Günter Wallraff Unter null
Wie leben Obdachlose in Deutschland? Günter Wallraff hat die Kälte in unserem Land erforscht - und hat bei minus 20 Grad auf der Straße übernachtet
Im Winter 2008/2009 hat sich Günter Wallraff unter Menschen begeben, die alles verloren haben: Ihren Beruf, ihr Geld, ihre Bleibe, ihre Familie. Für seine Reportage "Unter null" im ZEITmagazin hat er am eigenen Leibe erfahren, wie Obdachlose in Deutschland leben. Er verbrachte die kältesten Tagen des Winters auf der Straße, bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad - und erfuhr dabei erstaunlich viel Wärme von seinen Leidensgenossen.
Mit ZEIT ONLINE sprach Wallraff über seine Erfahrungen: "Viele haben sich auf der Straße ihre Ersatzfamilie geschaffen." Ein Obdachloser habe ihm seine Schlafstelle über einem Heizungsschacht angeboten und ihm einen Teil seines erbettelten Geldes abgegeben. "In diesem Moment war mir wirklich zum Heulen zumute."
Dass Menschen ohne Wohnung das Leben auf der Straße einigen Obdachlosenunterkünften vorziehen, kann der Journalist inzwischen verstehen: "Es gibt Heime, die wirklich gruselig sind." Seine schlimmste Nacht habe er in einer Einrichtung in Hannover verbracht, die über Nacht abgeriegelt war, erzählt Wallraff. "Ich hatte dort einen Nachbarn, der sich - offenbar im Drogenrausch - im Nebenzimmer in Gewaltfantasien gegen mich hineinsteigerte. Da bekam ich wirklich Panik."
Er habe früher selbst Vorurteile gehabt, vor allem gegenüber jüngeren Obdachlosen, sagt Wallraff. Seit er aber wisse, welche Biografien und Schicksale dahinter stünden, habe sich seine Einstellung geändert. "Es gibt inzwischen genug Menschen, denen man ihre Obdachlosigkeit gar nicht ansieht. Sie sehen so aus, als kämen sie gerade aus dem Büro. Man erkennt es nur an kleinen Zeichen: die Haare sind ungekämmt, der Anzug ein bisschen verknittert..."
Angesichts der Wirtschaftskrise werde Obdachlosigkeit bald kein "marginales, sondern ein sehr zentrales Thema" in Deutschland werden, meint Wallraff. "Sie kann jeden von uns treffen."
Günter Wallraffs Reportage "Unter null" lesen Sie ab Donnerstag im ZEITmagazin
- Datum 04.03.2009 - 15:52 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 34
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Das es in den "Unterschichten" nicht nur brutal zugeht, sondern diese Menschen vielleicht auch an Ihrer Menschlichkeit gescheitert sind, ist hier ja nichts Neues. In einer Gesellschaft der Ellenbogen liegen die "Weichen" zuerst am Boden(satz). Und einem Hernn Wallraff kann man Achtung zollen, auch wenn er "eigentlich" nichts Neues berichtet.
Aber wie wäre es einmal, als "Undercover"-Manager zu arbeiten. Dies dürfte den Erlebnishorizont um einiges erweitern, auch wenn dabei dann das Wort Menschlichkeit nicht mehr benutzt wird. Und so kalt wie ein Managerherz ist, da sind selbst die Nullgrade unter einer Brücke das Paradies dagegen. Naja, und menschenverachtend geht es da bestimmt auch zu.
Nun liebe ZEIT, DAS wäre doch mal ne gute Idee oder???
Bestechend schöne Idee. Aber das wäre dann wohl ein ''Insider'', der zum ''Aussteiger'' mutiert. Monsanto würde mich zB sehr interessieren. Angeblich existiert von derem Chef nicht einmal ein Foto, wie weiland keines vom Geheimdienstchef der DDR.
''Profikiller bei der Mafia'' gäbe wohl auch interessante Einblicke, wird wohl aber nicht jeder Journalist oder Soziologe so mal eben machen können. Feldforschung geht eben nicht überall.
Wie waere es mal mit einem Undercover Politiker egal in welcher Partei, die unterscheiden sich eh nicht mehr viel voneinander. Oder einem Undercover Zeitredakteur der hier die Artikel zensieren muss. Auch wenn durch den Bericht von Herrn Wallraff nicht viel Neues rauskommt, so ist es immer wieder gut an diese Menschen zu erinnern die mitten unter uns leben. Die Ursachen kann man nicht so einfach beseitigen, dafuer gehoert ein Umdenken einher in unsere Gesellschaftschicht.
