Guadeloupe Die Gewerkschafter triumphieren

Die Streikbewegung auf Guadeloupe endet mit einem Erfolg - und stößt weitere Kämpfe an, in den französischen Überseedepartements und auch in Frankreich selbst

Elie Domota, Chef des Arbeitnehmerbündnisses LKP und eigentlicher starke Mann der zu Frankreich gehörenden Karibikinsel Guadeloupe

Elie Domota, Chef des Arbeitnehmerbündnisses LKP und eigentlicher starke Mann der zu Frankreich gehörenden Karibikinsel Guadeloupe

Gestern Abend, in Pointe-à-Pitre um acht Uhr Ortszeit, zückten zwei müde Männer ihre Stifte, um einen historischen Vertrag zu unterzeichnen: Nicolas Deforge, als Präfekt der Repräsentant der Staatsmacht auf Guadeloupe, und Elie Domota, der eigentliche starke Mann der zu Frankreich gehörenden Karibikinsel. Domota ist der Chef des Bündnisses LKP, der "Vereinigung gegen die Ausbeutung", das 44 Tage lang die Insel mit Streiks und Straßenblockaden lahmgelegt hatte und nun einen großen Erfolg verzeichnen kann. Weshalb "das normale Leben wieder beginnen" könne, wie "le leader" verkündete. Da konnte der Präfekt nur noch erleichtert und dankbar nicken.

Der Vertrag ist 21 Seiten dick. Ihm ist ein zweiter Vertrag beigelegt, den die LKP mit einem Teil der kleineren Unternehmerverbände geschlossen hat und der weiter geht - das Unternehmerlager ist nämlich gespalten. Der zweite Vertrag, benannt nach dem ermordeten Gewerkschafter Jacques Bino, sieht für alle Geringverdiener eine monatliche Zulage von 200 Euro vor. Eine Forderung, die der stärkste Unternehmerverband MEDEF nicht in dieser Höhe akzeptieren wollte.

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B eeindruckende 165 Punkte enthält der Vertrag. Sie binden insbesondere den Staat und kosten ihn eine Menge Geld, reichen von Zusatzzahlungen für Bedürftige über Steuersenkungen bis zu Subventionen für Kleinunternehmer und Preissenkungen für Güter des Staatssektors. Doch auch die Unternehmen sind nun in der Pflicht. Sie müssen die Preise für Lebensmittel und Haushaltswaren sowie für Benzin senken; die Mieten und die Wasserpreise sollen reduziert werden, die Sparzinsen steigen und die Löhne ohnedies; offen ist immer noch die Lohnzahlung für die Streiktage (die Beamten dürften wieder einmal volles Gehalt kassieren).

Nun ließe sich durchaus fragen, ob diese Prämie die Nachteile ausgleichen kann, die unweigerlich der Preis von 44 Tagen Wirtschaftsblockade sind. Aber das wäre eine unpolitische Sicht der Dinge. Wichtiger nämlich sind, aus der Sicht der LKP, die eine Mehrheit der Guadeloupianer hinter sich weiß, die Lehren ihrer Aktion. Schließlich ist es ihr gelungen, fast alle ihrer Sofortforderungen durchzusetzen, und zwar mit einer Taktik der Härte und der Dauermobilisierung, begleitet von gelegentlichen Gesten des Einigungswillens sowie Erleichterungen für die Bevölkerung wie zum Beispiel Verkaufsstellen für Grundnahrungsmittel. Maßnahmen übrigens, die erst recht die Macht der LKP demonstrierten. Der kleine Bauernmarkt vor dem Hauptquartier der LKP sowie der Container mit Babywindeln waren ebenso Symbole dafür, dass diese Bewegung den Anspruch erhebt, die Wirtschaft der Insel zu dirigieren.

Sie hat Stärke demonstriert. Streckenweise war die lokale Staatsmacht nicht mehr präsent; über Ladenöffnungszeiten und den Straßenverkehr entschied nicht der Staat, sondern die LKP, und das kontinentale Frankreich zeigte sich nur in Form von zwei "Moderatoren", die nichts zu entscheiden hatten. Lenin hätte von "Doppelherrschaft" gesprochen.

Auch das gehörte zur Strategie der LKP: Die Schwäche des Gegners zu demonstrieren, ihn zu demystifizieren und namentlich seine Spaltung vorzuführen. Unternehmerlager und Staat waren beide in sich uneins, ein Riss, den Domota zu nutzen verstand.

