Köln Stadtarchiv stürzt ein - Suche nach Vermissten

Das Historische Stadtarchiv Köln und weitere Gebäude klappten zusammen wie Kartenhäuser. Rettungskräfte sind im Großeinsatz. In den Trümmern werden noch Menschen vermutet

Schuttbedeckte Straßen, riesige Staubwolken, zertrümmerte Autos, geschockte Anwohner, Rettungshubschrauber am Himmel: In der Kölner Innenstadt ist das Historische Stadtarchiv komplett eingestürzt. Binnen weniger Augenblicke verwandelte sich das vierstöckige Gebäude - eines der bedeutendsten Stadtarchive Deutschlands - in einen Schuttberg. Ein benachbartes Wohnhaus brach ebenfalls zusammen, ein viergeschossiges Nachbarhaus mit einer Bäckerei im Erdgeschoss stürzte großenteils ein.

Inzwischen werden noch drei Menschen vermisst. In den Trümmern wird mit Spürhunden und Echoloten nach ihnen gesucht. Sollten tatsächlich Menschen verschüttet worden sein, sind ihre Überlebenschancen wohl gering. "Eine schnelle Rettung ist nicht möglich", sagte der Direktor der Kölner Feuerwehr, Stefan Neuhoff. Es sei unwahrscheinlich, dass sich
in dem Schutt Hohlräume befänden. Unter den Vermissten ist auch ein Ehepaar, das sich zum Zeitpunkt des Unglücks in dem benachbarten Wohnhaus befunden hatte.

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Unklar war zunächst, ob Menschen zu Tode gekommen oder verletzt worden waren. Der Direktor der Kölner Feuerwehr, Stefan Neuhoff, sagte, auch von Leichtverletzten sei ihm nichts bekannt. Anderen Quellen zufolge wurde eine Person leicht verletzt. Der Kölner Stadtanzeiger berichtet von mehreren Leichtverletzten, die inzwischen geborgen worden sind. Im nahe gelegenen Hotel Mercure wurde eine Sammelstelle eingerichtet.

Die Mitarbeiter und Nutzer des Archivs haben sich nach vorläufigen Erkenntnissen alle retten können. Sie waren aufgefordert worden, das Gebäude zu verlassen. Eine Gruppe von Menschen sei daraufhin aus dem Gebäude gerannt. Weil sich der Einsturz durch Geräusche angekündigt habe, konnten sich auch alle Menschen aus der benachbarten Bäckerei rechtzeitig in Sicherheit bringen. Augenzeugen berichteten auch davon, dass Bauarbeiter gerufen hätten, man solle sich schleunigst in Sicherheit bringen.

Bei Polizei und Feuerwehr wurde Großalarm ausgelöst, inzwischen sind rund 200 Einsatzkräfte vor Ort. Das Gebiet rund um den Unglücksort an der Severinstraße wurde weiträumig abgesperrt, die komplette Gegend gilt als einsturzgefährdet. Trümmer der Gebäude versperrten die Straßen. Das zerstörte Wohnhaus wurde bis zum Dachboden aufgerissen, Teile von Wohnungen wurden sichtbar. Waschbecken hingen in der Luft, Kühlschränke und Kücheneinrichtungen lagen im Freien. Anwohner und Schaulustige starrten entsetzt auf die Unglücksstelle, in deren Nähe auch eine Schule liegt.

Der Schaden durch die verlorenen Dokumente des Archivs gilt als unschätzbar. Wissenschaftler sprachen davon, dass das "Gedächtnis der Stadt" ausgelöscht sei. Im Stadtarchiv wurden Schriften aus über tausend Jahren Kölner und rheinischer Geschichte aufbewahrt, darunter unwiederbringliche Urkunden aus dem Mittelalter. Auch zahlreiche Nachlässe, beispielsweise der des Schriftstellers Heinrich Böll, befinden sich in dem Archiv. Ob aber tatsächlich alle 65.000 Urkunden, 104.000 Karten, 50.000 Plakate und eine halbe Million Fotos verloren sind, war noch unklar.

Es gilt als immer wahrscheinlicher, dass ein U-Bahn-Bau unter der Unglücksstelle für den Einsturz verantwortlich ist. Feuerwehr-Direktor Neuhoff sagte, in der unmittelbar benachbarten 28 Meter tiefen Baugrube sei wohl eine Öffnung entstanden. In diese Öffnung sei Erde nachgerutscht, und dadurch sei dem Historischen Archiv möglicherweise der Boden entzogen worden. Auch der Projektleiter der Kölner Verkehrsbetriebe für die U-Bahn-Erweiterung, Rolf Papst, sagte, es könne sein, dass die Absackung mit Aushubarbeiten in der Grube zu tun habe.

Wie jetzt bekannt wurde, gab es wohl seit langem "klare Warnungen" vor der Instabilität des Archivgebäudes. Immer wieder wurde auf Risse aufmerksam gemacht, die Leitung des Stadtarchivs soll entsprechenden Hinweise aber nicht mit der gebotenen Ernsthaftigkeit nachgegangen sein .

 
Leser-Kommentare
  1. Ist es denn wirklich nur Zufall,
    dass solches vor allem in Köln
    passiert ?

    An der gleichen Stelle stand vor kurzem
    ein Kirchturm schief, offensichtlich ist
    dies nun der gleiche Grund.

