Amoklauf : Jugendlicher tötet 15 Menschen

Eine Region im Ausnahmezustand: Ein Amokläufer hat in Winnenden nahe Stuttgart mehr als ein Dutzend Menschen erschossen. Der 17-Jährige tötete sich dann auf der Flucht

Beim Amoklauf in der Albertville-Realschule im baden-württembergischen Winnenden sind nach Polizeiangaben 16 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen der Täter selbst. Damit starben neben dem Schützen neun Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren, drei Lehrkräfte sowie drei Passanten ums Leben. Zwischenzeitlich war von einem weiteren Opfer die Rede gewesen.

Der Täter kam während eines Schusswechsels auf der Flucht ums Leben. Er hatte einen Autofahrer als Geisel genommen und ihn gezwungen, bis ins 20 Kilometer entfernte Wendlingen zu fahren. Dort hat er den Autofahrer gezwungen auszusteigen und ist dann allein weiter bis zu einem Industriegebiet gefahren. Dort erschoss er in einem Autohaus zwei weitere Passanten und lieferte er sich einen Schusswechsel mit der Polizei. Dabei wurden zwei Polizisten schwer verletzt. Nachdem er selbst am Bein getroffen wurde, schoss Tim K. sich selbst in den Kopf.

Gegen 9.30 Uhr war der Junge in einem schwarzen Tarnanzug in die Schule gegangen und hatte sowohl im Gebäude als auch auf dem Schulhof mit einer Schusswaffe der italienischen Marke Beretta wahllos um sich geschossen. Danach floh er in Richtung Innenstadt. Zuvor soll er auf dem Gelände einer angrenzenden Psychiatrischen Klinik erneut das Feuer eröffnet und einen Gärtner erschossen haben. "Ich habe sechs bis sieben Schüsse gehört. Ich durfte meine Station nicht mehr verlassen", sagte eine Mitarbeiterin.

Google Maps: Albertville-Realschule in Winnenden

Auch Stunden nach der Tat ist der Tatort, die Albertville-Realschule, abgeriegelt. Gerichtsmediziner und Experten der Kriminaltechnik untersuchen den Tatort und sichern die Spuren. Vor der Schule stehen noch ein Dutzend Polizeifahrzeuge und Fahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes. Hubschrauber kreisten in der Luft.

Die Schule mit rund 580 Schülern war am Morgen umgehend evakuiert und das Schulgelände weiträumig abgesperrt worden. Schüler und Lehrer werden von Ärzten, Psychologen und Hilfskräften betreut. Viele Schüler seien während des Amoklaufs in die Halle eines Schwimmbades in Sicherheit gebracht worden oder hätten sich in ihren Klassenzimmern eingeschlossen.

Der Todesschütze ist ein 17-jähriger ehemaliger Schüler, der die Realschule mit einem Abschluss verlassen und dann eine Ausbildung begonnen hat. Sein Motiv ist unklar. Laut Schulleiterin sei er ein völlig unauffälliger Schüler gewesen. Die Polizei hat das Elternhaus des Schülers durchsucht. Offenbar entnahm er die Tatwaffe aus dem legalen Waffenarsenal seines Vaters, eines wohlhabenden Unternehmers. Dieser bewahrte 16 Waffen bei sich zu Hause auf, bis auf die Tatwaffe waren sie alle in einem Waffenschrank verstaut gewesen. Die Beretta lag im Elternschlafzimmer.

Am Abend gedachten in Winnenden die Besucher eines ökumenischen Trauergottesdienstes der Opfer. Der Bund ordnene für Donnerstag Trauerbeflaggung an öffentlichen Gebäuden an. 

Die Bluttat ruft Erinnerungen an den Amoklauf von Erfurt wach: Am 26. April 2002 hatte ein ehemaliger Schüler des Gutenberg-Gymnasiums innerhalb weniger Minuten 16 Menschen und dann sich selbst erschossen.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

258 Kommentare Seite 1 von 30
Der Kommentarbereich dieses Artikels ist geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Und schwuppdiwupp hat die Union

...ihr langersehntes Wahlk(r)ampfthema gefunden: Amokläufer und das Verbot von Killerspielen. Ich wette: da war mal wieder Counter-Strike o.ä. im Spiel. Und die Unionslautsprecher von "Recht und Ordnung" werden laut palavern und tönen.

