Qatar Elite-Unis im Kleinformat
Im arabischen Emirat Qatar entstehen kleine Ableger westlicher Elite-Unis. Die Studienbedingungen sind luxuriös, auf einen Professor kommen nur fünf Studenten

© Texas A&M
Ingenieurstudenten an der Texas A&M in Katar
Wer in den Petrodollar-Monarchien am Golf etwas auf sich hält, schickt seine Kinder zum Studium nach Großbritannien oder in die USA. Die konservativen Familien entsenden nur die Söhne. In einigen progressiven Clans gibt man auch den Töchtern eine Chance - immer in der Hoffnung, dass sich die jungen Frauen nach vier
Semestern im "sündigen Westen" auf dem heimischen Heiratsmarkt noch vermitteln lassen.
Dass die meisten Golfaraber ihre Töchter lieber in der Nähe wissen, oder zumindest in einer islamischen Umgebung, hat dafür gesorgt, dass die Zahl der Studentinnen in den Golfstaaten inzwischen vielerorts höher ist als die der Studenten. An der staatlichen Universität von Qatar, einem der reichsten Länder der Welt, studieren derzeit rund 3000 Männer und 6000 Frauen.
Auch an den Fakultäten der neuen Bildungsstadt, die am Stadtrand der qatarischen Hauptstadt Doha mitten im Wüstensand liegt, sind die Frauen gut vertreten. Etwa die Hälfte von ihnen trägt Kopftuch und Abbaya, das traditionelle schwarze Frauengewand der Arabischen Halbinsel. Doch sonst ist hier alles anders. Wer eine der sechs Mini-Universitäten betritt, aus denen diese elitäre Bildungsstadt besteht, fühlt sich eher wie in einem Fünf-Sterne-Hotel oder einem modernen Museum als in einer Hochschule. Jede dieser kleinen Universitäten ist die Filiale einer renommierten US-Hochschule. Jede von ihnen hat nur eine bis zwei Fakultäten.
Die Qatarer haben sich bei den "Mutter-Universitäten" in den USA jeweils nur die Rosinen herausgepickt. Sie haben sich vor allem die Studiengänge ausgesucht, denen diese Universitäten ihr Renommee verdanken. An der Georgetown Universität Doha wird nur internationale Politik gelehrt. Der qatarische Ableger der Northwestern Universität bietet als Studienfächer Journalismus und Kommunikation an. Die Filiale der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh (Pennsylvania) bietet Betriebswirtschaft und Informatik an. An der Texas A&M Universität in Doha studieren angehende Ingenieure. Medizin lehrt das Weill Cornell Medical College. Nur für den Studiengang Islamisches Recht haben sich die Qatarer keine ausländische Hilfe geholt, anders als einige andere Staaten, die sich dafür von der Kairoer Al-Azhar-Universität assistieren ließen.
Die Architektur der Universitätsgebäude ist durchweg spektakulär: rechts Blüten-Fassade, links Space Shuttle, dazwischen Palmen. In den kleinen Hörsälen gibt es Sitze aus feinstem Holz und Internet-Buchsen an jedem Platz. Nirgends müssen die Wissensdurstigen anstehen oder um Plätze kämpfen, wie an einer deutschen Massenuni. Die 1400 Studenten, die auf dem 14 Millionen Quadratmeter großen Areal unterrichtet werden, muss man förmlich suchen.
Das Verhältnis zwischen Studenten und Professoren liegt an einigen Fakultäten bei 5:1. Die Absolventen dieses Elite-Inkubators sollen eines Tages entweder zu den Führungskräften von Qatar gehören oder andernorts den Ruhm des kleinen arabischen Landes mehren, das bislang vor allem wegen seiner enormen Öl- und Gasvorkommen und als Heimat des Nachrichtensenders Al-Dschasira bekannt ist.
- Datum 06.03.2009 - 16:49 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Die reichen Emirate können sicher ein paar Lehrer einkaufen, sind aber nicht in der Lage, selbst Know-How zu produzieren oder eine Forschungskultur herauszubilden. Das wird sich auch auf absehbare Zeit nicht ändern.
Wenn man Wissenschaft extrem utilitaristisch betrachtet, d.h. nur geldwerte Naturwissenschaft fördert, Geisteswissenschaften negiert und die Freiheit der Wissenschaft in allen nicht religiös oder kulturell kompatiblen Gebieten beschränkt, verkommen die Begriffe "Forschung" und "Wissenschaft" zur Farce. Mit der Idee der Universität haben solche Veranstaltungen ja wenig zu tun und echter Fortschritt wird dabei nicht herauskommen.
Davon kann ich nur träumen, wenn ich daran denke, dass in manchen Vorlesungen die Bodenplätze schon heißbegehrt sind...
Aktives Böses ist besser als passives Gutes.
(William Blake)
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