Klassik "Mein Werkzeug ist die Geige"Seite 3/3
Batiashvili: Bei all dem, was drum herum passiert, ist das heutzutage schon was Besonderes, ein Privileg. Umso mehr ist es die Aufgabe der Musiker, den Menschen in ihrem Alltag auch ein bisschen Erleichterung zu verschaffen, wenn sie ins Konzert gehen. Man stellt immer die Frage, wozu Musik da ist? Am Ende erscheint es vielleicht ein bisschen lächerlich, in einer schweren Zeit noch Musik zu machen. Sicherlich gibt es viel wichtigere Dinge im Leben. Aber andererseits, wenn es das nicht gäbe, würde die Seele der Menschen sterben.
ZEIT ONLINE: Wie schaffen Sie sich unter all der Konkurrenz an jungen Geigerinnen Ihr musikalisches Profil?
Batiashvili: Meine Karriere lief von vornherein andersherum, als es allgemein heute üblich ist. Das starke Medieninteresse kam durch meine CD mit dem Sibelius-Violinkonzert, als ich bereits 25 Jahre alt war. In den sieben Jahren zuvor hatte ich schon mit allen großen Orchestern und Dirigenten wie Zubin Mehta, Sir Simon Rattle oder Paavo Järvi mindestens einmal konzertiert. Ich empfand es als großen Vorteil, dass ich mich den Orchestermusikern nach der CD-Aufnahme nicht mehr beweisen musste. Die Orchestermusiker sind für mich die größten Kritiker und der größte Beweis, dass man etwas geschafft hat. Wenn deren Reaktion nach dem Konzert positiv ist, dann hat es den Menschen wirklich gefallen.
ZEIT ONLINE: Der finnische Komponist Magnus Lindberg hat Ihnen ein Violinkonzert geschrieben ...
Batiashvili: Das erste Violinkonzert, das für mich geschrieben wurde, führte zu meiner ersten Auseinandersetzung mit der Musik eines Gegenwartskomponisten. Ich bekam das fertige Werk eines Tages ohne Kommentar auf den Tisch und musste mir alles selbst erschließen. Die Schöpfung eines Werkes ist doch das Allerschwerste. Man geht bei einer Uraufführung immer ein gewisses Risiko ein, egal wie gut das Werk ist. Als Interpretin fühle ich mich auch verpflichtet, Uraufführungen zu spielen. Denn wer, wenn nicht wir Musiker können die Tradition weiterleben lassen?
ZEIT ONLINE: Spüren Sie im Kulturbetrieb die Auswirkungen der Finanzkrise?
Batiashvili: Auf jeden Fall. Für die Saison 2010/2011 bemerkt man schon, wie unglaublich vorsichtig die Menschen in ihrer Planung geworden sind. Die Veranstalter sagen: Wir wissen einfach nicht, was bis dahin passiert. Wer weiß, ob überhaupt das Budget vorhanden sein wird für die Tourneen. Aber ich denke mal, das wird vielleicht ein, zwei Jahre dauern, und wenn es den Leuten besser geht, wirkt sich das auch auf den Konzertbetrieb positiv aus.
Das Interview führte Burkhard Schäfer
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- Datum 03.03.2009 - 16:26 Uhr
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