Energie E.on soll Strombörse manipuliert haben

Rechtsexperten fordern strafrechtliche Ermittlungen gegen E.on. Der Konzern hat angeblich Kapazitäten zurückgehalten, um die Preise in die Höhe zu treiben

Aufsätze in juristischen Fachzeitschriften richten sich gemeinhin nur an ein sehr begrenztes Publikum. Doch die Herausgeber der Zeitschrift für Neues Energierecht suchen dieser Tage die Öffentlichkeit. Anlass dafür sind die in der jüngsten Ausgabe erschienenen Expertisen über mögliche Verstöße von Deutschlands Stromkonzernen gegen das Kartell- und Börsenrecht.

Darin kleiden die Rechtsexperten ihre Erkenntnisse zwar in die fein ziselierte Fachsprache ihrer Zunft. Aber die erhobenen Vorwürfe sind hart und richten sich insbesondere gegen den Marktführer E.on. Der Konzern habe allein im Jahr 2007 3,6 Milliarden Euro "rechtswidrig verdient", schreibt der Energierechtsanwalt Peter Becker, der der Stromwirtschaft seit Jahren über zahlreiche Prozesse eng verbunden ist. Noch weiter geht Matthias Jahn, Professor für Strafrecht an der Universität Nürnberg und Richter am dortigen Oberlandesgericht. Gegen E.on gebe es einen "Anfangsverdacht" auf "Börsenbetrug" und "Kursmanipulation", erklärt Jahn. Darum seien "strafrechtliche Ermittlungen zwingend geboten".

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Worauf beruhen die Vorwürfe?

Becker, Jahn und weitere Autoren stützen ihre Vorwürfe vor allem auf die Ermittlungen der EU-Kommission. Diese hatte im Mai 2006 die Geschäftsräume von E.on durchsuchen lassen und dabei rund 60.000 Seiten umfassende Akten sichergestellt, um Beweise für Verstöße gegen das Kartellrecht zu finden. Das genaue Ergebnis der Ermittlungen ist bis heute geheim. Doch Beamte des Bundeskartellamts nutzten die Funde der EU-Kollegen für ein Gutachten in einem anderen Verfahren gegen E.on. Darin beschreiben sie, wie die Konzernabteilung "E.on Sales & Trading" (EST) über die Zurückhaltung von verfügbaren Kraftwerkskapazitäten systematisch überhöhte Preise für Strom herbeigeführt haben soll.

Wie funktionieren die Manipulationen?

Der über die Börse ermittelte Strompreis richtet sich stets danach, wie teuer die jeweils letzte Megawattstunde ist, die zur Deckung des aktuellen Bedarfs benötigt wird. Diese sogenannte Spitzenlast liefern zumeist Gas- und Speicherkraftwerke, deren Kosten in der Regel ein Vielfaches über denen von Atom- oder Wasserkraftwerken liegen. Wenn die Betreiber ihre längst abgeschriebenen - und darum kostengünstigen - Kernkraftwerke nicht mit voller Last betreiben und so einen Teil der Kapazität gar nicht auf den Markt kommt, wird umso mehr Spitzenlaststrom benötigt. Dies erhöht wiederum den Preis für die gesamte verkaufte Strommenge und damit die Erlöse der ganzen Branche.

Welche Belege gibt es dafür?

Nach Meinung der Kartellwächter sind die E.on-Händler genau nach diesem Schema vorgegangen. Als Beleg führten die Beamten eine Vorlage der EST für eine Vorstandssitzung vom Dezember 2003 an. Darin heißt es zum Thema "Strompreispolitik": "Von März bis Juni 2003 hat ein intensiver Einsatz des Eigenhandelsbuchs zur Initiierung von Marktpreissprüngen beigetragen." Ganz offen hielten die E.on-Händler sogar fest, ihre EST habe "als Treiber des Marktes sehr großen Anteil am Durchstoßen eines Zielpreises". Mit anderen Worten: Die Preistreiberei war erklärtes Ziel.

An einem Beispiel erklärten die EST-Experten auch gleich, wie sich der Gewinn damit erhöhen lässt. Demnach betrugen nach Darstellung des Kartellamtes "die entgangenen Deckungsbeiträge durch einen Kraftwerksstillstand minus 25 Millionen Euro. Dem standen Deckungsbeiträge in Höhe von plus 40 Millionen Euro gegenüber, verursacht durch die Verknappung und in der Folge gestiegene Marktpreise." Darum empfahlen die E.on-Strategen dem Vorstand die "Fortsetzung der Strompreispolitik mit dem Ziel der Preisstabilisierung auf hohem Niveau".

