Tennis und Politik Gaza-Konflikt neben dem Center CourtSeite 2/2
Ändern kann Nick Imison daran nichts. "Unter diesen schwierigen Umständen ist es wichtig, dass die Matches überhaupt stattfinden", sagt er. Die Auflagen müsse man widerwillig akzeptieren. Zwar sagt Imison, dass der Vorfall in jedem Fall Folgen haben werde. Doch eine Bestrafung der Verantwortlichen hält er für unwahrscheinlich. Er betont, dass es sich um einen Einzelfall handele.
Doch die geplanten Aufmärsche in Malmö sind nicht die ersten anti-israelischen Auswüchse im Tennis. Schon vor einigen Tagen beim Turnier in Dubai wurde Weltpolitik mit dem weißen Sport vermischt: Die Vereinigten Arabischen Emirate verweigerten der Spielerin Shahar Peer die Einreise – weil sie Israelin ist. Peer steht auf Platz 49 der Weltrangliste und hatte sich eigentlich automatisch für das Turnier qualifiziert. Doch die Veranstalter schoben auch hier "Sicherheitsbedenken" vor.
Betroffen von Peers Ausschluss war deren deutsche Doppelpartnerin Anna-Lena Grönefeld. Die 23-Jährige erfuhr erst vor Ort in Dubai, dass ihre israelische Kollegin kein Visum erhalten hatte. Erklärt haben die Veranstalter Grönefeld dazu nichts: "Während der gesamten Woche ist niemand auf mich zugekommen", sagt Grönefeld. Nach Dubai will sie erst zurück, wenn das Turnier die Einreisebestimmungen für alle Spieler normalisiert.
Das versucht jetzt der Frauentennisverband WTA zu erreichen. Da in Dubai – anders als in Schweden – die Turnierveranstalter selbst an anti-israelischen Maßnahmen beteiligt waren, kann die WTA zumindest etwas Druck ausüben. Sie verlangt 300.000 Dollar Strafe, eine Entschädigung für Peer und Grönefeld, sowie die Zusage, im nächsten Jahr jedem qualifizierten Sportler acht Wochen im Voraus ein Visum zu gewähren. Bisher sieht es danach aus, als sei zumindest das in Zukunft möglich. Doch WTA-Sprecher Andrew Walker sagt ebenso: "Die Veranstalter haben gesagt, dass sie darüber nachdenken, ob sie die Strafe anfechten oder nicht."
Dabei sollten die Turnierchefs eigentlich versuchen, den Schaden zu begrenzen. Das Image des Wüstenstaats hat durch die anti-israelischen Sanktionen schon jetzt enorm gelitten: Ein amerikanischer Fernsehsender stoppte die TV-Übertragung aus Dubai, ein europäischer Turnier-Sponsor sprang ab. Am wirkungsvollsten protestierte der amerikanische Tennisprofi Andy Roddick. Der ehemalige Weltranglistenerste sollte eigentlich in dieser Woche in Dubai seinen Titel verteidigen – und sagte kurzfristig ab. Er ließ ausrichten, dass er mit den Vorfällen nicht einverstanden sei: "Es ist falsch, dass sich Sport und Politik in diesem Maße vermischen!"
- Datum 02.03.2009 - 13:41 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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