Pius-Brüder Wie Williamson Europa eint

Eigentlich kann man den Holocaust-Leugner als Spinner abtun. Dennoch tut die EU gut daran, gegen Williamson vorzugehen. Der Fall rührt an die Grundfesten ihrer Identität

Bischof Richard Williamson bei seiner Ankunft in England. Argentinien hatte den Holocaust-Leugner des Landes verwiesen

Bischof Richard Williamson bei seiner Ankunft in England. Argentinien hatte den Holocaust-Leugner des Landes verwiesen

Hat die EU nichts Besseres zu tun, als sich mit Herrn Williamson zu beschäftigen? Muss die tschechische Ratspräsidentschaft sich nun auch noch mit dem rechtsradikalen Spinner befassen?

Ja, sie muss. Es geht in der Auseinandersetzung mit dem Bischof der umstrittenen Pius-Bruderschaft nicht um die Person Williamson allein. Der Diskurs, der sich an ihm entzündet, dient vielmehr der Selbstvergewisserung unserer Gesellschaft. In der Abwehr der einen Person bestätigen sich grundlegende Gewissheiten und Werte unseres Zusammenlebens, die wir nicht verletzt sehen wollen: Ja, es gab den Holocaust. Nein, niemals wieder dürfen Menschenrechte und Menschenwürde verletzt werden. Ja, deshalb wehren wir uns gegen jede Art von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

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Die Diskussion ist keine neue, nur das Etikett ändert sich. Früher hieß es "Irving" nach dem britischen Holocaust-Leugner David Irving. Jetzt heißt es "Williamson". Dass die Debatte wieder an Gewicht gewonnen hat, verschuldete Benedikt XVI. Indem der Papst die Exkommunikation der Pius-Brüder zurücknahm und mit ihnen Bischof Williamson frei sprach, brachte er mehrere Millionen Menschen in Europa in einen gefährlichen Zwiespalt: Die Kerne der kirchlichen und gesellschaftlichen Identität verschoben sich in kaum vermittelbarer Weise gegeneinander.

Im besten Fall führt die Diskussion zu einem neuen gemeinsamen europäischen Grundverständnis dessen, wie wir zusammenleben wollen. Das ist bitter nötig: In Großbritannien stärkt die Wirtschaftskrise die extremen Nationalisten; in Ungarn machen Rassisten regelrecht Jagd auf Roma, Ähnliches geschieht in Tschechien; in Dresden marschierten Neonazis zum "Trauermarsch" auf; in Nordfrankreich schändeten Rechtsextreme muslimische Gräber. In vielen europäischen Ländern gewinnen rechtsradikale Parteien und politische Bewegungen an Stärke.

Deshalb bewegt uns der Fall Williamson. Die heftigen Reaktionen beweisen, dass der Schrecken über den Holocaust tief in uns sitzt, weil er letztlich nicht zu bewältigen ist. Zugleich aber zeigt sich, dass sich ein breiter Konsens darüber gebildet hat, die Schoah als bestimmenden Teil unserer Geschichte anzunehmen.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Pfff

    Jetzt gehts aber los hier mit der Panikmache. Überall Übergriffe, überall Terror, jaja, alles klar... Glaube der Typ guckt zu viel Fernsehen.

    Wenn die EU sich mit der Sache befasst, ist es für mich z.B. noch ein Grund mehr gegen die EU zu sein. Vielleicht kommts bald zum Referendum, dann landet das Ding dort wo es hingehört, nämlich in den Papierkorb.

  2. Ich verbinde mit den Aussagen von Williamson weder Rassismus noch andere Ausländerfeindliche resentiments... Ich denke, jemand ist entweder gegen, mit, oder für Ausländer und alles Fremde... Was aber niemanden davon abhalten sollte sich die eigene Kritikfähigkeit zu bewahren.

    Was mich bei der ganzen Angelegenheit wirklich bewegt bzw. interessiert ist, der lange Arm der rund um den Globus hinter dieser Person her ist...

    Es gibt für mich keinen Grund das sich nun Heerscharen an Juristen und Politikern und anderen Wortergreifern weiterhin um diesen Herrn bemühen. Ist es hier nicht so wie bei vielen anderen Themen auch, das diese uns oft erst dann interessieren wenn die mediale resonanz nur gross genug ist?

