Grosse Koalition Verkehrte Welt in Berlin

Die SPD triumphiert, weil sich die CDU mit sich selbst beschäftigt. Die Opel-Krise zeigt, wie nervös die Merkel-Partei ist.

An diesem Montag hat sich Wolfgang Clement zu Wort gemeldet . Der war einmal ein mächtiger Sozialdemokrat und Superminister. Vor einem Jahr hätte der Vorabdruck seines Buches in der Bild -Zeitung bei der SPD ein politisches Erdbeben ausgelöst. Machtgeilheit wirft Clement dem SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering vor, allerlei Fehlleistungen in der Großen Koalition sowie die mangelnde Abgrenzung zur Linkspartei. Doch nun lässt Generalsekretär Hubertus Heil dem mittlerweile parteilosen Clement lediglich wissen, dieser sei für die SPD "kein Thema" mehr.

Die Gelassenheit ist nicht gespielt. Die Sozialdemokraten wähnen sich im Aufwind. Verkehrte Welt in der Großen Koalition. Seit dem Herbst agiert die SPD ungewohnt geschlossen, sie nutzt das Krisenmanagement der Regierung zur parteipolitischen Profilierung. Staatsmännisch gibt sich Hubertus Heil angesichts der Diskussionen um die Opel-Rettung. Voller Genugtuung nehmen die Genossen zur Kenntnis, dass nun die Union der Krisenvirus gepackt hat. Gleichzeitig warnt Heil den Koalitionspartner davor, die Probleme der CDU dürften "die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung nicht beeinträchtigen".

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Für die wahlkämpfende SPD ist die Opel-Krise sozusagen ein Geschenk des Himmels. Denn anders als der Koalitionspartner kann sie unverdrossen nach Staatshilfen rufen und die "Verantwortungslosigkeit“ von Unions-Politikern geißeln, ohne gleichzeitig die Grundsätze der Partei preisgeben zu müssen.

Dem Koalitionspartner fällt somit fast zwangsläufig die Rolle des Bremsers zu. Schließlich gibt es erstens an der CDU-Basis starke ordnungspolitische Bedenken gegen ein mögliches Eingreifen des Staates, gar eine Staatsbeteiligung, bei Opel. Zweitens besitzen das Kanzleramt sowie das CSU-geführte Wirtschaftsministerium beim Thema Opel die Federführung. Keine einfache Aufgabe, denn einen einfachen Weg gibt es nicht.

Der Wirtschaftsminister zu Guttenberg meidet das Tabu-Wort Insolvenz jedenfalls nicht. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine geordnete Insolvenz der bessere Weg ist, Arbeitsplätze zu retten, als von Wahlkämpfern inspirierte Geldgeschenke. Nur kann man dies den Wählern in so aufgeregten Zeiten kaum erklären. Dass der hessische Ministerpräsident Roland Koch über den eigenen Wirtschaftsminister herfällt , offenbart zugleich, dass der vor allem an sein Werk in Rüsselsheim und an den Wahlkampf denkt.

Die Opel-Krise zeigt, wie nervös die CDU ist. Plötzlich muss sich die Kanzlerin alle tatsächlichen und vermeintlichen Fehler der letzten Wochen vorhalten lassen, ihre Kritik am Papst, ihren Umgang mit der Vertriebenenpolitikerin Steinbach und auch ihren zögerlichen Kurs beim Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Plötzlich trauen sich alte innerparteiliche Kritiker wie Günther Oettinger wieder aus der Deckung.

Leser-Kommentare
    • Soahc
    • 09.03.2009 um 19:48 Uhr

    ...wird es sein, wenn nämlich nach einer vermeintlichen Rettungsaktion, Opel eine kurze Durststrecke ausharrt, um dann doch pleite zu gehen und die eifrigen Befürworter der damilgen Öpel-Überlebens-Strategie an den Pranger gestellt werden. Die Sozialdemokraten wären vielleicht besser damit bedient, ihre arbeiternahe Politik geradezu der Abeiter wegen, die ja nicht nur bei Opel arbeiten, auf langfristige Weise zu überdenken...

