Qatar Elite-Unis im KleinformatSeite 2/2

Die Qatar Stiftung, die von Scheicha Mosah, der Ehefrau des Emirs Hamad bin Chalifa al-Thani geleitet wird, hat die Bildungsstadt erdacht und - wie es in Qatar üblich ist - binnen kürzester Zeit Wirklichkeit werden lassen. 2002 fingen die ersten Studenten an, deren Eltern genauso hohe Studiengebühren bezahlen müssen wie an den jeweiligen US-Unis. Im vergangenen Jahr wurden die ersten Absolventen verabschiedet.

Glaubt man Mark Weichold, dem Dekan der Dependance der Texas A&M Universität in Doha, dann nutzt das "sehr spezielle Uni-Experiment" in Doha nicht nur den Einheimischen, die etwa 50 Prozent der Studenten stellen, sondern auch den Professoren aus den USA, von denen sich einige, als der Ruf kam, zunächst fragten: "Wo bloß liegt Qatar?"

Die ambitionierte Gattin des Emirs ist mit dem Erreichten noch nicht zufrieden. Auf dem Universitätsgelände werden weiter Pläne geschmiedet. "Verhandlungen mit weiteren Hochschulen in Frankreich und Großbritannien laufen", erklärt Ahmed Hasnah, der zum akademischen Team der Qatar Stiftung gehört. Damit möglichst viele Qatarer die Aufnahmebedingungen der neuen Elite-Universitäten erfüllen, wurde zudem vor drei Jahren eine Reform des staatlichen Schulwesens in Angriff genommen. Die Kinder sollen jetzt besseren Englisch-Unterricht erhalten. Außerdem sollen sie laut Hasnah künftig "schon in jungen Jahren zum kritischen Denken erzogen werden", eine Kulturtechnik, die in den islamisch-konservativen Golfstaaten bislang nicht gerade hoch im Kurs stand.

(Anne-Beatrice Clasmann/dpa)

 
Leser-Kommentare
  1. Die reichen Emirate können sicher ein paar Lehrer einkaufen, sind aber nicht in der Lage, selbst Know-How zu produzieren oder eine Forschungskultur herauszubilden. Das wird sich auch auf absehbare Zeit nicht ändern.
    Wenn man Wissenschaft extrem utilitaristisch betrachtet, d.h. nur geldwerte Naturwissenschaft fördert, Geisteswissenschaften negiert und die Freiheit der Wissenschaft in allen nicht religiös oder kulturell kompatiblen Gebieten beschränkt, verkommen die Begriffe "Forschung" und "Wissenschaft" zur Farce. Mit der Idee der Universität haben solche Veranstaltungen ja wenig zu tun und echter Fortschritt wird dabei nicht herauskommen.

    • Soahc
    • 08.03.2009 um 16:02 Uhr

    Davon kann ich nur träumen, wenn ich daran denke, dass in manchen Vorlesungen die Bodenplätze schon heißbegehrt sind...

    Aktives Böses ist besser als passives Gutes.
    (William Blake)

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