Deutsch-polnische Beziehungen Ein sinnloses Déjà-vu

Das Beharren von Vertriebenenchefin Steinbach und die Reaktionen in Polen verstellen den Blick auf die konstruktive Rolle Warschaus unter Premier Tusk

Erika Steinbach, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, hat lange für ein Zentrum gegen Vertreibungen gekämpft. Sie hat es bekommen, nach jahrelangem Streit lenkte Polen ein. Nun will sie für den Stiftungsrat des Zentrums, des "Sichtbaren Zeichens", kandidieren. Dafür wurde Steinbach beschimpft, verunglimpft – und stand ihren Kritikern in nichts nach. Sie reflektierte nicht, sie lenkte nicht ein und tat auch noch Verschwörungstheorien kund, hinter den Reaktionen Polens stecke die SPD, die Sozialdemokraten hätten die Polen aufgestachelt. Und überhaupt, die Polen.

Es ist hinreichend diskutiert worden, warum Erika Steinbach diesen Schritt machte, ob sie für dieses Amt tatsächlich inakzeptabel sei oder Polen nicht doch neurotisch reagiere. Mag sein, dass das Land in diesem Punkt an einer Neurose leidet – aber das ändert nichts an dem großen Schritt, den die Regierung von Donald Tusk auf Deutschland zugemacht hat.

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Was im Winter vor zwei Jahren gelang, war ein Lehrstück für gelungene Deeskalation. Stundenlang sprachen deutsche und polnische Politiker und Diplomaten über das Vertriebenenzentrum, das in Berlin gebaut werden sollte und über das man jahrelang stritt. Am Ende lenkte Polen ein, was noch wenige Monate zuvor unter der Regierung Kaczynski unmöglich gewesen wäre. Macht ihr eure Sache allein, war die Botschaft, wir stehen euch nicht im Wege.

Der Name Steinbach fiel in diesen Diskussionen nicht, das musste er auch nicht. Die Bedingung für das Einlenken war allen klar, den Medien, den Diplomaten, der deutschen Regierung. Wahrscheinlich sogar Erika Steinbach selbst: Mit der Vertriebenenpräsidentin geht es nicht.

Die Sache wirkt heute wie ein Déjà-vu – als wäre in den vergangenen Jahren nichts passiert, kein Fortschritt, nirgends. Doch die Regierung von Donald Tusk hat sich von den nationalistischen Tönen ihrer Vorgänger verabschiedet, sie missbraucht keine historischen Traumata, sie bemüht keine nationalen Opfermythen. Wenn sie Projekte kritisiert, dann nicht mehr zerstörerisch, sondern konstruktiv – wie im Falle der Ostsee-Pipeline, die Deutschland und Russland bauen wollen. Hatte die vorherige Regierung das Geschäft als Molotow-Ribbentrop-Pakt beschimpft, argumentierte die jetzige mit ökonomischen Nachteilen.

Leser-Kommentare
  1. 1. Mhhh

    Also eine Bauerngesellschaft passt meines erachtens nicht so sehr in 21 jhd. . Wieso diese frau deswegen so bemueht ist die polnischen laendereien zu kriegen ist mir schleierhaft.
    natuerlich muss man verfolgten achtung geben und dies geschichtlich auch wuerdigen. objektive Museen sollte es auf beiden seiten geben, die beide seiten zeigen.

    die meisten vertriebenen werden sowieso bald sterben oder sind schon zu alt um sich dort was neues aufzubauen! was soll dieses ewige streiten um ein leben in einer anderen welt!

    in den osten will ja schliesslich auch keiner hin??
    die alten damen und herren sollten sich endlich mal mit der geschichte abfinden, was nicht heissen soll, das dies unter den teppich gekehrt wird. aber das leben geht weiter. gestern war gestern. die zukunft gehoert uns allen, die vergangenheit niemanden!

    das die politics dies natuerlch alles auszuschlachten wissen in so einer wirtschaftlichen zeit ist verstaendlich da sie ja diese krise wie auch dieses vertriebenen problem mitgeerbt haben!

    man muss unter allem mal einen schlussstrich ziehen!

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    Wissen Sie überhaupt, welche Position Frau Steinbach der "Preussischen Treuhand" gegenüber einnimmt? Offensichtlich nicht, sonst hätten Sie sich und uns diesen Kommentar erspart!

    Das ist das Vokabular von Neonazis.

    Wissen Sie überhaupt, welche Position Frau Steinbach der "Preussischen Treuhand" gegenüber einnimmt? Offensichtlich nicht, sonst hätten Sie sich und uns diesen Kommentar erspart!

    Das ist das Vokabular von Neonazis.