Leser-Kommentare
  1. die mafiösen Strukturen der deutschen Energiewirtschaft aufzudecken und zu zerstören. Wie lange will die Bevölkerung noch die Abhängigkeit von den Energiekonzernen ertragen? Die Politik kann zur Lösung dieses Problems nicht viel beitragen, da sie mit diesem Sektor inzwischen zu eng verwoben ist.
    Einziger Partner bei diesem Kampf sind die noch unabhängige deutsche Justiz sowie die europäischen Gremien. Das Energiekartell muß zerschlagen werden!

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    Immerhin bestehen 40% unseres Strompreises nur aus Steuern. Tendenz: weiter steigend.

    Immerhin bestehen 40% unseres Strompreises nur aus Steuern. Tendenz: weiter steigend.

  2. Immerhin bestehen 40% unseres Strompreises nur aus Steuern. Tendenz: weiter steigend.

    Antwort auf "Es ist an der Zeit"
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    • bivi
    • 06.10.2009 um 17:31 Uhr

    "Immerhin bestehen 40% unseres Strompreises nur aus Steuern. Tendenz: weiter steigend."

    Rechtfertigt das überhöhte Erzeuger- und Netzpreise?
    Ihr Kommentar geht völlig am Thema vorbei!

    • bivi
    • 06.10.2009 um 17:31 Uhr

    "Immerhin bestehen 40% unseres Strompreises nur aus Steuern. Tendenz: weiter steigend."

    Rechtfertigt das überhöhte Erzeuger- und Netzpreise?
    Ihr Kommentar geht völlig am Thema vorbei!

  3. In der alten UdSSR hätte man solche Betrüger (...) gnadenlos abgestraft. Bei uns wird es VIELLEICHT dazu kommen, daß die Leipziger Staatsanwaltschaft tätig wird. Dann wird Herr Bernotat zu 30.000 € Geldstrafe verurteilt und kassiert im nächsten Geschäftsjahr das hundertfache an Bonuszahlungen.
    (...entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion/jk)

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    Ich kann's auch anders formulieren: die von E.on durch kriminelle Manipulationen abgeschöpfte Kaufkraft fehlt uns zur Belebung des Binnenmarktes. Darunter leidet der ganze Staat.
    Nicht anderes meint "Parasiten am Volksvermögen". Weiß nicht, was Sie daran auszusetzen haben.

    Ich kann's auch anders formulieren: die von E.on durch kriminelle Manipulationen abgeschöpfte Kaufkraft fehlt uns zur Belebung des Binnenmarktes. Darunter leidet der ganze Staat.
    Nicht anderes meint "Parasiten am Volksvermögen". Weiß nicht, was Sie daran auszusetzen haben.

  4. Mal wieder ein einschlägiges Beispiel für das Zusammenspiel von Justiz, Politik und wirtschaft. Wer das ganze Ausmaß - über die Energiewirtschaft hinaus gehend - überblicken möchte, lese das Buch von Jürgen Roth mit dem oben angegebenen Titel.

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    Es ist nun mehrfach erwiesen, dass dieser Herr Roth eine blühende Phantasie hat. Aber, da ist man dann plötzlich wieder ganz unkritisch.

    Zumal dieser Herr Roth selbst Marxist ist - er ist also ideologisch vollkommen verblendet, zu keinem klaren Gedanken fähig.

    Es ist nun mehrfach erwiesen, dass dieser Herr Roth eine blühende Phantasie hat. Aber, da ist man dann plötzlich wieder ganz unkritisch.

    Zumal dieser Herr Roth selbst Marxist ist - er ist also ideologisch vollkommen verblendet, zu keinem klaren Gedanken fähig.

  5. 5. Nana

    Es ist nun mehrfach erwiesen, dass dieser Herr Roth eine blühende Phantasie hat. Aber, da ist man dann plötzlich wieder ganz unkritisch.

    Zumal dieser Herr Roth selbst Marxist ist - er ist also ideologisch vollkommen verblendet, zu keinem klaren Gedanken fähig.

