Geheim-Depesche Obama bietet Russland Verzicht auf Raketenschild an

Der US-Präsident hat einen geheimen Brief an die Regierung in Moskau geschrieben: Er bietet einen Tausch an, wenn es Russland gelingt, Irans Raketenpläne zu stoppen

Geheimen Brief an Moskau gesandt: US-Präsident Obama

Geheimen Brief an Moskau gesandt: US-Präsident Obama

In dem "geheimen Brief" an den russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew stellte Präsident Barack Obama den Verzicht auf die Aufstellung der umstrittenen Raketenabwehr in Osteuropa in Aussicht. Wie die New York Times berichtete, soll Moskau im Gegenzug dabei helfen, die Entwicklung von iranischen Langstreckenraketen zu verhindern. Der Brief sei Medwedjew von einem hochrangigen US-Regierungsbeamten persönlich vor drei Wochen überreicht worden.

Darin heißt es, die USA benötigten das Raketenabwehrsystem nicht, falls Iran jede Anstrengungen einstelle, Nuklearsprengköpfe und ballistische Raketen zu bauen. Russland hatte sich vehement gegen die US-Raketenpläne gewandt, die Obamas Amtsvorgänger George W. Bush initiiert hatte.

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Auf dem Gebiet Polens und Tschechiens wollten die USA demnach zehn Raketen installieren und eine Radarstation errichten, um Angriffe mit Langstreckengeschossen aus Iran rechtzeitig abwehren zu können. Russland hatte den Aufbau der Stellungen in seiner Nähe stets als Bedrohung empfunden. Als bereits vor einigen Wochen durchsickerte, dass die neue US-Regierung den Plan für den Abwehrschirm nicht mehr mit der bisherigen Geradlinigkeit verfolgt, stellte Russland in Aussicht, sein bereits begonnenes Gegenprojekt nahe Kaliningrad ebenfalls zu stoppen .

Schon vor Wochen hatte der Sicherheitsberater Obamas, James Jones, davon gesprochen, dass die USA die Notwendigkeit des Abwehrsystems überprüfe. Nun könnte es zum Druckmittel gegen Russland werden, auf Iran einzuwirken.

Denn Russland hat durch seine engen Handelsbeziehungen, durch militärische und diplomatische Verbindungen die Chance, Iran von seinen Raketenplänen abzubringen. Vielfach vermied die Regierung in Moskau in den letzten Jahren, auf den harten Kurs Washingtons gegen Iran einzuschwenken. Im UN-Sicherheitsrat hatte Russland harte Sanktionen gemeinsam mit China stets verhindert.

Noch hat Moskau auf den Brief nicht geantwortet. Dem Vernehmen nach könnte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag bei einem Treffen mit US-Außenministerin Hillary Clinton in Genf das Thema ansprechen. Dass die Reaktion positiv ausfällt, ist nicht unwahrscheinlich. Die einflussreiche russische Zeitung Kommersant berichtete am Montag über Obamas Schreiben und nannte es ein "sensationelles Angebot".

Leser-Kommentare
  1. "Es gilt als Versuch, die russisch-amerikanischen Beziehungen auf eine vollkommen neue Grundlage zu stellen."

    Obamas "Angebot" hat durchaus etwas soft-neokonartiges: Eine der üblichen Erpressungshandlungen, die wir aus der Ära des Weltverbrechers Bush kennen?

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    Nein, sondern ein Angebot, wie die Interessen von beiden Staaten unter einen Hut gebracht werden können.
    Kooperation und Kommunikation statt weiterer Aufrüstung auf beiden Seiten.

    Nein, sondern ein Angebot, wie die Interessen von beiden Staaten unter einen Hut gebracht werden können.
    Kooperation und Kommunikation statt weiterer Aufrüstung auf beiden Seiten.

  2. Nein, sondern ein Angebot, wie die Interessen von beiden Staaten unter einen Hut gebracht werden können.
    Kooperation und Kommunikation statt weiterer Aufrüstung auf beiden Seiten.

  3. Die Einkreisung Russlands - wie Scholl-Latour sie mutmaßte - scheint nicht zu gelingen. Derzeit sind die USA in einer zu schwachen Position, um auf Kooperation verzichten zu können. Es geht also nicht mehr um Achsenbildung.