Meine Aufforderung an alle: Schaut einmal genau nach, was für Textbücher in den kommenden Tagen und Wochen benutzt werden - und schaut genau nach, wer sie wann zum letzten Mal heraus geholt hat. Vermutlich wird sich heraus stellen, dass von alldem, was man seit den Amokläufen von Erfurt und Emsdetten angekündigt hat, nichts umgesetzt wurde.

Analyse zu seiner Zeit

Sehr geehrter Sünnerklaas,
vielleicht sollten wir ob der Situation und vermutlich mehreren Toten eine solche Analyse auf den Moment verschieben, wo tatsächlich derartige Forderungen erhoben werden.
Mit freundlichen Grüßen,

Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

nee, gerade nicht.

Das bemerkenswerte ist doch, das gerade der brutalstmögliche Koch und andere "konservative" Konsorten, bei solchen Anlässen immer wieder dieselben nutzlosen alten Kamellen aus der Tasche ziehen.
Klar, dass die Aussage von Sünnerklass ("Puh, CDU/CSU, Wahlkampf ist gerettet, nochmal Glück gehabt, jetzt kann Opel in Ruhe Pleite gehen" - leicht verkürzt ausgedrückt ;) zynisch klingt, die wahren Zyniker sind aber genau die Politiker die jetzt wieder aus Ihren Löchern kommen werden (so sicher wie das Amen in der Kirche), und Ihre Fähnlein schwenken.

Gruss
Mattes

PS.: Mein Beileid den Opfern und Angehörigen.

Lieber Johannes Kuhn,

genau diesen pointierten Beitrag habe ich so schnell wie möglich geschrieben, weil man wirklich kein großer Prophet sein muss, dass da schon in den nächsten Stunden ein ekelerregendes Kasperletheater beginnen wird, weil nicht wenige politische Kräfte - insbesondere die Verfechter von "Law and order" - beginnen werden, auf der Tragödie ihr eigenes politisches Süppchen zu kochen. So eine Tragödie lenkt ab von eigentlichen Problemen (etwa der Opel-Pleite oder dem drohenden Zusammenbruch der Hypo-real-Estate), vom eigenen realpolitischen Versagen. Kriminalität macht Stimmung, da kann man sein eigenes politisches Profil schärfen. sex&crime sind ja immer noch Verkaufsschlager. Und bis auf Günther Beckstein sind ja alle Law-and-Order-Verfechter immer noch im Amt und es stehen Wahlen an...

noch vor der Unfassbarkeit dieser Tat stehend, mischt sich meinerseits sofort Wut in mein Gefühl. Die Kommentatoren vor mir haben etwas scharfe Worte gewählt, haben aber Recht.

Ich weiß aus eigener - sehr naher Erfahrung (tödliche Messerattacke auf eine Lehrerin am Franziskaneum in Meißen; 2 meiner Kinder gingen auf diese Schule), daß von solchen Anlässen die in der Öffentlichkeit stehenden Personen geradezu angezogen werden. Man überschlägt sich mit Beileidsbekundungen und und Forderungen. In Meißen brüstete sich damals vor allem der Kultusminister. Was ist geblieben :
- ein Raum zum Rückzug für die Schüler (ich kann nicht sagen, ob dieser jetzt noch vorhanden ist).

Die Tat ist unfassbar.

Schämen Sie sich!

Wie können Sie eine solche Katastrophe politisch missbrauchen?

Wenn es Ihnen nicht gefällt, dass "konservative Konsorten" die Zusammenhänge zwischen Gewalt als Entertainment und tatsächlich stattfindender Gewalt aufzeigen, dann finden Sie bitte sachliche Argumente für Ihren Standpunkt.

Nun sollten wir erst einmal abwarten, was über die Person und die Psychologie des Täters bekannt wird.

Der, wie Sie es nennen,...

...politische Missbrauch dieses schrecklichen Geschehens findet nicht bei den Kommentatoren statt, sondern bei den handelnden Politikern der Parteien.

Sie werden es noch heute erleben dürfen...mit anzunehmendem Steigerungspotential in den nächsten Tagen..., dass eine ganze Reihe mehr oder weniger namhafter Politiker aus dieser Schreckenstat Kapital schlagen werden.

Es braucht auch nicht allzuviel Phantasie um sich vorzustellen, aus welcher politischen Richtung die schärfsten Töne kommen werden.

Leider.

Die Opfer, ihre Eltern, Verwandte und Freunde, ebenso wie alle betroffenen Schüler und Lehrer geben aus der Sicht dieser "Schaufensterredner" lediglich eine willkommene Kulisse.