Bestechend schöne Idee. Aber das wäre dann wohl ein ''Insider'', der zum ''Aussteiger'' mutiert. Monsanto würde mich zB sehr interessieren. Angeblich existiert von derem Chef nicht einmal ein Foto, wie weiland keines vom Geheimdienstchef der DDR.
''Profikiller bei der Mafia'' gäbe wohl auch interessante Einblicke, wird wohl aber nicht jeder Journalist oder Soziologe so mal eben machen können. Feldforschung geht eben nicht überall.
Wie waere es mal mit einem Undercover Politiker egal in welcher Partei, die unterscheiden sich eh nicht mehr viel voneinander. Oder einem Undercover Zeitredakteur der hier die Artikel zensieren muss. Auch wenn durch den Bericht von Herrn Wallraff nicht viel Neues rauskommt, so ist es immer wieder gut an diese Menschen zu erinnern die mitten unter uns leben. Die Ursachen kann man nicht so einfach beseitigen, dafuer gehoert ein Umdenken einher in unsere Gesellschaftschicht.
ja, es ist einiges faul im Staate Dänemark. Das beginnt schon bei unserer Lebensweise. So wie wir mit der Natur umgehen, so gehen wir auch mit unseren Mitmenschen um - wir ignorieren sie, wenn sie uns nicht nützen.
...Wallraff, wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden :-)
"Embedded" Journalismus wie er sinnvoll ist.
Bestechend schöne Idee. Aber das wäre dann wohl ein ''Insider'', der zum ''Aussteiger'' mutiert. Monsanto würde mich zB sehr interessieren. Angeblich existiert von derem Chef nicht einmal ein Foto, wie weiland keines vom Geheimdienstchef der DDR.
''Profikiller bei der Mafia'' gäbe wohl auch interessante Einblicke, wird wohl aber nicht jeder Journalist oder Soziologe so mal eben machen können. Feldforschung geht eben nicht überall.
Günter Wallraff`s Recherchen sind sehr wichtig für die weitere gesellschaftliche
Entwicklung.
Andererseits ist es wirklich traurig wie wenig Insiderinformationen man über die sog. Oberschicht in der bundesrepublikanischen Gesellschaft erhält.
Teilnehmende verdeckte Beobachtung in Top Manager oder Top Banker Kreisen
wären einmal förderungswürdige Forschungsgegenstände.
Die feine Gesellschaft lässt gerne forschen (bei den anderen) - hält sich aber selbst bedeckt.
(Die Redaktion /ft)
Günter Wallraff`s Recherchen sind sehr wichtig für die weitere gesellschaftliche
Entwicklung.
Andererseits ist es wirklich traurig wie wenig Insiderinformationen man über die sog. Oberschicht in der bundesrepublikanischen Gesellschaft erhält.
Teilnehmende verdeckte Beobachtung in Top Manager oder Top Banker Kreisen
wären einmal förderungswürdige Forschungsgegenstände.
Die feine Gesellschaft lässt gerne forschen (bei den anderen) - hält sich aber selbst bedeckt.
(Die Redaktion /ft)
Erstaunlich, dass er immer noch Gehör findet. Noch ertsaunlicher, dass die ZEIT ihm ein solches Forum bietet. Ausgerechnet Günter Wallraff, der früher Aussagen frisiert hat, Geld dafür angeboten hat (entfernt. Bitte verzichten Sie auf derlei Beschuldigungen und beachten Sie hierzu die Rechtslage. Die Redaktion/jk) . Sei's drum, muss ja nicht alles stimmen, was zu lesen ist.
Die politische Ecke, aus der sie gekrochen kommen, dürfte wohl klar sein. Sie sollten doch besser in der BILD schreiben.
Faschismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit - keine Meinung, sondern ein Verbrechen! - Deshalb: Nazis raus aus dem Internet - kein Fußbreit den Faschisten! - El Pueblo unido, jamás será vencido! - VENCEREMOS!
Die politische Ecke, aus der sie gekrochen kommen, dürfte wohl klar sein. Sie sollten doch besser in der BILD schreiben.
Faschismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit - keine Meinung, sondern ein Verbrechen! - Deshalb: Nazis raus aus dem Internet - kein Fußbreit den Faschisten! - El Pueblo unido, jamás será vencido! - VENCEREMOS!
