trainer verpflichtete, hofften die Münchner auf einen Neuanfang. Mit dem ehemaligen Nationaltrainer sollte vieles anders und alles besser werden. In den Medien war das Wort Revolution beim deutschen Rekordmeister zu lesen. Nach acht Monaten als Bayerncoach steht Klinsmann allerdings in der Kritik. Seine taktischen und methodischen Änderungen haben sich nicht als revolutionär erwiesen. Zur Situation in der Bundesliga sagte Klinsmann nach dem 0:0 gegen Werder Bremen: "Es ist fünf vor zwölf." Heute spielen die Bayern gegen Leverkusen um den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals (Live-Blog auf ZEIT ONLINE). Der Trainer erwartet einen "richtigen Fight" und keinen revolutionären Auftritt seines Teams. Schade, denn richtungweisende Veränderungen braucht der Fußball. Zur Erinnerung stellen wir die sechs wichtigsten aus den vergangenen Jahrzehnten vor.

Der 13. Juni 1925 war ein wahrhaft revolutionärer Tag für den Fußball. An diesem Tag wurde in Paris die Abseitsregel geändert. Fortan mussten nicht mehr drei gegnerische Spieler zwischen Ball und Tor sein, sondern nur noch zwei. In der Folge fielen deutlich mehr Tore. Doch wie so oft in der Geschichte des Fußballs dauerte es nicht lange, bis sich die Gegenbewegung formierte. Ihr Kopf war Herbert Chapman, so etwas wie der erste moderne Trainer der Fußballhistorie. Seine Maxime lautete: "Es ist mindestens genauso wichtig, dass wir unseren Gegner daran hindern, Tore zu schießen wie selber welche zu erzielen." 1925 übernahm Chapman den FC Arsenal, bis zu seinem Tod im Jahr 1934 gewann er drei Meistertitel und einmal den FA-Cup. Chapmans Erfindung war das sogenannte WM-System. Um die Defensive zu stärken, zog er den Mittelläufer als Stopper in die zentrale Verteidigung zurück, zwei der vorher fünf Stürmer spielten auf den Halbpositionen im Mittelfeld. In der Grundformation ergaben die Positionen ein W und ein M, daher der Name. Mit diesem System wurde Deutschland noch knapp 30 Jahre nach seiner Einführung zum ersten Mal Weltmeister.

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Kein Stil im Fußball ist verrufener als der Catenaccio. Er steht für die Perversion des Spiels, weil es zum ersten Mal nicht darum ging, ein Tor mehr zu erzielen als der Gegner, sondern darum, eins weniger zu kassieren. Helenio Herrera, der den Catenaccio bei Inter Mailand zur Perfektion trieb, hat seine Idee gegen alle Vorwürfe verteidigt: "Alles Gerede von Schönspielerei oder Offensive ist nichts als Geschwätz." Nur das Ergebnis zählt. Der Catenaccio aber war mehr als stupides Verteidigen. Herrera brauchte für seinen Art des Fußballs kreative und ballsichere Spieler, um das Mittelfeld schnell zu überbrücken. Prototyp war Inters Außenverteidiger Giacinto Facchetti, der sich regelmäßig ins Angriffsspiel einschaltete. Dadurch wohnte dem Catenaccio eine Dynamik inne, die ihm in der Regel abgesprochen wird.

Leser-Kommentare
    • rondo
    • 07.03.2009 um 12:33 Uhr

    Der einzige aber, für den
    Coaching nachweislich gut ist, ist
    der Coach.

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