    Aktives Böses ist besser als passives Gutes.
    (William Blake)

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    • keox
    • 09.03.2009 um 21:03 Uhr

    "Die Sozialdemokraten wären vielleicht besser damit bedient, ihre arbeiternahe Politik geradezu der Abeiter wegen, ,,,"

    War das jetzt wirklich ernst gemeint?

    Ist ein Arbeiter, der "seinen Arbeitsplatz verliert", kein Arbeiter mehr? Er ist wie vorher, qualifiziert, motiviert, und vor allem darauf angewiesen, sich und seine Fähigkeiten zu verkaufen, um überleben zu können.

    In der Regel haut der Arbeiter nicht selbst in den Sack, er kann es sich nicht leisten. Wenn er also entlassen wird, entscheidet der Kapitalgeber darüber, ob aus dem Arbeiter ein Schmarotzer wird.

    Die Schmarotzer sind keine wahlrelevante Zielgruppe für die spd. Alles in diesem Selbstversorgungsinstitut drängt zur Mitte, da gibt es die Jobs, das Geld und die Aufmerksamkeit.

    Sehr Profitable Demokratie.

    Zu weiteren Informationen fragen Sie Schröder, Müller, Riester, Clement und wie sie alle heißen.

    • keox
    • 09.03.2009 um 21:03 Uhr

    "Die Sozialdemokraten wären vielleicht besser damit bedient, ihre arbeiternahe Politik geradezu der Abeiter wegen, ,,,"

    War das jetzt wirklich ernst gemeint?

    Ist ein Arbeiter, der "seinen Arbeitsplatz verliert", kein Arbeiter mehr? Er ist wie vorher, qualifiziert, motiviert, und vor allem darauf angewiesen, sich und seine Fähigkeiten zu verkaufen, um überleben zu können.

    In der Regel haut der Arbeiter nicht selbst in den Sack, er kann es sich nicht leisten. Wenn er also entlassen wird, entscheidet der Kapitalgeber darüber, ob aus dem Arbeiter ein Schmarotzer wird.

    Die Schmarotzer sind keine wahlrelevante Zielgruppe für die spd. Alles in diesem Selbstversorgungsinstitut drängt zur Mitte, da gibt es die Jobs, das Geld und die Aufmerksamkeit.

    Sehr Profitable Demokratie.

    Zu weiteren Informationen fragen Sie Schröder, Müller, Riester, Clement und wie sie alle heißen.

    • politz
    • 09.03.2009 um 19:51 Uhr

    „Sobald in der Union kontrovers diskutiert wird, wirkt sich das negativ auf Umfragewerte aus.“ Diese Warnung stammt nicht etwa von einem Beobachter des politischen Geschehens, sondern vom CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Und diesem Stereotyp passen sich wieder einmal die einflussreichsten Medien an. Selbst die Linkspartei, die sonst immer gegen den Strich bürstet, ruft in Person ihres Generalsekretärs Dietmar Bartsch eindringlich zur Geschlossenheit auf. Aber sind geschlossene Parteien wirklich solche, die am demokratischen Willensbildungsprozess teilnehmen dürfen?

    Keine Frage, die Union darf und muss kontrovers diskutieren – und möglicherweise dann ihren Kurs anpassen. Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, denn kurz vor der Bundestagswahl kommt die Zerstrittenheit in der Tat schlecht. Das Debattieren dient schließlich auch der programmatischen Entscheidungsfindung, der man sich bei der Erstellung eines Wahlprogramms nicht entziehen kann. Wie man an der SPD sehen kann, wirkt ein solcher Prozess des Ausdiskutierens auch reinigend, durchaus konstruktiv.

    Es gibt in Deutschland kaum noch eine wertkonservative Partei mehr. Die „liberale“ Kanzlerin kann den wertkonservativen Anspruch ihrer Partei bislang nicht verkörpern. Gerade darin liegt aber eine Chance für diese Partei, das verlorene Wählerpotenzial zurückzugewinnen. In der Frage der Wirtschaftspolitik muss sich die Union dagegen kaum zurückorientieren. Sie ist im Kern nach wie vor eine marktliberale Partei, die von den großen Steuersenkungen und Sozialreformen der Schröder-Jahre kein bisschen abrücken will.