Das bestimmte Bedingungen geradewegs ins die Obdachlosigkeit führen können, ist klar. Gerade für Menschen, die zu stolz sind, etwas anzunehmen und unfähig sind,allein zu wohnen. Dennoch, meine Erfahrungen zeigen, dass übermäßiger Alkohohlkonsum überwiegend mit der Lebenssituation einhergeht. So entspricht dem Stolz dann das Selbstmitleid verbunden mit der Betäubung, um das alles auszuhalten. In den Heimen wird man beklaut, und betrunken kann man das gar nicht verhindern. Und eine Selbstorganisation untereinander ist in diesem Fall auch nicht möglich.
Man muss diesen Menschen helfen, aber wenn das längerfristigen Sinn haben soll, darf man das Problem Alkoholismus nicht ausblenden.
Warum Obdachlos?
Wegen mangelnden Geldes?
Wegen Wohnungsnot?
Weder noch. Wohnungen gibt es genug und das Geld für die Miete und den Lebensunterhalt bekommt J E D E R !!!!!!! vom Amt, falls bedürfig. Warum also obdachlos? Weil diese Menschen entweder drogenkrank und/oder pyschisch krank sind. Hier sollte man ansetzen und sich fragen, warum den Leuten in ihren spezifischen Situationen nicht angemessener geholfen werden kann, anstatt mutmaßlich mal wieder "Wallraff-mäßig" sterotyp den Kapitalismus anzuklagen. Beziehungsweise muss man sich fragen, inwieweit man jemanden helfen kann, wenn er sich ggf. nicht helfen lassen will.
---
man könnte auch fragen: Welchen Anteil hat die Gesellschaft an der Situation dieser Menschen? Oder finden sie diese Gesellschaft so großartig, dass sie sich nichts vorzuwerfen hat? Ich denke da auch an die Verteilung des Reichtums in dieser Gesellschaft!
Nicht weil so viele Berliner sozial abrutschen, sondern weil anscheinend für Obdachlose aus ganz Deutschland das Leben in Berlin (einer armen Stadt) und hier besonders in Kreuzberg (selbst für Berlin noch ein ärmerer Bezirk) am erträglichsten ist. In den U-Bahnen wird man auf einer Fahrt mitunter 3mal wegen Spenden oder Obdachlosenzeitungskauf angesprochen oder ob man will oder nicht mit Musik beschallt. Das alles besonders dort, wo die ärmsten Berliner (darunter viele Studenten) leben, die sind dann doch die mitfühlendsten.
Allerdings sehe ich die Obdachlosen sehr kritisch.
- Punks und ähnliche sehen das Leben vom Betteln als alternative Lebensführung. Die haben keine Lust zu arbeiten und meinen auch so über die Runden zu kommen - nun ja, nicht von meinem Geld!
- Drogensüchtige, die sich mit dem lukrativen Verkauf von Straßenzeitungen (1 EUR Gewinn pro Verkauf) den nächsten Schuß setzen und außer an Drogen weder an Ernährung noch an Wohnen denken (durch deren Hände geht vermutlich ein mehrfaches an Geld pro Monat als durch meine, nur eben für Drogen).
- hilflose, selbstmitleidige und störrische Menschen, die aufgegeben haben und ihr Leid im Alkoholismus ertzränken.
- ganz selten mal einer (vermutlich unter 2%) der wirklich nicht weiß wie man Geld vom Sozialamt beantragen kann.
Nur für die letzten beiden Gruppen gilt meine Sympathie. Alkohol-Obdachlosen kann man eigentlich nur durch Einweisung helfen. Die sind einfach nicht mehr zurechnungsfähig. Es kann nicht erwartet werden, dass die einzelnen Bürger (zB die Ärmeren unter den armen Berlinern) die Unkooperativität dieser Personen gegenüber den tatsächlich vorhandenen staatlichen Hilfsstellen ausgleichen müssen.
Wie gesagt es ist kein finanzielles Problem, sondern ein psychisches. Daher sind die Aussagen Walraffs fehldeutend und zwecklos.
Nicht J E D E R bekommt automatisch diese Hilfe. Um Alg 2 zu bekommen, muss man die strengen Auflagen der ARGE erfüllen. Wenn man dies nicht tut, werden die Zuwendungen gestrichen und man steht ggf. auf der Straße.
Ich habe neulich einen Bericht über einen Fall gesehen, dort wurden einem ca. 50jährigen Legastheniker die Alg 2 Zuwendungen gestrichen, weil er keine Bewerbungen geschrieben hat. Er wurde deshalb obdachlos.
Warum Obdachlos? So z.B.: ein Freund von mir hatte Streit mit seinem
Großvater welcher ihn kurzerhand von der Polizei des Hauses verwiesen
lies - schuldlos, nebenbei erwähnt.
