Vor drei Wochen wählte das somalische Parlament Sheikh Sharif Ahmed zum neuen Präsidenten Somalias – allerdings nicht in Baidoa, dem eigentlichen Parlamentssitz. Weil islamistische Milizen weite Teile Somalias kontrollieren, fühlten sich die Abgeordneten nicht mehr sicher und tagten lieber im Ausland. Erst Dienstag kehrte Sharif nach Mogadischu, Somalias Hauptstadt, zurück.

Trotz der angespannten Sicherheitslage bejubelten den als moderat geltenden Islamisten mehrere Tausend Somalis. Noch am selben Tag griffen Kämpfer der radikalen Gruppierung Hisbul Islam (Islampartei) Polizeistationen an. In Mogadischu starben 69 Menschen, ungefähr 100 wurden verletzt. In der nordwestlichen Stadt Hodur gelang es Einheiten von al-Shabab, der stärksten islamischen Miliz Somalias, Regierungstruppen zu vertreiben. Augenzeugen berichteten von 17 Toten.

Nach Angaben von lokalen Hilfsorganisationen sind Zehntausende Menschen vor den Gefechten geflüchtet. Als der neue Premierminister Omar Abdirashid Sharmarke am Freitag in der Hauptstadt eintraf, wurde dort noch gekämpft. Auch 280 der 550 Parlamentsabgeordneten sind in den letzten Tagen nach Mogadischu gereist. Man habe sich entschieden, die Regierung wieder in die Hauptstadt zu verlegen, sagte Hassan Keynan, einer der Abgeordneten. Die Attacken der Hibul Islam werden als Reaktion auf diese symbolische Landnahme gedeutet.

Sharifs Wahl hat unter den Somalis Hoffnung auf friedlichere Zeiten geweckt, hatte doch die von Sharif angeführte Union islamischer Gerichte bereits im Sommer 2006 Mogadishu kontrolliert und der Stadt einen relativ sicheren Sommer verschafft. Die erneuten Kämpfe zeigen jedoch, dass auf Sharif und sein Kabinett noch eine Menge Arbeit wartet. Einen ersten Erfolg konnte er bereits erzielen: Am Wochenende konnte Sharif Vertreter einiger Clans dazu bewegen, die Waffen niederzulegen. Und er kündigte an, in Somalia werde im Gegenzug nun wieder das traditionelle islamische Recht der Scharia angewendet.

Was er als notwendige Maßnahme zur Beruhigung der Lage darstellt, war jedoch ein Eckpunkt seines politischen Programms. Schon kurz nach seiner Wahl hatte Sharif die Rückkehr zum islamischen Recht in Aussicht gestellt. Auch während ihrer ersten Herrschaft über Mogadischu hatten Sharif und seine Mitstreiter die Scharia eingeführt und beispielsweise Musik und Spiele verboten. Die USA befürchteten, dass das Land ein islamischer Terrorstaat werden könnte. Als äthiopische Soldaten in Somalia einmarschierten, regte sich kaum internationaler Widerspruch. Sharifs Regime wurde zerschlagen und eine Übergangsregierung eingesetzt. Ihr Präsident Abdullahi Yusuf galt als Marionette der USA und Äthiopiens.