Verteidigungspolitik Baguette, Eiffelturm, Nato
Sarkozy glänzte mit anwaltlicher Rhetorik, selbst, als sein Handy bimmelte. Klar wird: Frankreich kehrt vollständig in die militärischen Nato-Gremien zurück
Nun ist verkündet, was die französische Nationalversammlung am Dienstag abnicken soll (und wird): Frankreich kehrt vollständig in die militärischen Gremien des atlantischen Bündnisses zurück. Staatspräsident Nicolas Sarkozy begründete diesen Schritt am Mittwochabend vor einem Strategieforum in der École Militaire in Paris.
Er hatte sichtlich Oberwasser. Zum ersten Mal seit Wochen glänzte er wieder mit anwaltlicher Rhetorik, schob seine Widersacher ins Absurde und verlor auch nicht an Fahrt, als auf einmal sein Handy bimmelte. Am Schluss seiner einstündigen Rede sagte er noch, Frankreichs militärisches Comeback werde das Gewicht Europas in der Nato erhöhen, worüber sich auch die Deutschen freuten, und überhaupt sei es ein Beitrag zur deutsch-französischen Freundschaft.
Damit schließt sich der Kreis. Es war Frankreichs Präsident Charles de Gaulle, der 1966 entschieden hatte, die französischen Militärs aus dem Nato-Bündnis abzuziehen und nur noch die politischen Gremien mit Entsandten zu besetzen. Er ließ sich von zwei Motiven leiten. Zum einen wollte er nicht hinnehmen, dass Frankreich in der damaligen Nato keine führende Rolle einnehmen sollte. Zum anderen hatte er angenommen, dass der Kalte Krieg durch ein Tauwetter im Osten, so nannte man das damals, in eine Phase freundschaftlicher Zusammenarbeit überführt werden könnte, und de Gaulle sah die Nato als Hindernis.
"Greifbar persönliche Formen" habe die amerikanische "Rachsucht" daraufhin angenommen, schrieb Henry Kissinger später in seinen Memoiren. Dabei konnte er de Gaulles Entscheidung sogar nachvollziehen. Frankreich, das so viel erlitten hatte, musste erst einmal wieder lernen, auf sich selbst stolz zu sein. Das war das Kalkül de Gaulles. Weltpolitisch hatte er sich damals indes verrechnet. Das Tauwetter währte nur kurz, und 1968 marschierte die Sowjetunion in die Tschechoslowakei ein. Es sollte noch zwei Jahrzehnte dauern, bis ein Gorbatschow seine erste historische Parteitagsrede hielt.
Dann aber änderte sich die Welt wieder sehr schnell. Nicolas Sarkozy schloss mit seiner Rede vom Abend eine Entwicklung ab, die schon Ende der achtziger Jahre unter François Mitterand begonnen hatte. Auf den sozialistischen Staatspräsidenten, und auch auf Jacques Chirac bezog sich Nicolas Sarkozy mehrmals und auffällig lobend in seiner Rede. Diesmal war Sarkozy ganz Kontinuität, nicht "Bruch". Den übrigens werfen ihm ausgerechnet die Sozialisten vor, die einst gegen den Auszug der französischen Militärs waren.
Baguette und Eiffelturm
Außerdem schießen derzeit etliche Konservative gegen Sarkozy, die sich als Erben de Gaulles aufführen. Eines ihrer merkwürdigsten Argumente lautet, dass es sich nur um eine symbolische Geste handele, denn Frankreich sei ja bereits in den meisten Komitees des Bündnisses vertreten und nehme an fast allen Operationen der Nato teil. Damit greifen sie ein Argument der Regierung auf, die eine Zeit lang versucht hatte, den Rückkehrbeschluss innenpolitisch herunterzuspielen.
Merkwürdig ist das Argument aus zwei Gründen. Erstens besteht Politik zu einem nicht geringen Teil aus Symbolik. Die Abwesenheit französischer Offiziere in den Stäben der Nato konnte lange Zeit als ein Symbol der französischen Außenpolitik gelten, "als Symbol unserer Identität wie die Baguette oder der Eiffelturm", in den Worten des Sarkozy-Sicherheitsberaters Pierre Lellouche. Freilich weniger als Symbol ihrer Unabhängigkeit sondern eher einer kapriziösen Eigensinnigkeit; Marianne, schwierige Dame, das war das Signal.
