Stadtarchiv-Einsturz Köln sucht die Schuldigen
Köln ist nach dem Einsturz des Stadtarchivs in heller Aufregung. Gutachten contra Gutachten, Stadt contra U-Bahn-Bauer: Die Schuldfrage ist voll entbrannt
Der Tag danach ist ein Tag der Ängste. In der Kölner Severinstraße bleiben immer wieder Menschen stehen, um auf die Trümmer des Historischen Stadtarchivs zu schauen. "Hoffentlich sind keine weiteren Leute darunter vergraben”, sagt eine Rentnerin. Aus den Fernseh-Nachrichten hat sie erfahren, dass noch immer zwei Männer vermisst werden. “Wir können froh sein, dass das nicht vor einer Woche während des Rosenmontagszugs passiert ist”, sagt die Frau. Der führte genau über diese Stelle.
Vor dem Absperr-Band am Unglücksort wird eifrig diskutiert. Jeder ist hier Experte. “Es war klar, das da was schiefgeht”, sagt ein Busfahrer. “Die Deckenplatten der Baustelle haben immer gewackelt, wenn ich darüber gefahren bin.” Ein Student schimpft auf die Gutachter, die die Statik des Stadtarchivs für nicht gefährdet befanden. “Es handelt sich um eine krasse Fehleinschätzung”, sagt er. Neben ihm liegt in einem Zeitungsständer die Kölner Boulevard-Zeitung Express . “Wer ist das Schuld?” titelt das Blatt in kölscher Grammatik.
Die Frage stellt sich in Köln jeder. Klar ist bisher: Das Stadtarchiv ist eingestürzt, weil das Erdreich vor dem Gebäude nachgegeben hat. Die Kölner-Verkehrs-Betriebe (KVB) bestätigten, dass am Unglückstag Bauarbeiten an dem U-Bahn-Tunnel vor dem Gebäude stattgefunden haben. In welchem Zusammenhang sie mit dem Einsturz stehen, muss noch ermittelt werden. Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) bezeichnete einen Weiterbau der neuen U-Bahn-Linie als “fast unverantwortlich”. Doch die KVB will weiterbauen.
Seitdem ein ehemaliger Mitarbeiter des Stadtarchivs schwere Vorwürfe gegen die Stadt erhoben hat, wird nach dem Sündenbock gesucht. “Wir wissen nun was passiert ist, aber nicht wie es dazu kam”, sagt Stadtdirektor Guido Kahlen. Er hetzt heute von einer Pressekonferenz zur nächsten, am Nachmittag tagt erstmals die Krisensitzung von KVB und Stadt. Kahlen erläutert, dass es drei Gutachten gegeben habe, die unabhängig voneinander belegten, dass keine Einsturz-Gefahr für das Stadtarchiv bestanden habe.
Das Problem an der Sache: Laut Kahlen gab die KVB zwei Gutachten in Auftrag, das dritte die Stadt selbst. Die Gutachten wurden von unterschiedlichen Ingenieuren gemacht. Zwar gehören die Verkehrs-Betriebe der Stadt, doch offizieller Bauherr der U-Bahn-Strecke ist die KVB. Ob die Verkehrs-Betriebe alle relevanten Informationen an die Stadt und die Anwohner weitergegeben haben, bezweifeln viele Kölner. “Da ist bestimmt wieder geklüngelt worden”, sagt etwa der Busfahrer am Unglücksort. Er spielt damit auf den berühmten “Kölner Klüngel” an, die unselige Verquickung von Politik und Wirtschaft. Tatsächlich ermittelt nun die Kölner Staatsanwaltschaft wegen Baugefährdung und fahrlässiger Körperverletzung gegen Unbekannt.
Fragwürdige Gutachten, nicht ernst genommene Hinweise von Anwohnern – einiges spricht dafür, dass die KVB die Risiken des U-Bahn-Baus verharmlost hat. “Mitarbeiter aus der Unternehmensspitze haben sich schon vor drei Jahren Sorgen gemacht, ob weitere Gebäude absacken”, sagt ein ehemaliger KVB-Mitarbeiter aus dem Umfeld der Unternehmensführung zu ZEIT ONLINE. “Sie wussten, dass es die Gefahr gibt und haben gehofft, dass nichts passiert.”
