Bürgerrechte Wahlcomputer sind verfassungswidrig
Das Bundesverfassungsgericht hat Wahlcomputern eine deutliche Absage erteilt. Damit bleibt kaum eine Chance, Maschinen bei der Bundestagswahl einzusetzen
Die 1800 Geräte, an denen bei der Bundestagswahl 2005 rund zwei Millionen Bürger ihre Stimmen abgegeben haben, widersprechen dem Grundsatz der Öffentlichkeit der Wahl, heißt es in dem Urteil des Verfassungsgerichts vom Dienstag. Damit wird der Einsatz solcher in Deutschland seit zehn Jahren verwendeten Wahlmaschinen faktisch beendet.
Die von den Klägern angefochtene Wahl müsse damit aber nicht wiederholt werden, befand das Gericht. Weil keine Hinweise auf Fehler vorlägen, bleibe die Wahl gültig. Bei den Abstimmungen im laufenden Jahr wird damit aller Voraussicht nach wieder mit Papier und Bleistift gewählt werden.
Zwei Wähler hatten Verfassungsbeschwerde eingelegt. Da dies gegen die zugrunde liegenden Gesetze für Bürger nicht möglich ist, hatten sie eine konkrete Wahl angefochten und darauf geklagt, dass das Ergebnis der letzten Bundestagswahl teilweise für ungültig erklärt wird. Im Grund aber ging es ihnen generell um den Einsatz solcher Computer.
Die Kläger halten eine Wahl "per Knopfdruck" für manipulierbar und zudem für intransparent, weil der Wähler nicht nachvollziehen könne, was mit seiner Stimme im Inneren des Computers geschieht. In der Anhörung im Oktober hatten die Karlsruher Richter Skepsis an der Zuverlässigkeit und der Transparenz der Computerwahl zu erkennen gegeben. Diese Skepsis schlug sich nun auch im Urteil nieder. Der Bürger müsse ohne Computerkenntnisse die wesentlichen Schritte seiner Wahlhandlung überprüfen können, hieß es darin.
Mit dem Urteil sind Wahlcomputer nicht per se verboten. Die entsprechende Vorschrift des Bundeswahlgesetzes, die "Wahlgeräte" zulässt, wurde nicht außer Kraft gesetzt. Doch stoppten die Richter die Verordnung, die die Vorschrift umsetzt und die unter anderem die beklagten Wahlgeräte der niederländischen Firma Nedap zuließ.
Bei diesen würden Stimmen ausschließlich elektronisch erfasst und gespeichert. Programmierfehler oder zielgerichtete Manipulationen seien deshalb nur schwer erkennbar. Das lässt den Weg offen für Geräte, die es dem Wähler wie auch immer möglich machen, zu kontrollieren, ob der Rechner seine Stimme korrekt gespeichert hat.
Wahlcomputer werden in vielen Ländern eingesetzt. Negative Berühmtheit erlangten sie, als bekannt wurde, dass die Geräte, die bei Wahlen in den USA eingesetzt wurden, aufgrund eines Softwarefehlers Stimmen in großer Zahl unterschlagen hatten. Die Niederlande und Irland haben wegen der Gefahr von Manipulationen die Wahlcomputer wieder abgeschafft.
- Datum 03.03.2009 - 13:49 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 16
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Gut so!
Nichts gegen Wahlen per Computer, aber bitteschön nur, wenn notfalls auch per Hand und Auge nachgezählt werden kann.
Technisch ist das etwas umständlich, aber machbar. Sollen sich die Wahlmaschinenhersteller anstrengen!
Sehe ich anders. Den der Prozess im Wahlcomputer der bgegebene Stimmen manipuliert wird mit erfolg abgeschlossen. Darausfolgt die nicht notwendige Zaehlung der Zettel die er nach der wahl zB ausdruckt. Die Transparenz mit Wahlcomputern wird also nie gegeben sein.
Maximus Successus
Sehe ich anders. Den der Prozess im Wahlcomputer der bgegebene Stimmen manipuliert wird mit erfolg abgeschlossen. Darausfolgt die nicht notwendige Zaehlung der Zettel die er nach der wahl zB ausdruckt. Die Transparenz mit Wahlcomputern wird also nie gegeben sein.
Maximus Successus
Das Bundesverfassungsgericht ist die höchste Errungenschaft unserer Gesellschaft. Wie oft haben die Karlsruher Richter eigentlich schon politische Fehlentwicklungen korrigiert und unser Land vor dem Übereifer und Machtanspruch ambitionierter Politiker bewahrt?
So auch diesmal. Die "Dieboldisierung" der Wahlen in Deutschland ist vorerst abgewendet. Merkwürdig ist nur, dass es dazu das oberste Gericht braucht - schließlich haben doch alle unsere Minister, sogar der Herr Schäuble, geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. An manipulationsfreie Wahlen haben sie dabei offenbar nicht gedacht.
