Atomenergie Siemens plant den nuklearen Wiedereinstieg
Zusammen mit dem russischen Atomkonzern Rosatom wollen die Münchner den Weltmarkt aufmischen. Doch die frühere Bindung an Areva steht der neuen Partnerschaft im Wege

© Johannes Simon/Getty Images
Der Münchner Siemens-Konzern will mit dem russischen Atomgiganten Rosatom kooperieren.
Während die Politik in Deutschland über die Atomenergie streitet, tut Kraftwerksbauer Siemens anderswo Geschäfte auf. Am Dienstag unterzeichneten Siemens-Chef Peter Löscher und Sergej Kirijenko, Chef der russischen Atomholding Rosatom, eine Absichtserklärung zur Gründung eines Joint Ventures. Ihre Pläne sind groß: Gemeinsam wollen Siemens und Rosatom Weltmarktführer in der Atomenergie werden.
Das noch namenslose Unternehmen soll künftig neue Meiler bauen und vorhandene nachrüsten. Die Mehrheit von 50 Prozent und einer Aktie wird in russischer Hand liegen. Über Details wird noch verhandelt; spätestens im Mai soll das Geschäft endgültig unter Dach und Fach sein.
Siemens will durch die Kooperation künftig auch vom "heißen" Geschäft mit Reaktoren und Brennelementen profitieren. Bislang sind die Münchner nur im konventionellen Geschäft tätig, bauen Dampfturbinen und Leitstellen. Die Partnerschaft mit Rosatom gilt als bislang wichtigste strategische Entscheidung in Löschers Amtszeit.
Sie markiert eine Trendwende. Ende der 90er Jahre war Siemens unter Heinrich von Pierer aus dem Reaktorbau ausgestiegen – nicht zuletzt wegen des deutschen Atomausstiegs – und hatte den Geschäftszweig in den französischen Staatskonzern Areva integriert. Die Münchner brachten dort 34 Prozent ein.
Eigentlich hatte Siemens sein Engagement ausbauen und zusammen mit den Franzosen vom weltweiten Aufschwung der Kernenergie profitieren wollen. Doch den Plänen stand der französische Präsident Nicolas Sarkozy im Weg, der einen größeren Einfluss abwehrte. Vor wenigen Wochen verkündete Siemens deshalb, Areva zu verlassen. Bis 2012 soll die deutsch-französische Partnerschaft getrennt sein.
Insbesondere Streitereien beim Bau des Atomkraftwerks Oikiluoti in Finnland sorgen für das jähe Ende. Der Reaktorbau von Areva und Siemens, der erste kommerzielle Neubau seit 25 Jahren, erwies sich als Millionengrab. Im vergangenen Jahr brach der Areva-Gewinn wegen unerwartet hoher Baukosten in Finnland um ein Fünftel ein. "Siemens verliert in Finnland sehr viel Geld, kann aber weder Einfluss auf das Bau-Management nehmen noch die Areva-Kommunikation beeinflussen", erklärt Mycle Schneider, unabhängiger Atomexperte aus Frankreich und Berater der EU-Kommission.
Mit Rosatom soll das nun anders werden. Die beiden Unternehmen kennen sich bereits. Seit den 90er Jahren kooperieren sie beim Bau von Meilern, unter anderem in Bulgarien und der Slowakei. Mit der Tochterfirma von Rosatom, Atomstroyexport, baut Siemens etwa am umstrittenen Meiler Belene in Bulgarien mit. Das Kraftwerk stößt unter Umweltschützern auf großen Widerstand, weil es in einem möglichen Erdbebengebiet gebaut werden soll.
- Datum 29.07.2009 - 18:08 Uhr
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- Serie Energie
- Quelle ZEIT ONLINE, 4.3.2009 - 21:36 Uhr
- Kommentare 5
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...... bumm.
Naja, so schlimm wirds schon nicht werden, und Siemens war schon immer Pionier im erschliessen neuer Einnahmequellen. Und ein florierendes Unternehmen kommt schliesslich allen Deutschen zu Gute.
Auch unsere Regierung zeigt weitsicht und wird sicherlich gerne bei Bedarf die eine oder andere Milliarde für Zukunftsförderung in den Sand stecken.
Ich finde es gut, das Traditionsunternehmen sich nicht in ruinöse Sache wie Forschung und Entwicklung verstricken, dass können die Chinesen mittlerweile besser. Schöpfen wir lieber den Rahm ab, solange die Kuh noch Milch gibt.
Ich freue mich auf unsere strahlende Zukunft. ( Und CO2 können wir auch noch ganz doll verhindern dank der Karft aus dem Kernen !)
(Wer denkt, dieser Kommentar sei sarkastisch, hat Recht. Danke!)
ICH bin absolut dafuer, dass SIEMENS die nunmehr neugeplante Position ohne wenn und aber durchfuehrt, wir Deutschen kommen sonst in's Hintertreffen und das koennen wir uns nicht leisten.
ICH waere ggf. FUER den Atomausstieg wenn das in Europe generell so waere und wenn bei einem Gau in unseren Nachbarlaendern die Strahlenwelle an unsere Grenze
halt machen und vielleicht sogar umkehren wuerde.
nun hat man mir aber gesagt, dass dies sehr unwahrscheinlich ist da sich die Natur generell nicht an den GRUENEN orientieren wuerde, also habe ich mich entschlossen fuer Kernkraft zu sein, sorry, aber wir haben
wohl doch die sichersten Kernkraftwerke in Europa, lasse mich, wie immer , aber gerne von "Fachleuten" belehren, merci !
Ich habe gerade aus sicherer Quelle in München erfahren, dass der Siemensvorstand die Baukosten für den neuen Reaktor in Deutschland dadurch senkt, dass man den Bauplatz in der Wittelsbacherstrasse kostenlos zur Verfügung stellen will.
Aus dem Kabinett Seehofer soll ebenfalls der Vorschlag gemacht worden sein, die Endlagerfrage durch den Bau eines Endlagers unter dem Maximilianeum zu lösen.
Damit würde einerseits die Transportkostenproblematik optimiert und denanarchistisch-terroristischen Widerstandsnestern im Wendland endlich der Aktionsboden entzogen.
Also endlich ein vernünftiger Vorschlag aus dem Hause Siemens und Seehofen. Und bitte, rede mir da jetzt nicht gleich wieder einer von
"Amigopolitik".
Am Wittelsbacherplatz gibt es ein "Büro der ehemaligen Vorstände", also eine Endlagerstätte
Das "schnelle Geld" hat seine unlösbare Verbindung mit katastrophalen Folgen schon längst offenbart, während die Siemensmanager nach einer locker überstandenen "Führungskrise" nach dem nächsten Brocken greifen. Die Folgen für die Zukunft anderer hat solche Kreise bisher ohnehin kaum interessiert. Die Fronten der heutigen Zeit verlaufen längst zwischen der Mehrzahl der für wenig arbeitenden Menschen, nachwachenden Generationen und rücksichtslosen Gewinnsüchtigen, denen Lücken in ihrer Bilanz die einzige Sorge sind.
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