Alles ausser Fussball "Der Bayern-Arzt achtet auf die richtigen Tabletten"

Philipp Lahm schließt nicht aus, dass Fußballer dopen. Ein Gespräch über unangemeldete Dopingkontrollen, den Gang zur Dopingkontrolle und Geheimrezepte gegen Grippe

Ein Tipp von Philipp Lahm: Heißes Ingwerwasser gegen Grippe

Ein Tipp von Philipp Lahm: Heißes Ingwerwasser gegen Grippe

ZEIT ONLINE: Herr Lahm, gestern konnten Sie gar nicht richtig sprechen. Sie leiden an einer Grippe. Wie schlimm ist es?

Philipp Lahm: Mich hat es erwischt. So eine Krankheit ist auch ein Zeichen, dass der Körper eine Pause braucht und sie sich nimmt. Ich habe kein Antibiotikum genommen, aber verschiedene pflanzliche Mittel. Man sagt ja, eine Grippe dauert eine Woche, egal, was man dagegen tut.

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ZEIT ONLINE: Sie sind nicht in die Apotheke gelaufen und haben sich mit Tabletten eingedeckt?

Lahm: Nein, wo denken Sie hin? Das läuft alles über die Ärzte des FC Bayern. Wenn ich Medikamente nehme, muss ich drauf achten, dass in den Wirkstoffen keine Doping-Substanzen sind. Alle Mittel, die ich nehme, kommen vom Verein. Der Bayern-Arzt achtet darauf, dass ich die richtigen Aspirin-Tabletten nehme.

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Alle Kolumnen von Andreas Beck, Philipp Lahm, Tobias Rau und Thomas Hitzlsperger auf unserer Serienseite

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ZEIT ONLINE: Das heißt, Sie sind bei einer Kontrolle fein raus?

Lahm: Nein, wenn ich bei einer Dopingkontrolle positiv getestet werde, bin ich der Schuldige.

ZEIT ONLINE: Wie beschäftigt Sie als Fußballprofi das Thema Doping?

Lahm: Sehr intensiv und inzwischen täglich. Schon als Amateur musste ich mitdenken und aufpassen. Bevor man etwas nimmt, muss man fragen, ob das in Ordnung ist. Seit dem 1. Januar muss ich der Nada (Nationale Anti Doping Agentur, die Redaktion) jeden Tag mitteilen, wo ich mich aufhalte. Alle Nationalspieler gehören dort zur höchsten Kategorie, im Internet müssen wir unseren Aufenthaltsort angeben.

ZEIT ONLINE: Ein Instrument, damit unangekündigte Dopingkontrolleure wissen, wo sie Philipp Lahm finden.

Lahm: Teilweise ist es aber auch ein nervendes Instrument, was die Privatsphäre verletzt. Wenn ich frei habe, und einen Tag in die Berge fahren will, muss ich meinen Ausflugsort vorher angeben. Ich habe etwa drei Monate grob vorgetragen. Heute bin ich krank und muss im Internet angeben, dass ich doch nicht beim Training bin.

ZEIT ONLINE: Was passiert, wenn Sie den Ausflugsort in den Bergen nicht preisgeben?

Lahm: Wer dreimal nicht angibt, wo er sich befindet, gilt als gedopt.

ZEIT ONLINE: Wie oft wurden Sie bisher kontrolliert?

Lahm: Im vergangenen Jahr musste ich etwa zehn Mal zur Kontrolle. In der Bundesliga wird ausgelost, wer zur Kontrolle muss. Nach Champions-League-Spielen werden wir immer überprüft. Dann gibt es noch die unangemeldeten Trainingskontrollen. Beim FC Bayern kommen die Kontrolleure etwa alle drei Wochen und testen drei bis zehn Spieler.

ZEIT ONLINE: Wissen Sie von Fußballern, die gezielt dopen?

Leser-Kommentare
  1. "Fußballer kommen zu mir und sagen, sie müssen die Linie rauf- und runterrennen, ohne zu ermüden, und alle drei Tage spielen."
    "Ich habe 20 Drogen, die noch immer unauffindbar sind für die Fahnder"

    Angel Heredia, früherer Doping-Berater und Drogenbeschaffer und heute Kronzeuge der US-Justiz in einem Spiegel-Interview vom 11.8.2008 (lesenswert!).

    http://www.spiegel.de/spi...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tom310
    • 10.03.2009 um 18:03 Uhr

    Ich glaube Heredia hat ein gewaltiges Ego-Problem. Ich habe das Interview gelesen und es hat mich in meiner Meinung bestätigt. Da haut jemand mächtig auf den Putz, denn was er sagt passt nicht zu einem Kronzeugen der US-Justiz. Vielleicht soll er ja auch bloß im Namen derer mal auf den Busch klopfen.