Umso größer ist in der Severinstraße die Angst vor weiteren Einstürzen. Als ein älterer Herr an der St. Johann Baptist Kirche vorbeigeht, schaut er besorgt auf den Turm und wird schneller. “Nicht, dass der auch noch einstürzt”, grummelt er vor sich hin. Vor viereinhalb Jahren kippte der Kirchturm fast 80 Zentimeter nach vorne auf die Severinstraße, ebenfalls ausgelöst durch Bauarbeiten an dem neuen U-Bahn-Tunnel. Der Vorfall wurde als “Schiefer Turm von Köln” bekannt. Zwar ist der Turm seitdem mit Beton und Stahlstützen gesichert. Doch die Gemeinde kann die Kirche mit den anliegenden Innenräumen seitdem nicht mehr nutzen. Jugendreferentin Miriam Rossello betreut den Umbau in der Kirche. Im Vorraum des Turms wollte sie möglichst bald ein Jugendcafé eröffnen. Doch die Bauarbeiten verzögern die Fertigstellung seit drei Jahren.
- Datum 12.03.2009 - 10:42 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 04.03.2009
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Habe mal eine Reportage von National Geographic zu den Tunnelarbeiten in Boston gesehen.
Das was hier passiert ist wirklich laecherlich verglichen mit dort drueben!
Laut deutscher Behoerdenarroganz gibt es Unfaelle nur dort drueben, nicht aber hier in Deutschland!
Wie erklaert man sich dann bloß sowas??
Laut ZDF-Informationen ist Skandal OB-Schramma nur noch für den Baustopp zukünftiger Tunnelbaus.
Nicht nur, das das 1000-jährige Kulturerbe von Köln in Schutt und Asche gelegt worden ist, nein auch OB-Schramma hat sich für verewig. Wenn in 1000 Jahren unsere Nachkommen auf unsere Zeitepoche stoßen, dann werden sie auf einen Namen treffen, der da heißt: Fritz Schramma. Kein anderer Kölner Bürger hat die Stadt so zum Nachteil verändert wie dieser "Ehrenmann". Es ist wohl nebensächlich zu erwähnen, dass die Schuld bei der KVB (Kölner Stadt Betriebe) liegt. Laut Internas gab es innerhalb des Verantwortungsbereich der Baufirmen zu großen Unstimmigkeiten.
Bei RTL-stern-TV gab sich Stadtdirektor Guido Kahlen als Unschuldslamm und kündigte wie immer an, wenn es wackelt und einstürzt, dass er Sachverständiger vorbei schicken wird. Na dann, gute Nacht Kölle!
KHJ aus KÖln
Welche Arbeiten sind zu der Zeit ausgeführt worden?. Und was soll er machen. Bei allem Verständnis für die Abneigung gegen Klüngel, Mißwirtschaft und der Sache nicht dienliches politische Gezänk, für das der Kölner Rat steht. Aber vorläufige Hinrichtungen werden Sie doch wohl als Kölner nicht empfehlen?.
Welche Arbeiten sind zu der Zeit ausgeführt worden?. Und was soll er machen. Bei allem Verständnis für die Abneigung gegen Klüngel, Mißwirtschaft und der Sache nicht dienliches politische Gezänk, für das der Kölner Rat steht. Aber vorläufige Hinrichtungen werden Sie doch wohl als Kölner nicht empfehlen?.
Es fehlen einem die Worte ob solch verantwortungsloser Ignoranz und Inkompetenz!
Angesichts der wohl schon deutlich vor dem Einsturz zunehmend zu Tage tretenden Gebäudeschäden hätte es keines Gutachters bedurft um die einzig mögliche und verantwortbare Entscheidung zu treffen: Sofortiger Baustopp, Evakuierung der Bewohner und Auslagerung der unersetzlichen historischen Kulturgüter! Gesunder Menschenverstand hätte dies geboten!
Vor Beginn der Arbeiten hätte es entsprechende, zügig umsetzbare Notfallpläne geben müssen, bzw. hätte man die besonders wertvollen Kernbestände des Archivs vorsorglich sichern müssen, zumal sich 30 km Regalbestände im Fall kurzfristiger Gefährdung nicht so schnell in Sicherheit bringen lassen wie dort lebende und arbeitende Menschen. Dokumente haben nun mal keine Beine.
Aber es wurde wohl keinerlei Vorsorge getroffen, was für sich alleine schon unverantwortlich ist. Eine vorsorgliche Sicherung wäre ja zudem, abgesehen von den finanziellen Aspekten, dem öffentlichen Eingeständnis gleichgekommen, dass man anders als sonst propagiert, die Arbeiten durchaus als riskant einschätzt.
Das ist nun innerhalb kurzer Zeit der zweite Fall, dass wertvolle kulturelle Güter fahrlässig und unwiederbringlich zerstört wurden.
Sowohl bezüglich der Anna Amalia Bibliothek, als auch hier haben wohl kurzsichtige finanzielle Gesichtspunkte und politische Ignoranz eine rechtzeitige Sicherung der Kulturgüter verhindert.