    Antwort auf "Der Deutschland Clan"
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    Gerade weil Herr Roth unter Beobachtung steht und sich für jede seiner Aussagen vor Gericht verantworten muss, darf man davon ausgehen, dass alles Aussagen, die er von Rechts wegen nicht zurücknehmen musste, zutreffend sind. Und wenn er manche seiner Aussagen nicht beweisen kann, dann deshalb, weil er seine Quellen schützt.

    Im Übrigen disqualifizieren sie sich selbst als Diskussionspartner, wenn Sie jemandem grundsätzliche Unwahrheit unterstellen, nur weil er Marxist ist.

    Gerade weil Herr Roth unter Beobachtung steht und sich für jede seiner Aussagen vor Gericht verantworten muss, darf man davon ausgehen, dass alles Aussagen, die er von Rechts wegen nicht zurücknehmen musste, zutreffend sind. Und wenn er manche seiner Aussagen nicht beweisen kann, dann deshalb, weil er seine Quellen schützt.

    Im Übrigen disqualifizieren sie sich selbst als Diskussionspartner, wenn Sie jemandem grundsätzliche Unwahrheit unterstellen, nur weil er Marxist ist.

  6. Wenn E.ON durch Kursmanipulationen 3,6 Mrd. EUR unberechtigterweise zuviel eingenommen hat, muß man sich angesichts des hohen Steueranteils auch fragen, wieviel der Staat dadurch ebenfalls zuviel eingenommen hat. Diesen unberechtigt eingenommenen Steueranteil müßte man dann bei den Schadenersatzansprüchen ebenfalls geltend machen.

    Vielleicht ist dies ein Grund dafür, warum die Leipziger Staatsanwaltschaft es nicht allzu eilig hat, das Verfahren zu eröffnen. Evtl. gab's da leichten Druck seitens der Politik. Man steckt da ja nicht drin, aber zutrauen würde ich es unserem Berliner Kungelverein.

  7. Ich kann's auch anders formulieren: die von E.on durch kriminelle Manipulationen abgeschöpfte Kaufkraft fehlt uns zur Belebung des Binnenmarktes. Darunter leidet der ganze Staat.
    Nicht anderes meint "Parasiten am Volksvermögen". Weiß nicht, was Sie daran auszusetzen haben.

    Antwort auf "Gnadenlos"
    • peter2
    • 06.03.2009 um 17:45 Uhr

    gehören m.E. nicht in private Hand. Dies gilt genauso für wichtige kommunale Gesellschaften (z.B. Müll, Wasser, Abwasser: siehe Cross Boarder Leasing mit Absicherung z.B. über AIG, wie z.B. in Esslingen geschehen). Anders als die Zerschlagung der ehemaligen Post- und Telefongesellschaft hat die Privatisierung des Strommarktes zumindest den Endverbrauchern nur exorbitante Preiserhöhungen gebracht; der Wettbewerb funkioniert hier eben nicht, v.a. wenn mit Duldung von Mitbewerb und Politik manipuliert werden kann. So weit ich weiss, zahlen die Endverbraucher auch schon heute für CO2 Emissionsrechte, obwohl die EVUs hier zur Zeit noch gar nicht belastet werden.

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    die Privatisierung des Strommarktes zumindest den Endverbrauchern nur exorbitante Preiserhöhungen gebracht;

    Dumm nur, dass die bösen bösen Stromkonzerne gesetzlich dazu verpflichtet sind, all den ökologisch korrekten Strom (nicht gerade ein Schnäppchen!) aufzukaufen. Umso mehr Zeugs davon produziert wird - umso teurer wird der Strom. Ganz ohne gierige Manager.

    Ganz nebenbei beinhaltet der Strompreis auch noch 40% Steuern.

    die Privatisierung des Strommarktes zumindest den Endverbrauchern nur exorbitante Preiserhöhungen gebracht;

    Dumm nur, dass die bösen bösen Stromkonzerne gesetzlich dazu verpflichtet sind, all den ökologisch korrekten Strom (nicht gerade ein Schnäppchen!) aufzukaufen. Umso mehr Zeugs davon produziert wird - umso teurer wird der Strom. Ganz ohne gierige Manager.

    Ganz nebenbei beinhaltet der Strompreis auch noch 40% Steuern.

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