Erstaunliche Missklänge sind aus Leverkusen zu vernehmen. Torhüter René Adler hat seine Mannschaft nach der 0:1-Niederlage in Hannover öffentlich in die Pflicht genommen und ihnen Schönspielerei und "Phlegma" vorgeworfen. Daraufhin hat ihn Sportdirektor Rudi Völler "temperamentvoll, ein wenig cholerisch und im Stil einer Zurechtweisung" (FAZ) kritisiert: "Mein guter Rat an unseren hochtalentierten Nationaltorwart", sagte Völler höhnisch: "sich erst einmal an die eigene Nase fassen. Bälle festhalten ist das oberste Gebot, dann kann man Kritik üben."

Philipp Selldorf (SZ) teilt Völlers Rüge, äußert sie jedoch sachlicher und führt den Genius loci ins Feld: "Der Verdacht lautet auf Selbstgefälligkeit. Dass Adler das Problem benennt, ist mutig. Dass er sich dadurch selbst aus der Kritik nimmt, passt ins alte Bild der verwöhnten Selbsteinschätzung. Bayer hat zwar eine neue Mannschaft, aber das Erbe ihrer Vorväter trägt diese trotzdem in sich."

Zum ersten Mal, seit er in Leverkusen ist, muss auch Trainer Bruno Labbadia Kritik in der Zeitung lesen. Frank Hellmann (FR) beanstandet die mangelhafte Arbeitsethik der Mannschaft: "Der Disput verdeutlicht, wie dick die Luft rund ums Bayer-Kreuz geworden ist. Nach drei Rückrundenpleiten sind alle Saisonziele in Gefahr. Gemunkelt wird auch von einer noch sehr leisen Unzufriedenheit an der bislang so vorzüglichen Arbeit von Labbadia. Warum ist dessen Ensemble nicht in der Lage, den Widrigkeiten – am Samstag: ramponierter Rasen, schlechtes Wetter, aggressiver Gegner – zu trotzen? Warum lässt sich seine Elf nach einem Eckstoß in fünf Zügen auseinanderspielen wie beim 0:1?"

Roland Zorn (FAZ) stimmt ein: "Kampfsport Fußball, bei Bayer Leverkusen wurde diese Duellperspektive unter Männern mit aufgekrempelten Ärmeln erst nach dem Abpfiff erkennbar. Auf dem Platz setzte sich die mit Abstand besser eingestellte und couragiertere Mannschaft durch: Hannover 96."

Hyper-Kommerzialisierung

Die TSG Hoffenheim bietet den Traditionalisten aus Dortmunds Fan-Kurve viele Angriffsflächen. Am wenigsten stört sie der Doping-Verstoß der beiden Spätkommer Ibertsberger und Janker, sondern nach wie vor Dietmar Hopps Millionen. "Untersucht lieber das Finanzdoping!", war auf einem Transparent zu lesen.

Freddie Röckenhaus (SZ) ruft den Dortmundern die Fakten in Erinnerung: "An der Hyper-Kommerzialisierung ist derzeit Dortmunds Präsident Reinhard Rauball – in seinem Zweit-Amt als Präsident der DFL – mindestens so beteiligt wie Hopp. Noch jedenfalls ist Dortmunds Mannschaft in jeder Hinsicht teurer als die des Retortenklubs. Nur besser ist sie nicht."

Auf dem Spielfeld war Kampf angesagt, am Ende stand ein 0:0. Felix Meininghaus (FR) stellt die Entzauberung Hoffenheims fest: "Die Leichtigkeit des Seins, mit der der Aufsteiger durch die erste Hälfte dieser Spielzeit gerauscht war, ist verflogen. Nun ist der Alltag eingekehrt, und damit die Erkenntnis, dass jedes Resultat hart erarbeitet werden muss. Das ist nicht überraschend, aber doch gewöhnungsbedürftig."

Antidopingsystem

Der Generalsekretär der Wada David Howman hat das "bizarr inkonsequente Antidopingsystem" (SZ)  im deutschen Fußball gerügt. Es sei im Sport unüblich, dass man auf unabhängige Begleitpersonen, sogenannte Chaperons, verzichtet, stattdessen Klubinterne dafür einsetzt, um Spieler zur Kontrolle zu geleiten. Zudem ist der FAZ zu entnehmen, dass die Beschreibungen Ralf Rangnicks von anonymen Quellen aus der Branche bestätigt würden. Die Vorschrift werde "nachlässig" umgesetzt.

Michael Horeni (FAZ) lässt den Fall Hoffenheim nicht ruhen und greift Howmans Intervention auf, um eine Mahnung an die Verantwortlichen auszusprechen: "Der DFB und die DFL müssen sich fragen lassen, weshalb sie in dieser Angelegenheit so defensiv reagieren. Ganz anders als in der Vergangenheit hat sich Theo Zwanziger dieser Diskussion weitgehend verschlossen. Von der DFL ist man das gewohnt. In den Fällen Ibertsberger und Janker sind aber nicht nur die Hoffenheimer Getriebene. Der DFB und die DFL sind es auch."

Mit den Versäumnissen der Bundesliga im Kampf gegen Doping befasst sich auch Thomas Kistner (SZ): "Der DFB dürfte Probleme kriegen, wenn er die Hoffenheimer Spieler wegen Verspätung belangen will. Vom Kontrollaspekt her ist der Verzicht auf unabhängige Begleitpersonen viel schwerwiegender. Fragen wirft zudem das Sanktionssystem des DFB auf. Ibertsberger war trotz schwelender Affäre in Dortmund im Einsatz. Nach dem Wada-Code war es bisher so, dass Akteure, die mit Dopingrichtlinien in Konflikt geraten, bis zum Urteil suspendiert werden."