Musikpresseschau "Immer nur warum"

Der Folkstar Bonnie 'Prince' Billy will sein neues Album nicht rechtfertigen. Elvis habe doch seine Platten auch nie erklärt. Außerdem im Echolot: der "Musikexpress" in neuem Layout

Die März-Ausgabe des Musikexpress erschien im neuen Gewand. Kühler sieht das Magazin jetzt aus, weniger wieBravo, mehr wie Brand Eins. Gewöhnungsbedürftig ist das neue Äußere nicht, denn es ist wenig auffällig. Hinter dem Titel des Magazins steht nun ein Punkt – wohl das Ergebnis eines neuen Benchmarkings.

Auch sonst fordert der Musikexpress seine Leser nicht sonderlich heraus. Einerseits sind die meisten Texte so selbstbezüglich und -verliebt wie eh und je. Das Interview mit The Whitest Boy Alive erzählt vor allem davon, dass die Band nur selten Interviews gebe – außer natürlich dem Musikexpress. Jenes mit Mando Diao behandelt ausführlich den Ort des Treffens und dokumentiert seitenweise Plattitüden: "Wenn du keine guten Songs hast, helfen dir auch keine Businesspläne"; "Wir sind eine sehr gleichmäßige Band. Alle unsere Songs sind gut"; "Wir wachsen mit jedem Album." Laaangweilig!

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Andererseits hält die Redaktion den Inhalt des Heftes gewohnt dünn. Jede besprochene Musik ist quasi aus sich selbst heraus irgendwie grandios und toll, die meisten Meinungen scheinen die der jeweiligen Bands und Unternehmen zu sein.

Ein regelrechtes Ärgernis ist die reißerische Verwurstung des 70. Jahrestags von Blue Note Records. "11 Fakten" werden präsentiert, elf kurze seelenlose Texte, die vollkommen an dem vorbeischießen, was Blue Note ausmacht. Der Pianist Bud Powell habe die Katze des Labelchefs einmal fast erstochen, liest man da etwa. Und das Wichtigste? "Blue Note ist das Kind zweier deutscher Jazz-Fans" – von Alfred Löw (Lion) und Frank (Francis) Wolff nämlich, die Mitte der Dreißiger Berlin in Richtung New York verließen und dort im Jahr 1939 das Label gründeten. Der Musikexpress bezeichnet die beiden Männer aus jüdischen Familien schlicht als "Emigranten", die vermeintlich grundlos eine Lustreise über den großen Teich unternahmen. Das Label so nachträglich zu einer "deutschen" Erfindung umzumünzen ist, gelinde gesagt, erstaunlich.

Der Rolling Stone widmet dem Jubiläum ein vielseitiges Dossier. Hans-Jürgen Schaal erzählt kenntnisreich die letzten 70 Jahre nach, daneben stehen Abbildungen der "stilprägend ikonografischen Artworks", die Reid Miles für Blue Note anfertigte – oft monochrom, da Vierfarbdruck zu teuer war. Und über die Listen mit den zehn besten Platten aus der Hochzeit des Labels bzw. den zehn besten Platten des letzten Vierteljahrhunderts ließe sich ganz hervorragend streiten. Für ZEIT ONLINE hat Maxi Sickert dem legendären Label gratuliert.

Zu seinem letzten Album gab der unter dem Namen Bonnie 'Prince' Billy musizierende Will Oldham kein Interview. Ein Kuhhandel mit der Plattenfirma, berichtet Maik Brüggemeyer im Rolling Stone, zwinge Oldham nun, zum Erscheinen seines neuen Albums Beware "alles zu tun, was von ihm verlangt wird". Etwa mit Brüggemeyer ein eher uninteressantes Gespräch zu führen.

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