    Die USA benötigen militärpolitisch eine Verschnaufpause, weil sie sparen müssen. Dabei ist das Verteidigungsbugdet der Hort der Begehrlichkeiten. Ich denke mal die US-Jungs gehen heim und die Lücke im Machtgeflecht wird durch Regionalmächte geschlossen. Ausnahme: Afghanistan. Die Aufrüstung dort dient der Recourcen-Sicherung. Auch die verbleibenden Truppen im IRAK sichern das Oel für die USA ab. Das teure Abenteuer in und um GAZA bezahlt die EU. Der Nato-Russland-Rat wird wiederbelebt, um diesen Hebel zu aktivieren für den Druck auf den IRAK.

    _____________________________________________________________
    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

    • Soahc
    • 03.03.2009 um 10:55 Uhr

    Ich frage mich beil all den Top-Secret-Sachen immer, weshalb die Öffentlichkeit über etwas Bescheid weiß, dessen hauptsächlicher Inhalt darin gegeben ist, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt zu sein. Keine Regierung lässt sich gern in die Karten schauen, weder die amerikanische noch die russische und erst recht nicht bei diesem brisanten Thema. Falls aber doch was dran wäre, hielte ich diesen Schachzug für einen sehr Intelligenten, nur das Problem ist, das man das ja schon seit Ewigkeiten von mancher Seite nicht mehr gewohnt ist.
    Also erstma abwarten, Tee trinken und gut durchziehn lassen.

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    wenn sein Inhalt durch alle Medien geistert. Da soll die Öffentlichkeit wohl über eine gezielte Indiskretion auf eine Kursänderung der amerikanischen Regierung vorbereitet werden.

    Wenn sein Inhalt aber zutreffen sollte, so wäre das eine positive Wendung in der bisherigen Konfrontations- und Einkreisunspolitik Washingtons gegenüber Rußland. Eine solche Politik, in deren Folge auch Europa in einen sinnlosen und unnötigen Konflikt mit Rußland hineingezogen würde, schadet letzten Endes auch objektiv den Vereinigten Staaten selbst. Glücklicherweise scheinen die in der Folge der schweren Wirtschaftskrise fehlenden Mittel für eine solche Politik ein Umdenken der amerikanischen Regierung bewirkt zu haben, zumindest was die neue Spitze unter Obama betrifft.

    wenn sein Inhalt durch alle Medien geistert. Da soll die Öffentlichkeit wohl über eine gezielte Indiskretion auf eine Kursänderung der amerikanischen Regierung vorbereitet werden.

    Wenn sein Inhalt aber zutreffen sollte, so wäre das eine positive Wendung in der bisherigen Konfrontations- und Einkreisunspolitik Washingtons gegenüber Rußland. Eine solche Politik, in deren Folge auch Europa in einen sinnlosen und unnötigen Konflikt mit Rußland hineingezogen würde, schadet letzten Endes auch objektiv den Vereinigten Staaten selbst. Glücklicherweise scheinen die in der Folge der schweren Wirtschaftskrise fehlenden Mittel für eine solche Politik ein Umdenken der amerikanischen Regierung bewirkt zu haben, zumindest was die neue Spitze unter Obama betrifft.

  4. Sehe ich ähnlich. Warum sollte man irgendwelche bedingungen an die russen stellen, wenn dieser Raketenschild nur gegen die iranische Bedrohung errichtet werden sollte? Sollte man da nicht eher die iranische Seite zum Dialog auffordern? Auf der Gegenseite: Warum sollte Iran sich schwächen wollen, angesichts der kommenden Bedrohung die von der Regierung-Netanjahu - XY kommt?
    Sollte sich diese Geschichte bewahrheiten (ist immer mit Vorsicht zu genießen, wenn geheime Dokumente bei der NY Post landen), so bin ich auf die russische Reaktion gespannt.

  5. ...von Obama, das Schutzschild nicht so nah an der russischen Grenze zu errichten. Stattdessen kommt das Raketenmonstrum jetzt wahrscheinlich in die Oberpfalz. Da ist die Wirtschaft eh am Boden und die Menschen dort freuen sich bestimmt über einen Hightech-Standort mit prima Aussichten auf Arbeitsplätze. Außerdem kennen sich die Bürger dort bestens mit dem Verteidigen von Mauern aus...

    www.das-tacheles.de - Satierisch gut!