Der Vertrag besiegelt dieses Kräfteverhältnis nur. Das aber bedeutet, dass der Konflikt beileibe nicht beigelegt ist; die LKP gönnt sich und ihren Unterstützern lediglich eine stärkende Atempause. Danach geht es ihr darum, die Regeln des "Bino-Vertrages" auf alle Unternehmen der Insel auszuweiten sowie weitere Forderungen durchzusetzen, insbesondere die Veränderung der ethnischen Zusammensetzung der Führungsspitzen in Wirtschaft und Staatsapparaten sowie eine Ausweitung der Gewerkschaftsrechte in den Unternehmensführungen. Und in drei Jahren wird ohnehin das gesamte Vertragswerk neu verhandelt.

Leser-Kommentare
  1. man informiere mich bitte, herr von Randow:

    In welchen Umständen lebt ein normaler, durchschnittlicher Inselbewohner?
    lebt er in armen, elenden? wohnt er in eienr schilfhütte , kann kaum die Nahrung bezahlen, geschweige denn Medizin -. und weis nicht, wie er soich trotz 14 std. tag über die runten bringen soll?

    Oder lebt er so gut wie jeder durchschnittliche Franzose in Frankreich - ja, vielleicht gar besser, weil seit Jahren über die EU hunderte von Millionen Euros dorthin transferiert werden?

    Es gab sogar Plünderungen. Was wurde denn geplündert? nahrungsmittel, um endlich einmal etwas vernünftiges zu essen zu haben oder Playstadions und Schmuck hauptsächlich?

    Es wäre gut, wenn sie dies beantworten würden, damit ihre leser einmal einen Einblick dahin gehend haben, von was für menschen und umständen hier überhaupt geredet wird.
    Oder finden sie streiks generell so gut und abendteuerlich - dass es völlig egal ist, wie irrsinnig sie sind - hauptsache man zeigt es mal? ja wem? denen die mehr haben?

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    Nun, hier finden Sie mehr: http://www.zeit.de/2009/1...

    wohl mit der Streikbewegung nicht so, werter Zagreus. Ich hoffe nur, dass Sie ähnlich zurückhaltend sind, wenn Rattenfänger zum Tanz aufspielen.

    Nun, hier finden Sie mehr: http://www.zeit.de/2009/1...

    wohl mit der Streikbewegung nicht so, werter Zagreus. Ich hoffe nur, dass Sie ähnlich zurückhaltend sind, wenn Rattenfänger zum Tanz aufspielen.

    • QUOTE
    • 05.03.2009 um 12:13 Uhr

    Früher oder später geht den Menschen halt auf, daß die "Konkurrenzfähigkeit" eines Landes im Sinne der neoliberalen Ideologie lediglich definiert, wo die Kapitalisten die Bevölkerung am effektivsten für ihren eigenen Gewinn ausbluten können.

    Ich wünsche der französischen Bevölkerung viel Erfolg beim Unterfangen, diese Definition zu ändern - auf ähnliche Bemühungen in Deutschland zu hoffen habe ich aufgegeben.

  2. 3. voilà

    Nun, hier finden Sie mehr: http://www.zeit.de/2009/1...

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    Ah, danke - kannte ich nicht - und zudem: erfreulich sachlich und alle aspekte thematisierend.

    Meine etwas anderesn Informationen habe ich von jemanden, der sagt, er wäre vor ort (als uniangestellter (?) dort):

    "Seit 10 Jahren lebe ich auf den frz. Antillen (Martinique, Guadeloupe) – und hier schlägt das ewige Gejammer und der ständige (mehr oder weniger offene) Rassismus gerade in blinden Amok um. Die Inseln sind seit knapp 2 Monaten im Ausnahmezustand mit bislang 3 Toten, vielen Verletzten, abgefackelten Geschäften weißer Inhaber und einem ruinierten Tourismusgeschäft (der Haupteinnahmequelle). Schulen , Uni & Geschäfte sind geschlossen und es gibt kaum Bewegungsmöglichkeit, da selten Benzin vorhanden ist und die Strassen oft blockiert sind.
    Dabei wurde auch die Buchhandlung (!) bei der Uni abgefackelt (der einzige Laden übrigens, in dem es DIE ZEIT gab).