  2. 2. ohh

    das ist ihr job.....mhh...wenn sie weiterhin dafuer geld haben will, dann sollte sie einfach mal neue ideen vorbringen....oder wenn sie das gar nicht muss einfach ruhig am platz sitzen bleiben und auf die monatliche auszahlung warten.....vielleicht bemerkt es keiner das sie fuers nichtstun bezahlt wird:)

    • th
    • 26.02.2009 um 21:05 Uhr

    wäre es für E.S. wohl möglich gewesen, zu verzichten. Aber nach diesen demagogischen Angriffen, bleibt ihr wohl aus Selbstachtung nur, durchzuhalten. Danke SPD, für tatkräftige Unterstützung! Ein bisschen Versöhnung im Inland wäre gut gewesen - ihr hättet sie halt wegloben sollen, statt sie schlechtzureden!

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    jetzt ist auf einmal die SPD daran schuld, dass Fr. Steinbach so aggressiv gegen Polen daherredet? Machen Sie Witze, th?

    jetzt ist auf einmal die SPD daran schuld, dass Fr. Steinbach so aggressiv gegen Polen daherredet? Machen Sie Witze, th?

    • Anonym
    • 26.02.2009 um 21:05 Uhr

    Oder stellen die Figuren in Sicht die Versichtung? Wir hoffen eher auf eine Entwicklung der verdrehten Rolle in sich.

  3. "macht es alleine, wir stehen euch nicht im wege" das ist konstruktiv? wohl eher NICHT destruktiv...dafür soll jetzt die Frau Steinbach geopfert werden? Dazu gibt es keinen Grund.

  4. Ich hab keine Ahnung. Aber warum sollte nicht die Vertreibung der Polen mit einbezogen werden? Deutsch-polnische Zusammenarbeit. Natürlich wären dann Putin oder eher Lukaschenko beleidigt. Lukaschenko geht ja, aber Putin hat Gas! Lukaschenko - das ist es: also polnisch-deutsche Vertreibung (Gemeinsamkeit verbindet) durch böse Weißrussen. :-)

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    aus bzw. in z.B. Ostgallizien ein wichtiges Thema. Deshalb ist sie auch Bestandteil des Konzepts des Z.g.V.
    Haben Sie die Ausstellung in Berlin nicht besucht? Dort wurde das sehr genau beschrieben. Dass Russland mit einem Gaslieferstopp drohen könnte, kann an den historischen Fakten und deren Bewertung nichts ändern.

    aus bzw. in z.B. Ostgallizien ein wichtiges Thema. Deshalb ist sie auch Bestandteil des Konzepts des Z.g.V.
    Haben Sie die Ausstellung in Berlin nicht besucht? Dort wurde das sehr genau beschrieben. Dass Russland mit einem Gaslieferstopp drohen könnte, kann an den historischen Fakten und deren Bewertung nichts ändern.

  5. Die vertriebenen Armenier liegen längst unter der Erde, dennoch ist ihr Problem nicht begraben. Tschechen und Polen wollen die völkerrechtswidrige Vertreibung vergessen machen. Erika Steinbach ist leidiglich das Bauernopfer. Sie hat, als Politikerin, keine Forderungen gestellt und sich ausschliesslich auf dieses Zentrum in Berlin konzentriert. Die Tschechen versuchen, die deutsche kultur und Geschichte von 800 Jahren auszulöschen. Kulturstätten werden schlichtweg auf Tschechisch umfunktioniert. Politiker und Journalisten schweigen!

  6. Die Haltung Polens und die Vorwürfe gegen Frau Steinbach sind insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Ausgrabungen von bisher ca. 2000 menschlichen Skeletten in Marienburg/Malbork unangemessen und zynisch.
    Bei den Skelettfunden handelt es sich offenbar um die Überreste der 1945 in Marienburg verbliebenen deutschen Zivilisten - Männer, Frauen, Kinder. Viele der Schädel weisen Einschußlöcher auf... die Presse berichtete, wenn auch spärlich. Eine Untersuchung steht bislang aus. Es gibt also noch immer dringenden Handlungsbedarf, die Vorgänge in den deutschen Ostgebieten nach 1945 aufzuarbeiten - und zwar auch mit Beteiligung eines Vertreters der Betroffenen. Dafür ist Frau Steinbach die richtige Person.
    Man sollte immer daran erinnern: Die deutsche Kriegsschuld rechtfertigt zwar die Niederschlagung des Deutschen Reiches durch die Sieger, nicht aber die "ethnischen Säuberungen" in den annektierten Gebieten.

