CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla ließ es nicht an Pathos fehlen. "Erika Steinbach hat die Solidarität der gesamten CDU", sagte er nach einer Präsidiumsitzung in Berlin. Steinbach sei "großes Unrecht" widerfahren. Die Partei weise die Angriffe auf die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen und CDU-Bundestagsabgeordnete zurück.  

Diese Solidaritätsadresse war notwendig geworden, nachdem am Wochenende in der CDU immer deutlicher Kritik an Merkels Krisenmanagement in Sachen Steinbach laut geworden war. Lange hatte Merkel sich zu dem Streit um die Besetzung des Stiftungsrates für das in Berlin geplante Zentrum zur Vertreibung gar nicht geäußert, dann lediglich erklärt, die Angelegenheit brauche noch einige Tage Zeit.

Vermieden hatte sie allerdings, zu der Kritik an Steinbach aus Polen und der SPD konkret Stellung zu nehmen. In Polen gilt die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen als Revanchistin, die die Geschichte des Zweiten Weltkrieges umdeuten und mit dem von ihr initiierten Zentrum vor allem das Leid der deutschen Vertriebenen in den Vordergrund stellen will. Ihre Nominierung durch die Vertriebenenorganisation für den Stiftungsrat war dort deswegen auf massive Kritik gestoßen. SPD-Politiker, darunter auch die Polen-Beauftragte der Regierung, Gesine Schwan, hatten Steinbach daraufhin aufgefordert, ihre Bewerbung zurückzuziehen.

Vor allem für die Konservativen in der CDU entwickelt sich die Frage, wie man mit der Vertriebenen-Präsidentin umgeht, zunehmend zu einem Identitätsthema. "Erika Steinbach muss als Person geschützt werden", verlangte etwa der Vorsitzende der baden-württembergischen Landesgruppe Georg Brunnhuber im Spiegel . "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die letzten Getreuen verlieren", sagte er mit Blick auf die Wählerschaft der Union.

Ähnlich äußerte sich der brandenburgische CDU-Innenminister Jörg Schönbohm, auch er ein Vertreter des konservativen Flügels. Andere CDU-Politiker verlangten, die Besetzung der drei für sie reservierten Stiftungsrats-Posten müsse allein Sache der Vertriebenen sein. Es könne nicht angehen, dass die polnische Regierung sich in dieser Weise einmischte. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sagte, man mache nur die radikale Rechte stark, wenn man Steinbach nun nicht nominieren könne.

Pofalla würdigte deswegen ausdrücklich die Lebensleistung Steinbachs. Sie habe den Aufbau des Zentrums gegen Vertreibung stets im Geiste der Versöhnung betrieben.