- Datum 12.03.2009 - 10:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wie die CIA einen ihrer Agenten zum Präsidenten der Republik Frankreich machte
Das Plausibelste, was ich zum Thema NATO <-> Frankreich bisher gelesen habe, denn es macht die Tiefenpolitik (Deep Politics) hinter der öffentlichen Fassade sichtbar.
Herr v. Randow, vielleicht kommen Ihnen nach der Lektüre doch Zweifel über die Eindeutigkeit Ihres Urteils, "ein Argument, das besonders unsinnig ist", in Bezug auf die These "Frankreich, begebe sich ohne Grund unter die Fuchtel Amerikas"?
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Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]
Die Zeit-Fragen hatten schon so machen tiefer gehenden Artikel... Lesenswert.
Was aber wenn bei gewissen Leute "die Fuchtel der USA" als Standard angesehen wird, bei den Atlantikern unter uns ein klarer Fall, dann sind auch die Chancen für Zweifel der "Deep Politics" kaum vorhanden...
Für die Hauptakteure ist da alles im grünen Bereich da die Ziele erreicht wurden.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Der verlinkte Kommentar von Thierry Meyssan (nicht gerade eine neutrale Quelle...eher in VT-Spinner mit Hisbollah-Präferenzen) bringt nichts ausser ein bisschen Klatsch über das Privatleben von N.S. (was hat das mit der NATO zu tun?) und ein paar dunklen Andeutungen. Hieraus die Folge zu ziehen, N.S. sei ein Agent der C.I.A. geht doch etwas weit und stellt einfach eine Verleumdung dar.
Die Zeit-Fragen hatten schon so machen tiefer gehenden Artikel... Lesenswert.
Was aber wenn bei gewissen Leute "die Fuchtel der USA" als Standard angesehen wird, bei den Atlantikern unter uns ein klarer Fall, dann sind auch die Chancen für Zweifel der "Deep Politics" kaum vorhanden...
Für die Hauptakteure ist da alles im grünen Bereich da die Ziele erreicht wurden.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Der verlinkte Kommentar von Thierry Meyssan (nicht gerade eine neutrale Quelle...eher in VT-Spinner mit Hisbollah-Präferenzen) bringt nichts ausser ein bisschen Klatsch über das Privatleben von N.S. (was hat das mit der NATO zu tun?) und ein paar dunklen Andeutungen. Hieraus die Folge zu ziehen, N.S. sei ein Agent der C.I.A. geht doch etwas weit und stellt einfach eine Verleumdung dar.
Die Zeit-Fragen hatten schon so machen tiefer gehenden Artikel... Lesenswert.
Was aber wenn bei gewissen Leute "die Fuchtel der USA" als Standard angesehen wird, bei den Atlantikern unter uns ein klarer Fall, dann sind auch die Chancen für Zweifel der "Deep Politics" kaum vorhanden...
Für die Hauptakteure ist da alles im grünen Bereich da die Ziele erreicht wurden.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
"Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik" wird natürlich als "ESVP" abgekürzt, manchmal verschluckt meine Tastatur einen Buchstabe ...
Nicht zufällig sind Verschwörungstheoretiker auch Anti-Amerikaner. Das macht Sinn, denn wer außer Akteure innerhalb der einzigen Supermacht der Welt könnten denn die Köpfe einer internationalen Verschwörung sein ? Und liegt es nicht auf der Hand, daß Akteure anderer Länder - hier Sarkozy & Co. - die Bündnisse mit den USA eingehen, Mitverschwörer in Form von Schergen sind ?
Leider widerspricht sowohl die Geschichte als auch die aktuelle Entscheidung Frankreichs. Haben nicht wichtige Natopartner wie Frankreich (Militär), Deutschland (Logistik, Geld) und die Türkei (Tor zum Mittleren Osten) dem Irak-Krieg eine vehemente Absage erteilt ? Und hat es etwas genützt ?
Frankreich wird zwei der wichtigsten Gremien der Nato kontrollieren und in allen anderen Gremien vertreten sein. Die Zahl der Mitarbeiter wird von 110 auf 900 erhöht werden.