Nochmals Danke nach Karlsruhe.
Diese Dinger lösen kein echtes Problem und schaffen nur Probleme.
Weg mit den Teilen!
Ebenfalls erleichtert
Hajo
Das Verfassungsgericht scheint die letzte Institution in diesem Staat zu sein, wo noch der normale Menschenverstand manchmal obsiegt!
Die nächsten Wahlen werden hoffentlich nicht mit Wahlzettel und Bleistift stattdinden, sondern mindestens mit Kugelschreiber... ;-)
Nun hätte doch so gerne eine Bush-Wahl in Good-Old-Germany gehabt.
Mit gebrauchten Hollerith-Handlochern für die Problemgebiete und vollautomatischer Dimapfunktion fürs Bürgerliche.
...das hätte so richtig geholfen, sogenannte "bürgerliche Mehrheiten" sicher zu stellen. Schade - jetzt reicht's bei der nächsten Wahl für die Union wohl auch nicht mehr für den Bundestagspräsidenten...
...das hätte so richtig geholfen, sogenannte "bürgerliche Mehrheiten" sicher zu stellen. Schade - jetzt reicht's bei der nächsten Wahl für die Union wohl auch nicht mehr für den Bundestagspräsidenten...
ist es die letzte demokratische bastion der deutschen? ... oder warum koennen politiker gesetzesvorlagen absegenen, die hinterher als verfassungswiederung oder demokratiefeindlich beurteilt werden muessen? entspricht das nicht dem tatbestand des hochverrats? ... oder die entsprechenden politiker haetten zumindest allen grund sich zu suspendieren ? eigentore werden im allgemeinen abgestraft.
Sehe ich anders. Den der Prozess im Wahlcomputer der bgegebene Stimmen manipuliert wird mit erfolg abgeschlossen. Darausfolgt die nicht notwendige Zaehlung der Zettel die er nach der wahl zB ausdruckt. Die Transparenz mit Wahlcomputern wird also nie gegeben sein.
Maximus Successus
Habe nie behauptet, daß man es genau so machen muss.
Es gibt zig mögliche Realisierungsvarianten.
Beispiel, rein mechanisch, mit Münzen oder Chips: Der Wähler stellt per Hand an der Maschine seine Wahl ein, die den Laufweg der Wahlmünze in die Urne der gewählten Partei festlegt. Wenn der Wähler sich sicher ist, gibt er die Münze frei und sie rollt in die Urne der eingestellten Partei. Der Computer erfasst im Fallen die Münze. Hinterher können die Stimmen sogar durch abwiegen, aufschichten etc. verifiziert werden (dafür bräuchte man nicht einmal einen Computer!). Alles läuft unter Glas, so daß der Wähler zwar zuschauen kann, aber nicht eingreifen (und etwa falsche Münzen einwerfen o.ä.)
Anderes Beispiel, öfter genannt: Der Computer bedruckt einen Pappstreifen mit der gewählten Stimme und einem entsprechenden Barcode, und ein zweiter Rechner registriert beim Einwurf in die Urne die Stimme.
Wie auch immer, technische Eigenschaften können ja gerne diskutiert und noch verbessert werden - aber *bevor* man eine solche Maschine baut, muß doch die Eignung für die Wahlen feststehen! Und so stümperhaft wie im vorliegen Fall darf man da nicht rangehen.
Habe nie behauptet, daß man es genau so machen muss.
Es gibt zig mögliche Realisierungsvarianten.
Beispiel, rein mechanisch, mit Münzen oder Chips: Der Wähler stellt per Hand an der Maschine seine Wahl ein, die den Laufweg der Wahlmünze in die Urne der gewählten Partei festlegt. Wenn der Wähler sich sicher ist, gibt er die Münze frei und sie rollt in die Urne der eingestellten Partei. Der Computer erfasst im Fallen die Münze. Hinterher können die Stimmen sogar durch abwiegen, aufschichten etc. verifiziert werden (dafür bräuchte man nicht einmal einen Computer!). Alles läuft unter Glas, so daß der Wähler zwar zuschauen kann, aber nicht eingreifen (und etwa falsche Münzen einwerfen o.ä.)
Anderes Beispiel, öfter genannt: Der Computer bedruckt einen Pappstreifen mit der gewählten Stimme und einem entsprechenden Barcode, und ein zweiter Rechner registriert beim Einwurf in die Urne die Stimme.
Wie auch immer, technische Eigenschaften können ja gerne diskutiert und noch verbessert werden - aber *bevor* man eine solche Maschine baut, muß doch die Eignung für die Wahlen feststehen! Und so stümperhaft wie im vorliegen Fall darf man da nicht rangehen.
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