Einsturz des Stadtarchivs Kölns Bürgermeister stellt U-Bahn-Bau in Frage

Als Ursache für Einsturz des Stadtarchivs werden Bauarbeiten immer wahrscheinlicher. Die Bergung gestaltet sich schwierig, das Gelände ist sehr instabil

Weitere Häuser sind stark einsturzgefährdet, sagte der Direktor der Kölner Feuerwehr, Stefan Neuhoff, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. In der benachbarten Baugrube für die U-Bahn-Erweiterung sei eine Öffnung entstanden. In diese Öffnung sei Erde nachgerutscht, und dadurch sei dem Historischen Archiv praktisch der Boden entzogen worden und das Gebäude sei noch vorne in die Grube gekippt.

Nach Polizeiangaben werden noch zwei Menschen vermisst. "Wir können keine schnelle Rettung sichern", sagte Stadtdirektor Guido Kahlen. Die schwierige, sehr instabilen Lage im Umfeld des Einsturzortes mache die Situation sehr kompliziert. "Wir können nur hoffen, dass sich diese zwei Personen nicht auf diesem Grundstück aufgehalten haben", sagte Kahlen. Am Dienstagabend waren noch neun Menschen vermisst worden, einige meldeten sich jedoch später.

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Eberhard Illner, ein langjähriger Abteilungsleiter in dem Archiv sprach im Deutschlandradio Kultur von einer "absehbaren Katastrophe". Es sei "grob fahrlässig" gehandelt worden. Eine langjährige Mitarbeiterin des Archivs ergänzte: "Wir hatten laufend Wasserschäden." Die Kölner Verkehrsbetriebe hätten jedoch nie zugegeben, dass diese Schäden auf die Bauarbeiten zur Erweiterung der U-Bahn zurückgingen.

Der Projektleiter der Kölner Verkehrsbetriebe, Rolf Papst, sagte, die Tunnelarbeiten am Unglücksort seien schon seit über einem Jahr beendet. Stadtdirektor Guido Kahlen sagte, Mitte 2007 habe ein Sachverständigenbüro in einem Gutachten attestiert, dass die im Gebäude aufgetretenen Risse die Statik nicht beeinträchtigten. Im Dezember 2008 habe dies ein Statiker bestätigt. "Nach jetzigem Stand waren die damals festgestellten Schäden nicht ursächlich für das Unglück", sagte Kahlen.

Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) stellte den Weiterbau der neuen U-Bahn-Linie unter der Altstadt infrage. "Ich halte das eigentlich jetzt fast für unverantwortlich", sagte Schramma im ARD-Morgenmagazin . Es müsse grundsätzlich geprüft werden, ob man in Zukunft in bewohnten Städten U-Bahn-Bauten in einem solchen Ausmaß durchführen könne und solle. "Es ist ja nicht das einzige Haus, das Risse zeigt und das Schäden zeigt." Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Baugefährdung und der fahrlässigen Körperverletzung.

In der Nacht waren die Rettungskräfte damit beschäftigt, das weitere Absacken des Bodens unter dem Trümmerberg zu verhindern. Die Arbeit ist schwierig, weil das Gebiet teilweise einsturzgefährdet ist. Unter der Unglücksstelle befinde sich ein Hohlraum, sagte der Chef der Kölner Feuerwehr. Dieser Trichter gehöre zu einem Gleiswechselbauwerk, das für die in der Gegend im Bau befindliche U-Bahn angelegt wurde.

Leser-Kommentare
  1. Also ich habe den Feuerwehrsprecher so verstanden, daß zuerst das wichtige Archivgut geborgen werden muß, bevor es Möglichkeiten gibt, nach Opfern und Verletzten zu suchen. Das ist allerdings Allerhand
    Letztlich wird niemand Schuld sein, -höhere Gewalt! menschliches Versagen? -völlig ausgeschlossen! Und das alles kurz nach Aschermittwoch? Muß man sich nicht wundern? Warum versteht keiner, die Zeichen zu deuten? Ist künftig mit weiteren "Einwirkungen" zu rechnen? Ich bin zwar kein Christ, aber meine Befürchtungen richten sich auf den Dom.
    Himmel hilf, das Ende naht.
    Schon der alte Goethe sagte:
    "Alles was geschieht ist Symbol, und indem es vollkommen sich selbst darstellt, deutet es auf das Übrige."

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