Finanzmarkt EZB senkt Leitzins auf Zehnjahrestief
Kampf gegen die andauernde Rezession: Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen auf 1,5 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit der Euro-Einführung gesenkt

© Dominique Faget/AFP/Getty Images
Harter Kampf gegen die Rezession: Zentralbankpräsident Trichet
Der Leitzins im Euro-Raum hat ein Rekordtief erreicht. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) senkte den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld um 0,5 Punkte auf 1,5 Prozent. Das ist der erste Wert unter zwei Prozent seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999.
Mit der erneuten Zinssenkung reagiert die EZB auf die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise. Mit den niedrigeren Zinsen will die Notenbank Kredite für Unternehmen und Verbraucher auf dem Finanzmarkt verbilligen, den Konsum beleben und damit die Wirtschaft insgesamt stärken.
Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet hatte den Zinsschritt bereits mehrfach angedeutet und mit der "langen Phase eines großen wirtschaftlichen Abschwungs" im Euro-Raum begründet. Seit Herbst reduzierte die Notenbank den wichtigsten Leitzins um insgesamt 2,25 Prozentpunkte.
Volkswirte gehen von einem Niveau von ein Prozent spätestens zur Jahresmitte aus. Angesichts des nachlassenden Preisdrucks habe die Bank für einen solchen Schritt auch genügend Spielraum.
Andere Experten wiederum warnen jedoch vor der Hoffnung auf neue Tiefststände. Mit weiter sinkendem Leitzins fielen deswegen nicht unbedingt die Bauzinsen. "Im Gegenteil: Wenn im Markt Angst vor Inflation entsteht, wird es sogar teurer für die Kunden."
Auch die Bank von England senkte am Donnerstag ihren Leitzins. Er liegt jetzt bei 0,5 Prozent. Das ist der niedrigste Stand in der Geschichte. Im Januar hatte die Bank of England den Zinssatz auf 1 Prozent gesenkt. Außerdem will sie die Geldmenge um 75 Milliarden Pfund erhöhen, um die Kreditvergabe der Banken anzukurbeln – ein bisher einmaliger Vorgang in Großbritannien.
Wegen der Wirtschaftskrise im Raum der 15 Euro-Länder hatten die Währungshüter den Leitzins seit Oktober 2008 bereits in vier Schritten um insgesamt 2,25 Prozentpunkte auf zwei Prozent reduziert. In den USA und in Japan liegen die Leitzinsen derzeit praktisch bei null.
- Datum 05.03.2009 - 19:29 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 2
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ist der falsche Weg, denn an den unteren -und mittleren Schichten wird diese Senkung nicht weiter gegeben. Diese werden weiter geschröpft wie bisher.
Immer liest man über diese verwirrende Sache und jeder scheint sie anders zu verstehen.
Meines Wissens besteht das so genannte "Zentralbankgeld" aus nichts weiter als Einlagen einer Geschäftsbank auf ihrem Zentralbankkonto, wird also mitnichten von der ZB "geschaffen". Diese Einlagen in Euro-Währung müssen in ihrer Höhe 2% der kurzfristigen (bis 2 Jahre) Kredite entsprechen, die die Geschäftsbank an ihre Kunden ausgegeben hat (bzw. Geld geschöpft hat). Auf die Zentralbankguthaben (=Zentralbankgeld?) zahlt die ZB den Leitzins.
Darüber hinaus kann die Zentralbank Kredite gegen Sachwerte (Wertpapiere, Schuldtitel etc.) an die Geschäftsbanken geben, dafür verlangt sie dann die Leitzinsen.
Und hier komme ich nicht mehr mit. Bucht die Zentralbank diesen Kredit als Guthaben auf das Zentralbankkonto (ala Zentralbankgeld) der Geschäftsbank, dann wird dieses ja wiederrum von ihr selbst mit dem selben Zinssatz verzinst. Ein Nullsummenspiel. Die Senkung der Leitzinsen macht also nur Sinn, wenn die Banken dieses Geld abheben und für sich selbst verwenden (z.B. Sicherheiten erhöhen, Schulden bezahlen, Firmen aufkaufen etc.). Würden sie hingegen Kredite an Kunden ausgeben wollen, wäre es viel sinnvoller es auf dem ZB-Konto zu belassen, da es dort nichts kostet und das Recht mit sich bringt Geld im Verhältnis 1:50 für die Kunden zu schöpfen.
Kennt sich damit jemand aus? Hab ich einen Denkfehler?
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