So stand der arme Kerl ohne alles auf der Straße, er durfte nicht mal
Bekleidung oder ähnliches mitnehmen, mit ganzen 20€ "auf Tasche".
Hilfestellung seitens der Ämter? Guter Witz. Obdachlosenheim? Ein
noch besserer. Hätte sich mein Bruder seiner nicht erbarmt und ihm bei
der Wohnungssuche geholfen wäre er wohl völlig abgerutscht, er war so
...wütend... fassungslos... verzweifelt...
man könnte auch fragen: Welchen Anteil hat die Gesellschaft an der Situation dieser Menschen? Oder finden sie diese Gesellschaft so großartig, dass sie sich nichts vorzuwerfen hat? Ich denke da auch an die Verteilung des Reichtums in dieser Gesellschaft!
Nicht weil so viele Berliner sozial abrutschen, sondern weil anscheinend für Obdachlose aus ganz Deutschland das Leben in Berlin (einer armen Stadt) und hier besonders in Kreuzberg (selbst für Berlin noch ein ärmerer Bezirk) am erträglichsten ist. In den U-Bahnen wird man auf einer Fahrt mitunter 3mal wegen Spenden oder Obdachlosenzeitungskauf angesprochen oder ob man will oder nicht mit Musik beschallt. Das alles besonders dort, wo die ärmsten Berliner (darunter viele Studenten) leben, die sind dann doch die mitfühlendsten.
Allerdings sehe ich die Obdachlosen sehr kritisch.
- Punks und ähnliche sehen das Leben vom Betteln als alternative Lebensführung. Die haben keine Lust zu arbeiten und meinen auch so über die Runden zu kommen - nun ja, nicht von meinem Geld!
- Drogensüchtige, die sich mit dem lukrativen Verkauf von Straßenzeitungen (1 EUR Gewinn pro Verkauf) den nächsten Schuß setzen und außer an Drogen weder an Ernährung noch an Wohnen denken (durch deren Hände geht vermutlich ein mehrfaches an Geld pro Monat als durch meine, nur eben für Drogen).
- hilflose, selbstmitleidige und störrische Menschen, die aufgegeben haben und ihr Leid im Alkoholismus ertzränken.
- ganz selten mal einer (vermutlich unter 2%) der wirklich nicht weiß wie man Geld vom Sozialamt beantragen kann.
Nur für die letzten beiden Gruppen gilt meine Sympathie. Alkohol-Obdachlosen kann man eigentlich nur durch Einweisung helfen. Die sind einfach nicht mehr zurechnungsfähig. Es kann nicht erwartet werden, dass die einzelnen Bürger (zB die Ärmeren unter den armen Berlinern) die Unkooperativität dieser Personen gegenüber den tatsächlich vorhandenen staatlichen Hilfsstellen ausgleichen müssen.
Wie gesagt es ist kein finanzielles Problem, sondern ein psychisches. Daher sind die Aussagen Walraffs fehldeutend und zwecklos.
Nicht J E D E R bekommt automatisch diese Hilfe. Um Alg 2 zu bekommen, muss man die strengen Auflagen der ARGE erfüllen. Wenn man dies nicht tut, werden die Zuwendungen gestrichen und man steht ggf. auf der Straße.
Ich habe neulich einen Bericht über einen Fall gesehen, dort wurden einem ca. 50jährigen Legastheniker die Alg 2 Zuwendungen gestrichen, weil er keine Bewerbungen geschrieben hat. Er wurde deshalb obdachlos.
Warum Obdachlos? So z.B.: ein Freund von mir hatte Streit mit seinem
Großvater welcher ihn kurzerhand von der Polizei des Hauses verwiesen
lies - schuldlos, nebenbei erwähnt.
So stand der arme Kerl ohne alles auf der Straße, er durfte nicht mal
Bekleidung oder ähnliches mitnehmen, mit ganzen 20€ "auf Tasche".
Hilfestellung seitens der Ämter? Guter Witz. Obdachlosenheim? Ein
noch besserer. Hätte sich mein Bruder seiner nicht erbarmt und ihm bei
der Wohnungssuche geholfen wäre er wohl völlig abgerutscht, er war so
...wütend... fassungslos... verzweifelt...
man könnte auch fragen: Welchen Anteil hat die Gesellschaft an der Situation dieser Menschen? Oder finden sie diese Gesellschaft so großartig, dass sie sich nichts vorzuwerfen hat? Ich denke da auch an die Verteilung des Reichtums in dieser Gesellschaft!
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