    Im Gegenteil: die Kombination von Schuldenbremse mit den angekündigten weiteren Steuersenkungen wird im nächsten Jahrzehnt – sofern sie zum Tragen kommt – zu einer weiteren Welle der Entstaatlichung kommen. Das Gerede der Sozialdemokratisierung ist ein reines Medienphänomen. Und überhaupt: Dann waren Adenauer, Kiesinger und Kohl alles verkappte Sozialdemokraten. Der deutsche Sozialstaat ist im Kern ein katholisches Produkt, kein sozialdeomokratisches. Die Vorstellung von der Gleichheit der Menschen beruht wiederum auf dem europäischen Christentum.

    Damit schließt sich der Kreis. „Christlich Demokratische Union pur“, heißt nicht Konservatismus, Ordnungspolitik und Neoliberalismus pur. Wenn die Union das begreift, kann sie auch als wiederauferstandene Volkspartei Wahlen gewinnen.

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    dass man mit Einordnungen von PolitikerInnen die Politik nicht wirklich eindeutig umschreiben kann. Wenn Sie nämlich von einer „liberalen“ Kanzlerin schreiben, dann widerspiegeln Sie mit "liberal" nicht eine weserwellesche Auffassung. Westerwelle nämlich rückt die Kanzlerin der Enteignung und Verstaatlichung von Industriezweigen eher in die "sozialistische" Ecke und bedauert, dass die Kanzlerin sich nun derart weit weg von liberaler Politik im Sinne der FDP (also Deregulierung der Wirtschaft und Eigenverantwortung des Einzelnen) bewegt hat, so dass eine Koalition FDP-CDU unter Merkel kaum denkbar wäre, würde man den Merkelianismus der Enteignung von Banken zugunsten des Gemeinwohls und die Deregulierungsideologie der FDP, die die Banken-/Wirtschaftskatastrophe mental mit zu verantworten hat, wirklich ernst nehmen.

    Und auch unter den Sozis zu Bismarcks Zeiten gab es Katholen, die mehr Rechte für ArbeiterInnen und damit Versicherungen etc. forderten, die Bismarck schließlich einführte. Also die Christen per se waren nicht nur in den Unionsparteien (Zentrum o.ä.) zu finden.

    dass man mit Einordnungen von PolitikerInnen die Politik nicht wirklich eindeutig umschreiben kann. Wenn Sie nämlich von einer „liberalen“ Kanzlerin schreiben, dann widerspiegeln Sie mit "liberal" nicht eine weserwellesche Auffassung. Westerwelle nämlich rückt die Kanzlerin der Enteignung und Verstaatlichung von Industriezweigen eher in die "sozialistische" Ecke und bedauert, dass die Kanzlerin sich nun derart weit weg von liberaler Politik im Sinne der FDP (also Deregulierung der Wirtschaft und Eigenverantwortung des Einzelnen) bewegt hat, so dass eine Koalition FDP-CDU unter Merkel kaum denkbar wäre, würde man den Merkelianismus der Enteignung von Banken zugunsten des Gemeinwohls und die Deregulierungsideologie der FDP, die die Banken-/Wirtschaftskatastrophe mental mit zu verantworten hat, wirklich ernst nehmen.

    Und auch unter den Sozis zu Bismarcks Zeiten gab es Katholen, die mehr Rechte für ArbeiterInnen und damit Versicherungen etc. forderten, die Bismarck schließlich einführte. Also die Christen per se waren nicht nur in den Unionsparteien (Zentrum o.ä.) zu finden.

  1. Erinnert sei an die medial und politisch ausgeschlachtete "Holtzmann"-Rettung.
    Ein Unternehmen das am Ende ist ist am Ende.
    Mit dem Geld wird ein Toter beatmet.