Politiker müssen handeln

Ich schließe mich eher denjenigen an, die Killerspiele verbieten wollen, als denjenigen, die daran verdienen und daher um sich schlagen, sobald an dieser fragwürdigen Form der Unterhaltung Kritik laut wird.
Aber Reden allein bringt nichts. Eine Gesellschaft, die durch Entchristlichung, Zuwanderung, Popkultur, destruktive Musik, Plastik-Ästhetik und viele andere Faktoren verroht und zerfällt, wundert sich über sich selbst, will aber das Ausmaß der Zerstörung nicht wirklich erkennen. Es ist, als lebe man in einer Wohnung mit einer Wald-Fototapete, während der Wald, der früher ringsum stand, abgeholzt oder verdorrt ist.
Was tun? Sollen wir nun alle Schulen im Land zu Hochsicherheitstrakten machen? Wollen wir das?

Sicher - Politiker müssen handeln...

...ob sie es denn auch tun, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Schon in ein paar Wochen sind die Toten aus dem Ländle vergessen - allerspätestens dann, wenn - wie es der Bimbeskanzler Kohl (Ehrenwort!) einmal in anderem Zusammenhang sehr treffend ausdrückte - eine neue politische Sau durchs Dorf gejagt wird.

In der Regel verfällt man nach lautstarkem populistischem Gebrüll in eine seltsame Agonie - man weiss nicht so genau, woher sie kommt; man räkelt sich behaglich, schließlich hat man medienwirksam mal so ordentlich auf den Putz gehauen. Und dann? Dann macht man eines: nämlich nichts.

Und wer's nicht glauben will, dem empfehle ich ganz einfach, sich die Online-Archive der WELT, des Hamburger Abendblatts, des Spiegels oder eben der ZEIT einmal genauer zu dem Thema zu Gemüte zu führen und zu sehen, was nach Erfurt oder Emsdetten die Allgemeinverdächtigen lautstark von sich gegeben haben. Vermutlich sind heute abend, spätestens morgen mittag alle alten Textbücher wieder ausgegraben...

Sind Killerspiele schuld?

Wirklich wieder eine “unfassbare” Tat…

Ist das wirklich unser Schicksal??

Unsere Jugend verliert immer häufiger ihre Nerven und damit ihre ordentlichen “Benimm-Strukturen”

Früher dachte ich auch, all die Gewaltspiele und die ganzen Filme wären daran schuld..

Doch heute sehe ich das ganze wesentlich komplexer..

Kann es sein, das in Wahrheit unsere eigene Jugend inzwischen so sehr mit Informationen vollgestopft werden, das sie mit ihre eigenen Daten- und Denkverarbeitungs-Routinen im Gehirn nicht mehr nachkommen??

Die Wissenschaft behauptet ja immer, das Gehirn könne unendliche Mengen an Informationen hineinstopfen. Doch vergisst sie ganz lapidar einen wichtigen Fakt…

Ein Gehirn kann nur eine bestimmte Datenmenge abarbeiten.. (Abarbeiten bedeutet, die aufgenommenen Informationen SO zu verklauben, das sie ordnungsgemäß im Gedächtnis abgespeichert werden können und in den richtigen Zusammenhängen zueinander in Beziehung gestellt werden können)

Das Problem ist nämlich, Je mehr Informationen in kürzester Zeit in den Kopf gestopft wird, um so schlampiger werden all die aufgenommenen Informationen entsprechend auch im Gehirn abgelegt!!!

Dies führt unausweichlich zu geistigen “Fehlsichtigkeiten”, welche sich durch entsprechende emotionale Fehlbewertungen noch verstärkt..(soll heißen, das ein Sachverhalt dann schlimmer oder besser in der Begrifflichkeit dargestellt wird, als sie in Wahrheit ist, was zu eklatanten Fehleinschätzungen und deren entsprechend daraus resultierenden Fehl-Verhalten führt)

Daher kann ich all euch Erwachsenen nur bitten, sorgt Bitte Bitte dafür, das eure Jungen nicht ständig mit Informationen überfüttert werden(sei es jetzt in der Schule oder auch Privat durch die ständige und inzwischen rund um die Uhr andauernde Dauerberieselung all der Informationskanäle..

Ein Gehirn kann nur einen bestimmten Datendurchsatz/ bestimmter Zeiteinheit bewältigen!!