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    • naej
    • 26.02.2009 um 22:56 Uhr

    Wir sollten uns einige Inhalte der deutschen Kriegsschuld vergegenwärtigen, die den « ethnischen Säuberungen » vorausgegangen sind:

    « ...Wehrmachtssoldaten führten während des Polenfeldzugs etwa 60 Prozent der Massenmorde an polnischen Zivilisten aus.[45] Abseits der Kampfhandlungen wurden mehr als 3.000 polnische Soldaten von deutschen Soldaten ermordet [46], etwa beim Massaker von Ciepielów... » (http://de.wikipedia.org/w...)
    « ...Im September und Oktober 1939 wurden mindestens 20.000 Polen in 760 Massenexekutionen durch die EKs und reguläre Einheiten der Wehrmacht ermordet. Vor allem unter Führung des SS- und Polizeiführers für Westpreußen Ludolf-Hermann von Alvensleben wurden auch vom Volksdeutschen Selbstschutz umfangreiche Exekutionen vorgenommen.[2] ... » (http://de.wikipedia.org/w...)
    « ...Polnische, russische, weißrussische und ukrainische Kinder wurden ihren Familien entrissen und gezielt in deutsche Familien gegeben, um sie kulturell zu Deutschen zu machen (siehe auch: Volksdeutsche Mittelstelle)... » (http://de.wikipedia.org/w...)
    « ...Während nämlich das französische Dorf Oradour, das tschechische Lidice oder das italienische Sant'Anna di Stazzema, die ebenfalls im Krieg von deutschen Besatzern vernichtet wurden, jeweils traurigen Einzelruhm erlangten, hält Borodziej es für wahrscheinlich, dass Wehrmacht, SS und Polizei in Polen gleich mehrere hundert Mal zur Durchsetzung ihres Herrschaftsanspruchs ganze Dorfgemeinschaften komplett oder teilweise ermordet haben - meistens, um wegen vermuteter Zusammenarbeit mit den Partisanen der Wälder ein Exempel zu statuieren. Der Historiker Czeslaw Madajczyk hat in seiner Untersuchung "Die Politik des Dritten Reiches im besetzten Polen" 1970 die Zahl solcher Terroreinsätze mit jeweils mehr als zehn Opfern auf 750 geschätzt. Insgesamt seien dabei etwa 19 000 Menschen ums Leben gekommen.. ». (http://www.faz.net/print/...)

    Bzgl. "Marienburg" hat sich aber auch die deutsche Bundesregierung nicht gerade mit Ruhm bekleckert, im Gegenteil, man befasst sich dort nur sehr widerwillig mit der Materie und würde die Skelettfunde (vermutlich für das "Grosse Ganze") am liebsten unter den Teppich kehren.

    • naej
    • 26.02.2009 um 22:56 Uhr

    Wir sollten uns einige Inhalte der deutschen Kriegsschuld vergegenwärtigen, die den « ethnischen Säuberungen » vorausgegangen sind:

    « ...Wehrmachtssoldaten führten während des Polenfeldzugs etwa 60 Prozent der Massenmorde an polnischen Zivilisten aus.[45] Abseits der Kampfhandlungen wurden mehr als 3.000 polnische Soldaten von deutschen Soldaten ermordet [46], etwa beim Massaker von Ciepielów... » (http://de.wikipedia.org/w...)
    « ...Im September und Oktober 1939 wurden mindestens 20.000 Polen in 760 Massenexekutionen durch die EKs und reguläre Einheiten der Wehrmacht ermordet. Vor allem unter Führung des SS- und Polizeiführers für Westpreußen Ludolf-Hermann von Alvensleben wurden auch vom Volksdeutschen Selbstschutz umfangreiche Exekutionen vorgenommen.[2] ... » (http://de.wikipedia.org/w...)
    « ...Polnische, russische, weißrussische und ukrainische Kinder wurden ihren Familien entrissen und gezielt in deutsche Familien gegeben, um sie kulturell zu Deutschen zu machen (siehe auch: Volksdeutsche Mittelstelle)... » (http://de.wikipedia.org/w...)
    « ...Während nämlich das französische Dorf Oradour, das tschechische Lidice oder das italienische Sant'Anna di Stazzema, die ebenfalls im Krieg von deutschen Besatzern vernichtet wurden, jeweils traurigen Einzelruhm erlangten, hält Borodziej es für wahrscheinlich, dass Wehrmacht, SS und Polizei in Polen gleich mehrere hundert Mal zur Durchsetzung ihres Herrschaftsanspruchs ganze Dorfgemeinschaften komplett oder teilweise ermordet haben - meistens, um wegen vermuteter Zusammenarbeit mit den Partisanen der Wälder ein Exempel zu statuieren. Der Historiker Czeslaw Madajczyk hat in seiner Untersuchung "Die Politik des Dritten Reiches im besetzten Polen" 1970 die Zahl solcher Terroreinsätze mit jeweils mehr als zehn Opfern auf 750 geschätzt. Insgesamt seien dabei etwa 19 000 Menschen ums Leben gekommen.. ». (http://www.faz.net/print/...)

    Bzgl. "Marienburg" hat sich aber auch die deutsche Bundesregierung nicht gerade mit Ruhm bekleckert, im Gegenteil, man befasst sich dort nur sehr widerwillig mit der Materie und würde die Skelettfunde (vermutlich für das "Grosse Ganze") am liebsten unter den Teppich kehren.

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