Die Versteigerung der großartigen Privatsammlung von Yves Saint Laurent und seinem Lebenspartner Pierre Bergé erzielte in der vergangenen Woche einen Rekordpreis nach dem anderen. Am Ende stand der unglaubliche Erlös von mehr als 300 Millionen Euro. Auch zwei chinesische Bronzefiguren, ein Ratten- und ein Kaninchenkopf, die vor 150 Jahren von französischen und britischen Truppen während der Plünderung des Sommerpalasts in Peking geraubt worden waren, gingen für mehr als das Anderthalbfache ihres Schätzpreises weg. Doch der chinesische Bieter hat jetzt erklärt, dass er die 31 Millionen Euro nicht zahlen wird. Was tut ein Auktionshaus in diesem Fall? Ein Interview mit Markus Eisenbeis, Geschäftsführer des Kölner Auktionshauses Van Ham.

ZEIT ONLINE: In Paris erklärte sich nach Abschluss der Auktion ein Käufer für zahlungsunfähig. Was tut ein Auktionshaus in einem solchen Fall?

Markus Eisenbeis: Zahlungsunfähig oder zahlungsunwillig - hier scheint eher das die Frage zu sein. Denn um für ein solches Los mitzusteigern, prüft das Auktionshaus die Bieter vorab auf ihre Bonität.

ZEIT ONLINE: Wie das?

Eisenbeis: Es ist natürlich eine äußerst sensible Angelegenheit – schließlich möchte man keinen potenziellen Käufer verschrecken. Doch das Auktionshaus kann beispielsweise darum bitten, dass die Schätzsumme auf einem Konto hinterlegt wird. Oder es wird eine Bankgarantie verlangt. Klar ist: Auf einer derart hochkarätigen Auktion wie in Paris gibt es nicht beliebig viele Menschen, die mitbieten können. Auch der besagte Käufer muss eigentlich schon einmal auffällig geworden sein.

ZEIT ONLINE: Gibt es darüber Daten?

Eisenbeis: Jedes Auktionshaus führt eine Datenbank. Und man kann sich auch schon mal bei den Kollegen über einen bestimmten Kunden erkundigen, schließlich haben wir alle das gemeinsame Interesse, uns vor schlechten Zahlern zu schützen. Im Falle von Christie’s kann das nur Sotheby’s sein.

ZEIT ONLINE: Im Fall des Bieters für die chinesischen Tierköpfe hat die Überprüfung offenbar nicht funktioniert.

Eisenbeis: Alle Daten, die ich abfrage, haben ein Problem: Sie sind historisch. Wer weiß also, ob der Käufer, der noch vor wenigen Monaten liquide war, jetzt nicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist? Das ist gerade in Krisenzeiten ein Problem. Im Fall des Chinesen vermute ich jedoch ein politisches Statement.