Natürlich ist das wiederum bei jedem individuell gestaltet, doch JEDER besitzt eine Untergrenze, an der sich der Geist tödlich langweilt, und eine Obergrenze, an denen sich der geist hoffnungslos überfordert und nicht mehr in der Lage ist, vernünftig zu denken, geschweige denn erst recht, vernünftige Entscheidungen zu treffen…

Daher diese Bitte…

Lasst eure Kinder nicht im Regen stehen…

Lasst ihnen Zeit, beim verstehen…

Inzwischen stehlen wir doch unseren Kindern die gesamte Kindheit, weil wir Alten immer mehr denken, unsere Kinder zu Intelligenzbestien formen zu müssen…

Doch das ist leider falsch!!!

Der Mensch ist noch immer ein fühlendes Wesen, und wer glaubt, deren Gefühle durch Informationsüberflutung(das nennt sich dann WISSEN) unter Kontrolle zu halten, der weiß anscheinend nicht, WAS Gefühle überhaupt sind…

Gefühle sind die emotionalen Aspekte eines jeglichen Sachverhaltes…

SIE beschreiben zu jeder Information, ob diese entsprechend gut, schlecht, bedrohlich, harmlos sinnvoll oder auch als Quatsch einzustufen ist..

Die emotionale Sprache ist also letztendlich nur ein erweiterter “Wortschatz” einer ohnehin schon bestehenden Situation und hilft nur, die entsprechenden Wichtigkeiten der einen oder anderen Information zu beschreiben!!

Eine Information ist solange nicht wirklich etwas wert, solange dieser Information keine Bedeutung zugewiesen werden kann.

Ich hoffe, das sich die Verantwortlichen in der Politik, in den Kultusministerien und in den Medienkonzernen mal damit beschäftigen, damit in Zukunft mehr Augenmerk auf die Art und Weise geworfen werden, wie Informationen in Zukunft verpackt werden sollten..

Je reisserischer eine Nachricht rüberkommt, um so schlimmer sind die emotionalen Folgen, die damit in den konsumierenden Menschenmassen ausgelöst werden…

Immerhin wird über die Medien ein einzelnen “Buh” in millionenfacher Ausführung gedruckt und an die Volksmeinung weitergegeben..

(wer es wissen will, bitte hier lang…

http://www.clausschekonst...

Ich hoffe, damit wenigstens einen kleinen Beitrag zu leisten, um zukünftigen, möglichen derartigen Ereignissen vorzubeugen

In diesem Sinne und mein aufrichtiges Bedauern an die Eltern, an die Schüler und an die Lehrer…

JGC

Eltern hatten Waffen

sprich waren vermutlich wie immer im schützenverein oder jäger ... wie bei allen amokläufern bisher

darüber wird aber kein politiker diskutieren
niemand wird fordern, dass schützenvereine verboten und aufgelöst werden

denn das sind alles so brave konservative bürger

in dem sinne
schwachsinn bis zum untergang in der deutschen politik

das traurige ist, man weiss es jetzt schon

grüße
inti

Waffenrecht der DDR übergangsweise einführen

Und genau da muss der Gesetzgeber jetzt ansetzen - das sind wir den Toten verdammt noch einmal schuldig. M.E. wäre es sinnvoll, übergangsweise das für Zivilpersonen geltende Waffenrecht der ehemaligen DDR einzuführen. Dort mussten Waffen und Munition von Jägern und Sportschützen grundsätzlich auf den Revieren der Volkspolizei verwahrt werden.

Leider wird man den Vater des Schützen - es soll sich hierbei um einen sehr angesehenen lokalen Unternehmer handeln - nur wegen Fahrlässigkeit belangen können. Sollten die Waffen tatsächlich aus seinem unverschlossenen Waffenschrank stammen, ist er aus meiner Sicht charakterlich zum Waffenbesitz ungeeignet.

Ohne Waffe keine Schießerei...

..., könnte man auch sagen. Die Wut, Verletzungen oder was auch immer den Täter bewogen haben mag, diese Tat zu planen, hätte es nicht genommen, es wäre aber ohne Distanzwaffen im Haushalt wesentlich schwieriger gewesen, eine Tat mit ähnlicher Reichweite zu verüben.

Somit kann ich ebenfalls nur sagen, dass endlich über Waffen in privater Hand gesprochen werden muss.

Eltern hatten Waffen?!

Nun,

zweifelsohne haben die Umstände, dass Waffen im Elternhaus vorhanden und leicht zugänglich waren eine derartige Tat erleichtert.
Allerdings sollte keineswegs außer Acht gelassen werden, dass ein Täter der eine beispiellose Tat wie diese plant und durchführt sich einer nahezu unbegrenzten Anzahl an Möglichkeiten bedienen kann und wird um an ein geeignetes Tatwerkzeug zu gelangen.