Die Kommentare des Oberbürgermeisters Schramma sind sehr verräterisch. Sie deuten an, dass es wohl intern deutliche Sicherheitsbedenken bezüglich des U-Bahn Projektes gab - ganz anders als nach außen zur Schau gestellt - dass man diese aber verdrängt hat oder eben für politisch nicht opportun hielt.
Das älteste Stadtarchiv nördlich der Alpen, das Geächtnis von Köln, ein wichtiger Teil der kölner historischen Identität, deutscher und europäischer Identität ist, wenn auch vielleicht nicht gänzlich zerstört so doch ins Mark getroffen und die Veantwortlichen gehen bedauernd und völlig überrascht zur Tagesordnung über.
Bei einer solchen Katastrophe, die ja keine Naturkatastrophe war, gebietet die politsche Hygiene den Rücktritt der politisch Verantwortlichen, den des Oberbügermeisters zuallererst.
Wir werden sehen, welchen Stellenwert politische Verantwortung und Selbstachtung im kommunalpolitischen Partei- und Politikklüngel haben.
Ich bin diesbezüglich - gestehe ich - recht pessimistisch.
Wenn überhaupt, findet man wahrscheinlich irgendein Baueropfer - ein externes, außerhalb der politischen Kaste wäre besonders bequem.
Habe den Bau des Citytunnels in Leipzig miterlebt. Auch dort wackelte das ganze (!) Haus, sodass z.B. Festplatten von Computern kaputt gingen.
Städtische Angestellte und Beamte neigen gerne dazu dem Wunschdenken zu verfallen. Man möchte gerne das U-Bahnnetz ausbauen, und da kann es nicht sein, daß dort ein paar Risse in der Hauswand dies aufhalten. Augen zu und durch oder auf Kölsch "es ist schon immer irgendwie gutgegangen". Wie man sich täuschen kann!
Teilweise ist es unglaublich, was für eine Ignoranz und was für eine mangelnde Sachkenntnis in der Städtebaupolitik vorherrschen - v.a. dann, wenn es einigen Kommunalpolitikern darum geht, sich selbst ein ewiges Denkmal zu setzen und/oder zusätzlich Lobbyinteressen auf dem ganz schnellen Wege durch- und umzusetzen. Gerne bezeichnet man dies alles auch als "Einlösung von Wahlversprechen", man habe "Wort gehalten". Das bringt satt Parteispenden, Zuwendungen und Wählerstimmen. Und es sorgt für den Aufbau von immer wieder neuen kommunalpolitischen Kartenhäusern.
In Köln ist gerade solch ein Kartenhaus in sich zusammen gestürzt - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Man sagt, die Stadt habe ihr Gedächtnis verloren. Ich sage hier: zurecht. Was in Köln passierte - der Stadt des Köll'schen Klüngels, der Trienikens und Konsorten, ist zurecht passiert und sollte Nachfolgenden zur Mahnung gereichen.
Ich persönlich werde mich in keinster Weise am Wiederaufbau der Gebäude und der Wiederbeschaffung bzw. Wiederherstellung der Archivalien und Gebäude beteiligen. Im Gegenteil: ich befürworte, den Schutthaufen liegen zu lassen und eine Tafel daran zu befestigen, die darauf hin weist, dieser Haufen Schutt wäre das Denkmal für notorische Inkompetenz und schwache Politik. Ich wette, dieses Denkmal wäre auf der Welt einzigartig.
Jetzt ist zusammengebrochen, was zusammengebrochen gehört. Leider wird es nicht das letzte Mal sein, dass wir mit Nachrichten aus dem kommunalpolitischen Abfalleimer konfrontiert werden
Noch ist nichts aufgeklärt. Die Gutachten über die Standsicherheit sind nicht entkräftet, trotz Gebäuderisse. Denn das Archivgebäude ist nicht eingestürzt sondern abgesackt, weil der Untergrund nachgegeben hat. In diesem Fall bleibt auch das beste Gebäude nicht stehen. Es besteht also, dass unterirdische Baumaßnahmen fehlerhaft ausgeführt oder berechnet wurden.
Natürlich, in Deutschland wird immer erst der Schuldige gesucht. (In diesem dankbaren Fall schon aus parteipolitischen Gründen, sind ja bald Wahlen). Ursachenforschung ist aber mindestens so wichtig, nämlich um so etwas zukünftig auszuschließen.
Welche Arbeiten sind zu der Zeit ausgeführt worden?. Und was soll er machen. Bei allem Verständnis für die Abneigung gegen Klüngel, Mißwirtschaft und der Sache nicht dienliches politische Gezänk, für das der Kölner Rat steht. Aber vorläufige Hinrichtungen werden Sie doch wohl als Kölner nicht empfehlen?.
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