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    ...sondern Größenwahn und Kopflosigkeit. Hier wurden für 4 Kilometer U-Bahn 930 Mio. Euro verbuddelt, d.h. für einen Kilometer kostet 232 Mio. Dafür hätte man wahrscheinlich 50 Jahre lang Elektrobusse im Minutentakt fahren lassen können und die vormals belebte Geschäftsstraße wäre nicht zur Ansammlung von Ramschläden, Leerständen und Billigbäckereien geworden.

    2004 ist nachweislich wegen falscher Statikberechnungen ein Kirchturm um 75 cm in Schieflage geraten, wurde mit etlichen Kubikmetern Beton notstabilsiert. Und jetzt ist - noch nicht gesichert aber mutmaßlich auch wegen des Tunnels - 1000 Jahre Stadtgeschichte in Schutt und Asche gelegt worden. Hoffen wir, dass es keine Todesopfer geben wird. Gegenüber steht eine Schule und nebenan ein Altenheim. Nicht auszumalen, was bei einem Einsturz dieser Gebäude passiert wäre...

    ...sondern Größenwahn und Kopflosigkeit. Hier wurden für 4 Kilometer U-Bahn 930 Mio. Euro verbuddelt, d.h. für einen Kilometer kostet 232 Mio. Dafür hätte man wahrscheinlich 50 Jahre lang Elektrobusse im Minutentakt fahren lassen können und die vormals belebte Geschäftsstraße wäre nicht zur Ansammlung von Ramschläden, Leerständen und Billigbäckereien geworden.

    2004 ist nachweislich wegen falscher Statikberechnungen ein Kirchturm um 75 cm in Schieflage geraten, wurde mit etlichen Kubikmetern Beton notstabilsiert. Und jetzt ist - noch nicht gesichert aber mutmaßlich auch wegen des Tunnels - 1000 Jahre Stadtgeschichte in Schutt und Asche gelegt worden. Hoffen wir, dass es keine Todesopfer geben wird. Gegenüber steht eine Schule und nebenan ein Altenheim. Nicht auszumalen, was bei einem Einsturz dieser Gebäude passiert wäre...

  2. ...sondern Größenwahn und Kopflosigkeit. Hier wurden für 4 Kilometer U-Bahn 930 Mio. Euro verbuddelt, d.h. für einen Kilometer kostet 232 Mio. Dafür hätte man wahrscheinlich 50 Jahre lang Elektrobusse im Minutentakt fahren lassen können und die vormals belebte Geschäftsstraße wäre nicht zur Ansammlung von Ramschläden, Leerständen und Billigbäckereien geworden.

    2004 ist nachweislich wegen falscher Statikberechnungen ein Kirchturm um 75 cm in Schieflage geraten, wurde mit etlichen Kubikmetern Beton notstabilsiert. Und jetzt ist - noch nicht gesichert aber mutmaßlich auch wegen des Tunnels - 1000 Jahre Stadtgeschichte in Schutt und Asche gelegt worden. Hoffen wir, dass es keine Todesopfer geben wird. Gegenüber steht eine Schule und nebenan ein Altenheim. Nicht auszumalen, was bei einem Einsturz dieser Gebäude passiert wäre...

  3. Es wird aber auch nach der politischen Verantwortung für das Unglück zu fragen sein. Wenn der berüchtigte Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma sich mit Steuermilliarden ein Denkmal mit einem solchen Prestigeobjekt setzen will, kann man sich vorstellen, dass kritische Stimmen - auch mit technischen Argumenten - unerwünscht sind. In einer Stadt, wo bis in die höchsten politischen Ämter immer wieder Fälle von Korruption und Amtsmissbrauch, getürkte Beraterverträge und gefälschte akademische Titel zum politischen Alltag gehören, kann man sich leicht vorstellen, wie viele zwielichtige Gestalten bei einem derartigen Investitionsvolumen angelockt werden. Da mag mancher Auftrag nicht nach streng fachlichen Kriterien vergeben werden und mancher Gutachter ein Risiko schön rechnen, um weiter am großen Kuchen zu partizipieren. Ob eine solche lückenlose Aufklärung des riskanten Bauprojektes im Köln des Vorwahlkampfes möglich ist, bleibt dahin gestellt.

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    relativ gelasse. Wo Minsche sin, jiddet Fehler.

    Wir sehen das relativ gelassen hier. Wo Menschen sind, sind Bauberechnungen schon mal fehlerhaft.

    relativ gelasse. Wo Minsche sin, jiddet Fehler.

    Wir sehen das relativ gelassen hier. Wo Menschen sind, sind Bauberechnungen schon mal fehlerhaft.

  4. relativ gelasse. Wo Minsche sin, jiddet Fehler.

    Wir sehen das relativ gelassen hier. Wo Menschen sind, sind Bauberechnungen schon mal fehlerhaft.

    Antwort auf "Köln, wo sonst?"
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    immer einen lockeren Spruch auf den Lippen - ach ja, die rheinländische Gelassenheit. Wo die wohl bleibt, wenn man selbst unter den Trümmern liegt?

    immer einen lockeren Spruch auf den Lippen - ach ja, die rheinländische Gelassenheit. Wo die wohl bleibt, wenn man selbst unter den Trümmern liegt?

  5. immer einen lockeren Spruch auf den Lippen - ach ja, die rheinländische Gelassenheit. Wo die wohl bleibt, wenn man selbst unter den Trümmern liegt?

    Antwort auf "Mir sin dat "
  6. ist das gebilde von menschenhand...
    Ferika75

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