    • tom310
    • 10.03.2009 um 18:03 Uhr

    Ich glaube Heredia hat ein gewaltiges Ego-Problem. Ich habe das Interview gelesen und es hat mich in meiner Meinung bestätigt. Da haut jemand mächtig auf den Putz, denn was er sagt passt nicht zu einem Kronzeugen der US-Justiz. Vielleicht soll er ja auch bloß im Namen derer mal auf den Busch klopfen.

  2. 2. Absurd

    Die ganze Anti-Doping Geschichte in Deutschland ist doch mittlerweile absurd.
    Solange China, Russland und die USA nicht die gleichen Standards wie Deutschland anno 1995 haben, ist es einfach eine Zumutung für die Athleten.

    Hier wird ein Wasserkopf aufgebaut. Jedes Jahr kostet es mehr und werden neue Stellen geschaffen.

    Natürlich braucht es fairen Sport. Aber gewisse Doping-Mittel stelle ich mir weniger schädlich vor, als dreimal in der Woche an einem anderen Ort Fussball zu spielen.

  3. Wer achtet auf den Arzt?

    "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder ihren Manager und zum Schluss Ihren Trainer, falls dieser nicht schon wieder gegangen wurde!"

    • Crest
    • 04.03.2009 um 13:13 Uhr

    1. Das im ersten Kommentar erwähnte Speigelinterview ist interessant und lesenswert. Man kann trotzdem zu anderen Schlüssen kommen:

    SPIEGEL: Wollen Sie eigentlich für die Freigabe des Dopings plädieren?

    Heredia: Nein, aber ich glaube, wir sollten Epo, die IGF und Testosteron freigeben, außerdem Adrenalin und Epitestosteron, jene Stoffe also, die der Körper auch selbst produziert - schon aus pragmatischen Gründen, weil nämlich die Verfolgung unmöglich ist, aber auch wegen der Fairness.

    2. Wir müssen uns fragen, ob wir eine freie oder eine drogenfreie Gesellschaft haben wollen:

    SPIEGEL: Können die Tester dieses Rennen noch gewinnen?

    Heredia: Theoretisch: ja. Wenn sich alle Verbände und Sponsoren und Manager und Sportler und Trainer einig sind und alles Geld, das der Sport einbringt, einsetzen und wenn jeder Sportler zweimal pro Woche kontrolliert wird - nur dann.

    [Teile entfernt] (Bitte wahren Sie das Urheberrecht und setzen Sie gegebenenfalls einen Link. Die Redaktion /ft)

    Meine persönliche Ansicht: Ich hoffe, dass die Überwachungsmethoden der Antidopingkommission auf EU-Ebene oder wo auch immer gerichtlich "gekippt" werden. Sie widersprechen der Menschenwürde.

    Herzlichst Crest

    • Crest
    • 04.03.2009 um 13:39 Uhr

    Fortsetzung/Patch von Kommentar 4:

    Wo bleibt der Aufschrei derjenigen, die schon bei jeder Volkszählung Orwell ante portas wähnen?

    3. Die Ungerechtigkeit wird durch Dopingtests nicht geringer. Sie wird alleine dadurch größer, dass auf verschiedenen Kontinenten mit verschiedenem Maß gemessen wird.

    4. Sport kann auch mit Doping faszinierend bleiben: Wie es im erwähnten Spiegelinterview heißt, war selbst die Leistung der gedopten Marion Jones "eine große Leistung", ohne dass die Rivalinnen "Betrogene waren".

    Meine persönliche Ansicht: siehe Kommentar 4.

    Herzlichst Crest

    • tom310
    • 10.03.2009 um 18:03 Uhr

    Ich glaube Heredia hat ein gewaltiges Ego-Problem. Ich habe das Interview gelesen und es hat mich in meiner Meinung bestätigt. Da haut jemand mächtig auf den Putz, denn was er sagt passt nicht zu einem Kronzeugen der US-Justiz. Vielleicht soll er ja auch bloß im Namen derer mal auf den Busch klopfen.

  4. Also mal ganz im Ernst, eine Dopingdiskussion im Fußball, der primär keine Ausdauersportart ist, aufzuziehen ist schon unsinnig...
    Wie sollen denn bitte Ausdauer und aber auch (Schnell-)Kraft verbessernde Substanzen die Ballbehandlung, Schusstechnik, Beweglichkeit, Spielintelligenz oder gar das Zusammenspiel einer ganzen, elfköpfigen Manschaft zum Vorteil gegenüber dem Gegner beeinflussen?!?

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