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  3. 3. *lol*

    "Der Fall rührt an die Grundfesten ihrer (der EU) Identität"

    Kann man es besser ausdrücken? Die Grundfesten der EU:

    - nicht hinterfragen

    - Hinterfragen auch nicht zulassen

    - Hinterfrager und Abweichler als unwissende Spinner abkanzeln

    - von den wirklichen Problemen ablenken

  4. Das ist ja zum Totlachen. Vor ein paar Wochen hat vermutlich auch die Zeit nicht von der Piusbruderschaft gewußt und auf einmal ist Williamson verantwortlich für die NPD, die Gewalt in Griechenland, al Quaida, Bankenkrise....und erschüttert die EU im Innersten. Wenn ein anständiger Sozialdemokrat einen anderen Holokaustleugner besucht, der aus seinem Haß auf die Juden keinen Hehl macht, dient das vermutlich dem Austausch der Kulturen und geht nicht gegen die "Werte" de EU:

    • Jenli
    • 27.02.2009 um 16:26 Uhr

    Wenn es um den beknackten Holocaust-Leugner Williamson geht, kriegen sich die Deutschen gar nicht mehr ein, über die Leugnung des Holocaust und treiben die "arme Sau" nun schon seit Wochen durch's deutsche Dorf. Wenn es aber um den Holocaust-Leugner, Hisbollah- und Hamas-Finanzierer, Atombombenbauer und möglichen Israel-Angreifer Mahmud Achmadineschad geht, ist es mit dem aufklärerischen Mut schnell vorbei. Stattdessen machen die Deutschen gute Geschäfte mit dem Mann, und der deutsche Exbundeskanzler Schröder sitzt bei ihm zu Kaffee und Kuchen auf dem Sofa. Wie sieht es denn dabei mit der "Wurzel des europäischen Selbstverständnisses" aus?

    Zur deutschen Exportwirtschaft und ihrem Verhältnis zum Holocaust-leugnenden iranischen Präsidenten gibt's hier noch ein paar Informationen:

    http://politbuero.blog.de...

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    Auch Rabbi Benjamin Bleech behauptet in "The Secret Of Hebrew Words", daß schon in der hebräischen Bibel das Verschwinden von 6 Millionen Juden in Zusammenhang mit der Gründung Israels kabbalistisch verschlüsselt aufgeschrieben steht.

    Da bereits nach dem 1. Weltkrieg mit der Errichtung Israels gerechnet wurde, hat der Ex-US-Senator Glynn, bereits am 31.10.1919 laut "The American Hebrew", New York, 6 Millionen Juden sterben sehen. Er nannte dieses Geschehen "Holocaust".
    http://de.wikipedia.org/w...
    _______________________________________________________
    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

    Auch Rabbi Benjamin Bleech behauptet in "The Secret Of Hebrew Words", daß schon in der hebräischen Bibel das Verschwinden von 6 Millionen Juden in Zusammenhang mit der Gründung Israels kabbalistisch verschlüsselt aufgeschrieben steht.

    Da bereits nach dem 1. Weltkrieg mit der Errichtung Israels gerechnet wurde, hat der Ex-US-Senator Glynn, bereits am 31.10.1919 laut "The American Hebrew", New York, 6 Millionen Juden sterben sehen. Er nannte dieses Geschehen "Holocaust".
    http://de.wikipedia.org/w...
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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

  5. ich frage mich :

    warum würde diese Äußerung nicht unter Meinungsfreiheit etabliert?

    noch eine frage:

    wenn Herr Williamson andere Religion z.B den Islam od. Buddhismus beschimpft hat, hätten wir diesen Medien Orkan gesehen?

    Vorschlag

    vielleicht soll der Herr Williamson seine meinung als Karikatur malen.so weit ich weiß die Karikaturen sind unter Schutz der Meinungsfreiheit ;-)

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    Nein, ist nicht medienwirksam.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

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  6. Nein, ist nicht medienwirksam.

    Gruß, Bernd
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  7. Ich bin nach dem Krieg und der fürchterlichen Katastrophe der Judenvernichtung geboren.Insofern trage ich die Last der Generationen vorher. Wir sollten Holocaustverleugnern keine Chance mehr geben.Es ist bedauerlicherweise passiert und daher bringt Leugnen nichts.Wir sollten uns daran messen lassen , wie wir uns heute verhalten. Anläßlich eines Vortrages bei der Bundeswehr hat Ralph Giordano genau dieses gesagt.Die Schuld kann man nicht erben , aber die Verhaltensweise zu kopieren ist verwerflich und daher muß dagegen angegangen werden.Insofern darf einem Holocaustgegner kein Forum geboten werden .Dann werden wir hoffentlich irgendwann akzeptieren , was passiert ist und dafür sorgen , daß es nicht wiederholt wird.

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    .... die Medien. Die Überschrift des Artikels an sich ist schon makaber. Ein Holocaustleugner eint Europa.

    Gruß, Bernd
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    .... die Medien. Die Überschrift des Artikels an sich ist schon makaber. Ein Holocaustleugner eint Europa.

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