    Das ist gerade deshalb dermaßen zum kotzen, da dies hier in einer extrem „entschädigten“ ex-Kolonie passiert, die heute Frankreich und EU ist und Hunderte von Millionen Euro an Hilfen für ein paar hunderttausend Einwohner empfängt …
    Besonders lustig sind die fetten Offroader (prozentual mehr BMW als in der BRD) mit rotem Wimpel als Zeichen der Solidarität mit der „Allianz gegen Profit“. Und bei den Plünderungen sind vor allem Schmuck und Playstations gefragt…

    Aber natürlich gibt es auch die zum Himmel schreienden Ungerechtigkeiten : z.B. die großen Lebensmittelgeschäfte (Carrefour & Co) sind fest in der Hand der ehemaligen weißen Herrscherfamilien aus der Kolonial- und Sklavenzeit – und diktieren die Preise. Sie begründen die verglichen mit Frankreich 1,5 bis 4 mal so hohen preise mit den Transportkosten – einen Protest gegen diese Gewinnspannen hätte ich unterstützt !

    Statt dessen wurden zu Beginn des Streiks Forderungen gesammelt : jeder hatte was auf dem Herzen und so entstand eine Liste mit ca. 168 Forderungen.
    Darunter:
    - 200 EUR pro Monat mehr für alle :-)
    - Gegen die Gewalt gegen Frauen. (total lächerlich, da das nun wirklich ein lokales Mentalitätsproblem ist !)
    - lokale Arbeitsplätze nur für Einheimische (eindeutig –istisch , bleibt zu klären, wie „einheimisch“ definiert werden soll !)
    - Ansonsten : mehr Geld vom Staat oder von diesem oder jenem Unternehmen.

    Generalstreik war klar und wir haben uns zum Glueck große Vorräte angelegt..

    Das Management aus Frankreich hat völlig versagt. Ein Minister kam, nickte alles ab – und wurde verständlicherweise zurückgepfiffen.
    Dieses Wochenende gab’s endlich „erfolgreiche“ Verhandlungen ca. 130 punkte sind übriggeblieben – der Streik allerdings geht weiter, warum auch immer."

    Stimmt schon - ungerechtigkeit und der wille dagegen anzukämpfen, macht sich nicht an den tatsächlichen Lebensverhältnissen fest, sodnern am Vergleich innerhalb der gemeinschaft - und die, die gut situiert sind, werden sich als arme wichte in der Gemeinschaft der millionäre empfinden.
    Auch monopolisierungen sind sicherlich zu bekämpfen - gerade wenn sie so schamlos ausgenutzt werden.
    Nur: was genau bringt nun diese forderungen und wie ist es zu vermitteln einem normalen Franzosen in Frankreich, dass er nun diesen leuten, die anscheinend zum teil schon mehr haben als er, aus seiner tasche noch mehr zahlen soll?
    Denn irgendwoher muss es ja kommen - und es kommt eben nicht von tische derer primär, die eh schon viel haben, sondern aus der masse derer, die eh herumkrebsen.

    Ah, danke - kannte ich nicht - und zudem: erfreulich sachlich und alle aspekte thematisierend.

    Meine etwas anderesn Informationen habe ich von jemanden, der sagt, er wäre vor ort (als uniangestellter (?) dort):

    "Seit 10 Jahren lebe ich auf den frz. Antillen (Martinique, Guadeloupe) – und hier schlägt das ewige Gejammer und der ständige (mehr oder weniger offene) Rassismus gerade in blinden Amok um. Die Inseln sind seit knapp 2 Monaten im Ausnahmezustand mit bislang 3 Toten, vielen Verletzten, abgefackelten Geschäften weißer Inhaber und einem ruinierten Tourismusgeschäft (der Haupteinnahmequelle). Schulen , Uni & Geschäfte sind geschlossen und es gibt kaum Bewegungsmöglichkeit, da selten Benzin vorhanden ist und die Strassen oft blockiert sind.
    Dabei wurde auch die Buchhandlung (!) bei der Uni abgefackelt (der einzige Laden übrigens, in dem es DIE ZEIT gab).

    Das ist gerade deshalb dermaßen zum kotzen, da dies hier in einer extrem „entschädigten“ ex-Kolonie passiert, die heute Frankreich und EU ist und Hunderte von Millionen Euro an Hilfen für ein paar hunderttausend Einwohner empfängt …
    Besonders lustig sind die fetten Offroader (prozentual mehr BMW als in der BRD) mit rotem Wimpel als Zeichen der Solidarität mit der „Allianz gegen Profit“. Und bei den Plünderungen sind vor allem Schmuck und Playstations gefragt…

    Aber natürlich gibt es auch die zum Himmel schreienden Ungerechtigkeiten : z.B. die großen Lebensmittelgeschäfte (Carrefour & Co) sind fest in der Hand der ehemaligen weißen Herrscherfamilien aus der Kolonial- und Sklavenzeit – und diktieren die Preise. Sie begründen die verglichen mit Frankreich 1,5 bis 4 mal so hohen preise mit den Transportkosten – einen Protest gegen diese Gewinnspannen hätte ich unterstützt !

