Eine der vielen Weisheiten, die unter dem Titel "Murphys Gesetze" durch die Zeitgeschichte wandern, lautet: "Irren ist menschlich, um die Lage wirklich ekelhaft zu machen, benötigt man schon einen Computer." Es scheint, als sei dem Bundesverfassungsgericht das dahinter verborgene Problem bewusst. Schließlich urteilten die höchsten deutschen Richter heute, Computer hätten bei Wahlen derzeit wohl besser nichts zu suchen. Denn bei den bislang verwendeten Geräten lasse sich das Ergebnis nicht hinreichend kontrollieren.

Seit zehn Jahren schon werden hierzulande trotz Kritik und technischer Zweifel Wahlmaschinen eines niederländischen Herstellers bei Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen eingesetzt. Computer also, die den klassischen Stimmzettel ersetzen und in ihrem schwer ergründbaren Inneren die Stimmen der Wähler sammeln, speichern und auswerten. Verteidigt werden sie mit dem immer gleichen Argument der schnelleren und leichteren Auszählung der Stimmen.

Doch ist die Möglichkeit, das Wahlergebnis schon Sekunden nach Ende der Stimmabgabe zu haben, so wichtig, dass dafür ein Grundprinzip des demokratischen Wahlrechts geopfert werden darf, nämlich das Transparenzgebot? Das Bundesverfassungsgericht findet das glücklicherweise nicht. Die Nedap-Wahlcomputer verstoßen gegen die Verfassung, befanden die Karlsruher Richter und stoppten damit wieder einmal den allzu unbedarften Gesetzgeber.

Das ist keine Technik- oder Fortschrittsfeindlichkeit, das ist gesunder Menschenverstand. "Slow is smooth and smooth is fast", lautet ein militärischer Grundsatz. Wer hastet, meint das, geht erhebliche Risiken ein. Nur wer sich vorsichtig bewegt und unnötige Gefahren meidet, kommt voran. Das gilt nicht nur für Kriege. Es gilt auch für die Demokratie.

Denn der Geschwindigkeit wird beim Einsatz von Wahlmaschinen etwas geopfert, das wesentlich ist für demokratische Prozesse: das Öffentlichkeitsprinzip und das Prinzip der Überprüfbarkeit.

Selbstverständlich können klassische Stimmzettel und Urnen manipuliert werden. Leicht aber ist das nicht, sind doch so viele Bestandteile der Wahl wie nur möglich für jeden einsehbar. Wer mag, kann den ganzen Tag im Wahllokal sitzen und aufpassen, dass keine Stimmzettel vertauscht werden und Wähler nicht mehr als einmal wählen. Er kann bei der Auszählung der Stimmzettel dabei sein und bei der Verkündung des Ergebnisses durch den Wahlleiter. Denn wer wählt, soll sich davon überzeugen können, dass seine Stimme korrekt gezählt wird.