  6. wenn sein Inhalt durch alle Medien geistert. Da soll die Öffentlichkeit wohl über eine gezielte Indiskretion auf eine Kursänderung der amerikanischen Regierung vorbereitet werden.

    Wenn sein Inhalt aber zutreffen sollte, so wäre das eine positive Wendung in der bisherigen Konfrontations- und Einkreisunspolitik Washingtons gegenüber Rußland. Eine solche Politik, in deren Folge auch Europa in einen sinnlosen und unnötigen Konflikt mit Rußland hineingezogen würde, schadet letzten Endes auch objektiv den Vereinigten Staaten selbst. Glücklicherweise scheinen die in der Folge der schweren Wirtschaftskrise fehlenden Mittel für eine solche Politik ein Umdenken der amerikanischen Regierung bewirkt zu haben, zumindest was die neue Spitze unter Obama betrifft.

    Antwort auf "Der geheime Brief..."
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    • Soahc
    • 03.03.2009 um 11:59 Uhr

    Nebenbei war mein "geheimer" Brief, auch nicht geheim gemeint.
    Aber wenn ihre Vermutung stimmen sollte, und der Inhalt des "geheimen" Briefes bewusst indirekt an die Öffentlichkeit adressiert, einkalkuliert war, dann frage ich mich, warum man erst den Umweg eines Geheimnisses gehen musste. Wäre es auch für die eigene Image-Arbeit nicht besser gewesen, sowas richtig öffentlich breitzutreten, mit Interview usw...
    Obama wäre der neue "weiße/barmherzige Ritter", die Russen endlich des Gefühls keiner Beachtung im Welgeschehen enthoben, nehmen die Chance war und zeigen der Welt "Das neue russische Gesicht". Die Russen müssten auch nicht fürchten in die Ecke des Schwächeren oder Zurückweichenden gestellt zu werden, schließlich bietet der US-Politwechsel einen Neuanfang. Ende gut alles gut, Beide profitieren, warum Geheimnistuerei?

    • Soahc
    • 03.03.2009 um 11:59 Uhr

    Nebenbei war mein "geheimer" Brief, auch nicht geheim gemeint.
    Aber wenn ihre Vermutung stimmen sollte, und der Inhalt des "geheimen" Briefes bewusst indirekt an die Öffentlichkeit adressiert, einkalkuliert war, dann frage ich mich, warum man erst den Umweg eines Geheimnisses gehen musste. Wäre es auch für die eigene Image-Arbeit nicht besser gewesen, sowas richtig öffentlich breitzutreten, mit Interview usw...
    Obama wäre der neue "weiße/barmherzige Ritter", die Russen endlich des Gefühls keiner Beachtung im Welgeschehen enthoben, nehmen die Chance war und zeigen der Welt "Das neue russische Gesicht". Die Russen müssten auch nicht fürchten in die Ecke des Schwächeren oder Zurückweichenden gestellt zu werden, schließlich bietet der US-Politwechsel einen Neuanfang. Ende gut alles gut, Beide profitieren, warum Geheimnistuerei?

    • Soahc
    • 03.03.2009 um 11:59 Uhr

    Nebenbei war mein "geheimer" Brief, auch nicht geheim gemeint.
    Aber wenn ihre Vermutung stimmen sollte, und der Inhalt des "geheimen" Briefes bewusst indirekt an die Öffentlichkeit adressiert, einkalkuliert war, dann frage ich mich, warum man erst den Umweg eines Geheimnisses gehen musste. Wäre es auch für die eigene Image-Arbeit nicht besser gewesen, sowas richtig öffentlich breitzutreten, mit Interview usw...
    Obama wäre der neue "weiße/barmherzige Ritter", die Russen endlich des Gefühls keiner Beachtung im Welgeschehen enthoben, nehmen die Chance war und zeigen der Welt "Das neue russische Gesicht". Die Russen müssten auch nicht fürchten in die Ecke des Schwächeren oder Zurückweichenden gestellt zu werden, schließlich bietet der US-Politwechsel einen Neuanfang. Ende gut alles gut, Beide profitieren, warum Geheimnistuerei?

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