    Statt dessen wurden zu Beginn des Streiks Forderungen gesammelt : jeder hatte was auf dem Herzen und so entstand eine Liste mit ca. 168 Forderungen.
    Darunter:
    - 200 EUR pro Monat mehr für alle :-)
    - Gegen die Gewalt gegen Frauen. (total lächerlich, da das nun wirklich ein lokales Mentalitätsproblem ist !)
    - lokale Arbeitsplätze nur für Einheimische (eindeutig –istisch , bleibt zu klären, wie „einheimisch“ definiert werden soll !)
    - Ansonsten : mehr Geld vom Staat oder von diesem oder jenem Unternehmen.

    Generalstreik war klar und wir haben uns zum Glueck große Vorräte angelegt..

    Das Management aus Frankreich hat völlig versagt. Ein Minister kam, nickte alles ab – und wurde verständlicherweise zurückgepfiffen.
    Dieses Wochenende gab’s endlich „erfolgreiche“ Verhandlungen ca. 130 punkte sind übriggeblieben – der Streik allerdings geht weiter, warum auch immer."

    Stimmt schon - ungerechtigkeit und der wille dagegen anzukämpfen, macht sich nicht an den tatsächlichen Lebensverhältnissen fest, sodnern am Vergleich innerhalb der gemeinschaft - und die, die gut situiert sind, werden sich als arme wichte in der Gemeinschaft der millionäre empfinden.
    Auch monopolisierungen sind sicherlich zu bekämpfen - gerade wenn sie so schamlos ausgenutzt werden.
    Nur: was genau bringt nun diese forderungen und wie ist es zu vermitteln einem normalen Franzosen in Frankreich, dass er nun diesen leuten, die anscheinend zum teil schon mehr haben als er, aus seiner tasche noch mehr zahlen soll?
    Denn irgendwoher muss es ja kommen - und es kommt eben nicht von tische derer primär, die eh schon viel haben, sondern aus der masse derer, die eh herumkrebsen.

  3. Das Privileg der Zugehörigkeit zu Frankreich und damit auch zu EU dürfte nicht nur von den Weißen geschätzt werden; gerade die bedürftigen Schichten profitieren nicht nur in Gouadeloupe, sondern auch in den anderen französischen Überseedepartements von den hohen Standards sozialer Sicherung. Gegenüber den benachbarten unabhängigen Insel-Kleinstaaten in der Karibik, aber auch im Pazifik und im Indischen Ozean sind die (Über-)Lebensverhältnisse in diesen überseeischen EU-Territorien wesentlich komfortabler - was nicht ausschließt, dass da noch Raum für Verbesserungen wäre. Jedenfalls hat man bislang noch von keinen Bootsflüchtlingen gehört, die den Verhältnissen auf Gouadeloupe auf die Nachbarinseln zu entkommen suchen. Und das Armenhaus Haiti liegt nahe genug, um als abschreckendes Beispiel zu dienen.

    Bernd Leber, Tostedt

  4. wohl mit der Streikbewegung nicht so, werter Zagreus. Ich hoffe nur, dass Sie ähnlich zurückhaltend sind, wenn Rattenfänger zum Tanz aufspielen.

    • lef
    • 05.03.2009 um 13:55 Uhr

    der bestehenden Monopole zur Selbstbereicherung.
    Es ist höchstens verwunderlich, warum die französische Regierung hier nicht früher tätig geworden ist,
    denn Guadelupe ist nichts anderes als eine Geldvernichtungsanlage.
    Rein wirtschaftlich ist diese Inselgruppe völlig unbedeutend - nicht ein Mal als "Bananenstaat" zu bezeichnen (Bananen sind Hauptanteil des winzigen Exportes).

    Aus diesem "Erfolg" der Gewerkschaften irgendeine zukünftige Entwicklung in anderen Teilen der Welt zu schließen, das ist wirklich abenteuerlich!

    Die großen offenen Fragen sind:
    1.: Warum sich Frankreich dieses Geldloch überhaupt noch leistet,
    2.: Wie lange noch für solche Prestigeinseln Kapital übrig ist.

