Das Strafgericht für die Verbrechen des Regimes von Saddam Hussein hat gegen den als "Chemie-Ali" bekannten Cousin des früheren irakischen Präsidenten das dritte Todesurteil verhängt. Das Gericht befand Ali Hassan al-Madscheed wegen Vertreibung und Ermordung schiitischer Muslime des Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig. Im Jahr 1999 war das Militär vor allem in Bagdad in Schiiten-Viertel eingedrungen, um Demonstrationen nach der Ermordung eines Geistlichen zu unterbinden.

Bereits in früheren Prozessen war al-Madscheed zur Höchststrafe verurteilt worden. Ihm wurde der Einsatz von Giftgas gegen Kurden in den achtziger Jahren und die Niederschlagung eines Schiiten-Aufstands 1991 angelastet. Politische Streitigkeiten haben die Vollstreckung der Urteile bisher verhindert.

Außer al-Madscheed verurteilte das Gericht in dem sogenannten Freitagsgebet-Prozess noch einen weiteren Ex-Funktionär von Saddams Baath-Partei sowie einen ehemaligen Offizier zum Tode. Vier Angeklagte erhielten lebenslange Haftstrafen. Drei Ex-Funktionäre müssen sechs bis 15 Jahre hinter Gitter. Insgesamt vier Angeklagte wurden freigesprochen.

Darunter ist auch der frühere irakische Außenminister Tarik Asis. Der Staatsanwalt habe nicht beweisen können, dass der nun 72-Jährige an der brutalen Niederschlagung des Schiiten-Aufstandes beteiligt gewesen sei, heißt es in dem Urteil.

Kurz nach dem Freispruch eröffnete das Sondertribunal einen weiteren Prozess, in dem sich Asis und sechs weitere Funktionäre des Saddam-Regimes wegen der Verfolgung von Angehörigen des Clans des heutigen Präsidenten der irakisch-kurdischen Autonomieregion, Massud Barsani, verantworten müssen. Tausende Angehörige des Clans, darunter 37 Familienmitglieder Barsanis, waren 1983 getötet worden. Saddam hatte ihnen vorgeworfen, sie hätten sich mit dem damaligen Kriegsgegner Iran gegen ihn verbündet.

Asis schimpfte im Gerichtssaal: "Heute morgen hat sich nach 61 Sitzungen voller falscher Anschuldigungen herausgestellt, dass ich unschuldig war im Freitagsgebets-Prozess. Wollen wir die gleiche Geschichte jetzt im Barsani-Verfahren wiederholen? Hinterher heißt es dann wieder, 'Tut uns leid und auf Wiedersehen', und das in meinem Alter." Asis erklärte, er sei 1983 Außenminister gewesen und habe nichts mit der Verfolgung der Barsani-Kurden zu tun gehabt.