  2. Das Problem der Union ist, dass Pragmatismus noch nie in ihr wirklich zu Hause war. Pragmatiker standen und stehen in der Union sehr schnell am Rande und gelten als Querdenker, die man so schnell wie möglich los werden will. Nur: mit dem Schlachtruf "Freiheit oder Sozialismus" oder dem Ruf "Kriminelle Ausländer raus" bzw. alten Unionsdauerbrennern, wie "Einsatz der Bundeswehr im Innern" oder "Sicherheit und Ordnung" lassen sich heute keine Wahlen mehr gewinnen, da m.W. nach die meisten Straftäter in Ministerämtern Mitglieder der Union waren... Oder täusche ich mich da?

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    haben Recht.

    haben Recht.

  3. Die Überschrift hätte ich gern erklärt.
    Ist die Welt für den Schreiber nur in Ordnung, wenn die Sozis sich fetzen?
    Oder ist sie verkehrt, weil sich niemand mehr um die Tiraden des großspurigen Clement kümmert? Oder weil die "S"PD angeblich nach links gerückt ist. Das macht diese Partei schon seit ewig und 3 Tagen VOR Wahlen. Und hält sich hinterher, wenn tatsächlich an der Regierung, mehr oder weniger stark beteiligt, nie daran.
    So, what`s new?

    • keox
    • 09.03.2009 um 21:03 Uhr
    6. Oha

    "Die Sozialdemokraten wären vielleicht besser damit bedient, ihre arbeiternahe Politik geradezu der Abeiter wegen, ,,,"

    War das jetzt wirklich ernst gemeint?

    Ist ein Arbeiter, der "seinen Arbeitsplatz verliert", kein Arbeiter mehr? Er ist wie vorher, qualifiziert, motiviert, und vor allem darauf angewiesen, sich und seine Fähigkeiten zu verkaufen, um überleben zu können.

    In der Regel haut der Arbeiter nicht selbst in den Sack, er kann es sich nicht leisten. Wenn er also entlassen wird, entscheidet der Kapitalgeber darüber, ob aus dem Arbeiter ein Schmarotzer wird.

    Die Schmarotzer sind keine wahlrelevante Zielgruppe für die spd. Alles in diesem Selbstversorgungsinstitut drängt zur Mitte, da gibt es die Jobs, das Geld und die Aufmerksamkeit.

    Sehr Profitable Demokratie.

    Zu weiteren Informationen fragen Sie Schröder, Müller, Riester, Clement und wie sie alle heißen.

    • Seckel
    • 09.03.2009 um 21:15 Uhr

    In einer in Hamburg wöchentlich erscheinenden illustrierten Wochenzeitschrift mutmaßte jüngst auch schon eine Leserbriefschreiberin öffentlich, dass Steinmeier Helfershelfer engagiert haben müsse; also ein Herr-Knecht-Verhältnis etablieren und damit eine Refeudalisierung von einem Kandidaten einer politischen Partei betrieben würde. Die sich bürgerlich Nennenden gehen inzwischen offensichtlich dazu über, sich gleichsam mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

    • hamkon
    • 09.03.2009 um 21:34 Uhr

    haben sich die Funktionärseliten der bürgerlichen Parteien einen gemeinsamen Nenner.

    Die Vorstellung davon, was Geld eigentlich ist, hat sich auf den Begriff reduziert, den die von H.-D. Genscher und Otto G. Lambsdorf massiv beworbenen Veranstalter der Göttinger Gruppe definiert haben.

    Die Gier aktivieren, Anschein erwecken, Anlagerersparnisse mittels Schachtelüberweisungen auf fernen, unbekannten Konten verstecken und bei Eintritt des Konkurses, mit treuem Dackelblick sagen "Wir wussten auch nicht, dass es so schlecht um uns stand.".

    Ob wir das System nun Ponzi-System nennen, oder den Maddow-Giertrick, die Methoden sind auf die Prinzipien gegründet, die von den Propagandisten und Agitatoren der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft landauf, landab verkündet werden.

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