    (Wir könnten in D. froh sein, solche Überreste kolonialer Herrschaft nicht finanzieren zu müssen, aber z. B. das von D. versprochene Geld für Gaza - aktuell wieder 150 Millionen € - ist ja ebenso sinnlos verschwendet)

  5. Ah, danke - kannte ich nicht - und zudem: erfreulich sachlich und alle aspekte thematisierend.

    Meine etwas anderesn Informationen habe ich von jemanden, der sagt, er wäre vor ort (als uniangestellter (?) dort):

    "Seit 10 Jahren lebe ich auf den frz. Antillen (Martinique, Guadeloupe) – und hier schlägt das ewige Gejammer und der ständige (mehr oder weniger offene) Rassismus gerade in blinden Amok um. Die Inseln sind seit knapp 2 Monaten im Ausnahmezustand mit bislang 3 Toten, vielen Verletzten, abgefackelten Geschäften weißer Inhaber und einem ruinierten Tourismusgeschäft (der Haupteinnahmequelle). Schulen , Uni & Geschäfte sind geschlossen und es gibt kaum Bewegungsmöglichkeit, da selten Benzin vorhanden ist und die Strassen oft blockiert sind.
    Dabei wurde auch die Buchhandlung (!) bei der Uni abgefackelt (der einzige Laden übrigens, in dem es DIE ZEIT gab).

    Das ist gerade deshalb dermaßen zum kotzen, da dies hier in einer extrem „entschädigten“ ex-Kolonie passiert, die heute Frankreich und EU ist und Hunderte von Millionen Euro an Hilfen für ein paar hunderttausend Einwohner empfängt …
    Besonders lustig sind die fetten Offroader (prozentual mehr BMW als in der BRD) mit rotem Wimpel als Zeichen der Solidarität mit der „Allianz gegen Profit“. Und bei den Plünderungen sind vor allem Schmuck und Playstations gefragt…

    Aber natürlich gibt es auch die zum Himmel schreienden Ungerechtigkeiten : z.B. die großen Lebensmittelgeschäfte (Carrefour & Co) sind fest in der Hand der ehemaligen weißen Herrscherfamilien aus der Kolonial- und Sklavenzeit – und diktieren die Preise. Sie begründen die verglichen mit Frankreich 1,5 bis 4 mal so hohen preise mit den Transportkosten – einen Protest gegen diese Gewinnspannen hätte ich unterstützt !

    Statt dessen wurden zu Beginn des Streiks Forderungen gesammelt : jeder hatte was auf dem Herzen und so entstand eine Liste mit ca. 168 Forderungen.
    Darunter:
    - 200 EUR pro Monat mehr für alle :-)
    - Gegen die Gewalt gegen Frauen. (total lächerlich, da das nun wirklich ein lokales Mentalitätsproblem ist !)
    - lokale Arbeitsplätze nur für Einheimische (eindeutig –istisch , bleibt zu klären, wie „einheimisch“ definiert werden soll !)
    - Ansonsten : mehr Geld vom Staat oder von diesem oder jenem Unternehmen.

    Generalstreik war klar und wir haben uns zum Glueck große Vorräte angelegt..

    Das Management aus Frankreich hat völlig versagt. Ein Minister kam, nickte alles ab – und wurde verständlicherweise zurückgepfiffen.
    Dieses Wochenende gab’s endlich „erfolgreiche“ Verhandlungen ca. 130 punkte sind übriggeblieben – der Streik allerdings geht weiter, warum auch immer."

    Stimmt schon - ungerechtigkeit und der wille dagegen anzukämpfen, macht sich nicht an den tatsächlichen Lebensverhältnissen fest, sodnern am Vergleich innerhalb der gemeinschaft - und die, die gut situiert sind, werden sich als arme wichte in der Gemeinschaft der millionäre empfinden.
    Auch monopolisierungen sind sicherlich zu bekämpfen - gerade wenn sie so schamlos ausgenutzt werden.
    Nur: was genau bringt nun diese forderungen und wie ist es zu vermitteln einem normalen Franzosen in Frankreich, dass er nun diesen leuten, die anscheinend zum teil schon mehr haben als er, aus seiner tasche noch mehr zahlen soll?
    Denn irgendwoher muss es ja kommen - und es kommt eben nicht von tische derer primär, die eh schon viel haben, sondern aus der masse derer, die eh herumkrebsen.

    Antwort auf "voilà"
  6. Sollten die Franzosen gerechte Löhne erstreiten, während die Deutschen zu faul sind ihre Rechte einzufordern und deshalb Hungerlöhne akzeptieren, sind letzte Arbeitsverhältnisse eine Form von Dumping. Schutzzölle gegen Lohndumping sind nach den Regularien der WTO zulässig.

    Global gesehen ist die Situation der Lohnsklaven noch prekärer, aber es entsteht Bewegung:
    http://www.waronwant.org/
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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

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