Es ist offensichtlich, daß Frankreich zwei Hauptgründe für diese Entscheidung hat : die wichtige Waffenindustrie wird dadurch für Arbeitsplätze und Steuergelder sorgen und Frankreichs Ambitionen die DOM-TOM zu kontrollieren und aufzuwerten. Gerade jüngste Ereignisse in La Réunion, Guadeloupe und Martinique zeigen, daß diese "Bundesländer" Frankreichs und Territoires d'Outre Mer (Réunion) als Natostützpunkte innenpolitisch beruhigt werden können durch ökonomische Aufwertung und Gegenargument contra Separatisten.
Diese Gründe sind für Europafreunde (und damit ist ausdrücklich nicht die EU in der heutigen Form, sondern Europa als Kulturwiege gemeint !) erfreulich, da ein starkes Frankreich für den Zusammenhalt Europas wichtig ist.
Auf weltpolitischer Ebene werden nun französische Strategien wesentlich in alle Nato-Entscheidungen einfließen. Dies halte ich als Deutscher für besser, als die bisherigen unipersonellen Entscheidungen der USA mit ihrer hörigen Gefolgschaft aus Grossbritannien.
Schließlich fällt auch der Zeitpunkt auf. Mit Barack Obama & Co. ist eine Gradwanderung der militärischen U.S.-Strategie zu erwarten. Diese durch einen wesentlichen europäischen Einfluß zu bestärken, ist in unser aller Interesse.
Es wäre wirklich so, wenn sich Frankreich in Europa nicht genauso verhalten würde wie Amerika in der Welt. Eben wie die uneingeschränkte Großmacht Europas, die die Geschicke im Zweifel nach eigenem Gusto bestimmt. Es geht ihnen nicht um Europa, es geht ihnen um Frankreich!. Das Europa eventuell ein paar Vorteile daraus zieht, ist ein Kollateralpluspunkt.
Andernfalls wären wir mit Europa schon Lichtjahre weiter...
Es wäre wirklich so, wenn sich Frankreich in Europa nicht genauso verhalten würde wie Amerika in der Welt. Eben wie die uneingeschränkte Großmacht Europas, die die Geschicke im Zweifel nach eigenem Gusto bestimmt. Es geht ihnen nicht um Europa, es geht ihnen um Frankreich!. Das Europa eventuell ein paar Vorteile daraus zieht, ist ein Kollateralpluspunkt.
Andernfalls wären wir mit Europa schon Lichtjahre weiter...
Auch wenn es ein paar Grad heißer wird, wandert man aufrecht mit Rückgrat auf dem schmalen Berggrat.
Es wäre wirklich so, wenn sich Frankreich in Europa nicht genauso verhalten würde wie Amerika in der Welt. Eben wie die uneingeschränkte Großmacht Europas, die die Geschicke im Zweifel nach eigenem Gusto bestimmt. Es geht ihnen nicht um Europa, es geht ihnen um Frankreich!. Das Europa eventuell ein paar Vorteile daraus zieht, ist ein Kollateralpluspunkt.
Andernfalls wären wir mit Europa schon Lichtjahre weiter...
Der verlinkte Kommentar von Thierry Meyssan (nicht gerade eine neutrale Quelle...eher in VT-Spinner mit Hisbollah-Präferenzen) bringt nichts ausser ein bisschen Klatsch über das Privatleben von N.S. (was hat das mit der NATO zu tun?) und ein paar dunklen Andeutungen. Hieraus die Folge zu ziehen, N.S. sei ein Agent der C.I.A. geht doch etwas weit und stellt einfach eine Verleumdung dar.
Ihre paar Zeilen offenbaren ausschließlich die Fähigkeit, anhand vorgefaßter Kategorien zuordnen zu wollen. Haben Sie Argumente, Textverweise, die Ihre Denunzierung des "Réseau Voltaire" als Hisbollah-Filiale erhärten?
Ist Professor Scott gleichfalls VT?
Welche "neutralen Quellen" können Sie uns empfehlen?
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Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]
Ihre paar Zeilen offenbaren ausschließlich die Fähigkeit, anhand vorgefaßter Kategorien zuordnen zu wollen. Haben Sie Argumente, Textverweise, die Ihre Denunzierung des "Réseau Voltaire" als Hisbollah-Filiale erhärten?
Ist Professor Scott gleichfalls VT?
Welche "neutralen Quellen" können Sie uns empfehlen?
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Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]
http://www.elysee.fr/webtv/
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