In diesem Fall war es wohlmöglich der "Hobbykeller".

Selbst wenn diese Waffen unter Verschluss gewesen wären ist anzunehmen das der Täter anders an eine Waffe gelangt wäre.

Darüber zu spekulieren ob die Eltern einem Schützenverein angehören ist vollkommen unangebracht.
Ebenso die Forderung danach Schützenvereine aufzulösen.

Denn Fakt ist, wo ein Wille ist ist auch ein Weg.
So makaber es klingen mag.

Ein Mensch der das Potenzial zu einer derartigen Tat in sich trägt, hätte sie sicherlich auch unter weniger begünstigenden Umständen umgesetzt.

"Selbst wenn diese Waffen

"Selbst wenn diese Waffen unter Verschluss gewesen wären ist anzunehmen das der Täter anders an eine Waffe gelangt wäre."
Wie bitte? Auf dem Schwarzmarkt? In Winnenden? Ich wüsste nicht einmal in Stuttgart, wie ich mir illegal eine Waffe besorgen sollte. Und ich bin Familienvater Mitte 30 und verfüge dazu über die nötigen Finanzmittel, nicht 17-jähriger Schüler mit Minderwertigkeitskomplex und Persönlichkeitsstörung. Hätte dieser Junge nicht Zugriff auf die Waffe seines Vaters gehabt, wäre nichts passiert.

"Darüber zu spekulieren ob die Eltern einem Schützenverein angehören ist vollkommen unangebracht."
Nein, ist es nicht, denn Personen, die Jäger sind oder einem Schützenverein angehören, haben in der Regel ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil. Zumeist ist dieses von extrem konservativen und traditionalistischen Werten geprägt, wie auch das gegenständliche Beispiel des kolportiert "tyrannischen" Vaters zeigt.

"Ebenso die Forderung danach Schützenvereine aufzulösen."
Dieser Forderung kann ich mich an ebenfalls nicht anschliessen; schliesslich leben wir in einer Demokratie. Wenn Schützenvereine und Waffenbesitz streng reglementiert werden (siehe mein anderer Beitrag von heute), sehe ich hier keinerlei Problem.

"Denn Fakt ist, wo ein Wille ist ist auch ein Weg."
Stimmt, er hätte mit einem Messer loslegen können, und vielleicht eine Persön verletzt oder getötet, bis er mit einem Stuhl erlegt worden wäre.

Unterschätzen Sie die Jugend nicht!

Zugegeben, in der Stuttgarter Umgebung scheint es mir auch schwierig, an Waffen zu kommen. Wer etwas weiter östlich wohnt, für den ist es ein leichtes, mal schnell über die Grenze zu fahren. In Tschechien gibt es beispielsweise die Vietnamesenmärkte, wo man "Markenware" von Armani und Nike, als auch "Rolexuhren" und chinesische Zigaretten bekommt. Fragt man dort nach ner Handfeuerwaffe, bekommt man auch erstmal gesagt, dass so etwas hier nicht zu erwerben sei. Fragt man jedoch beharrlich weiter und bietet das nötige Kleingeld, so wird man irgendwann in einen Wohnwagen mitgenommen und bekommt das Ding samt Munition.

Wie ich schon im vorigen Kommentar schrieb: Waffengesetzgeberische Maßnahmen erschweren solche Taten und erscheinen mir daher auch sinnvoll. Absolute Garantie können auch sie nicht bieten. Wenn in einem Kopf eine Idee anfängt, sich ernsthaft breitzumachen (auch wenn dessen Träger erst 17 ist), dann finden sich auch schnell Strategien zur Umgehung auftretender Probleme.

Auch Klingenwaffen sind Waffen

Lieber Herr Herdeg,

ich bringe mich gerade auf den Stand der Diskussion und bin bei Ihrem Kommentar an 2006 erinnert worden, als es in Berlin einen Angriff mit einem Messer gab - der nicht zur schnellen Entwaffnung des Angreifers, sondern Panik führte (Sie erinnern sich sicherlich, ansonsten z.B. http://www.bbv-net.de/pub...). Mangel an Pistolen etc. wird das Phänomen nicht zu etwas werden lassen, dem Schüler oder Lehrer nebenbei mit einem Stuhl begegnen können.

Grüße,
Cg

Der Kommentarbereich dieses Artikels ist geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis.