THW Kiel Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Manager und Ex-Trainer
Die Bestechungsvorwürfe gegen den THW Kiel haben sich erhärtet. Zehn Europapokalspiele sollen manipuliert worden sein. Nun hat sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet

© Martin Rose/Bongarts/Getty Images
Alles halb so wild? Kiels Manager Uwe Schwenker beschwichtigt die Öffentlichkeit
Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt im Zuge der angeblichen Betrugsaffäre beim deutschen Handball-Meister THW Kiel gegen Geschäftsführer Uwe Schwenker. Grund sei der Verdacht der Untreue, teilte Oberstaatsanwalt Uwe Wick am Montag in Kiel mit. Gegen den früheren THW-Trainer Zvonimir Serdarusic werde zudem wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue ermittelt. Schwenker und Serdarusic bestreiten die Vorwürfe.
Die Bestechungsvorwürfe gegen den deutschen Rekordmeister THW Kiel hatten am Wochenende neue Brisanz bekommen und Schwenker zu einem erneuten Dementi und umgehendem Handeln veranlasst. Nach pikanten Details in einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel sagte Schwenker seine Teilnahme an der Champions-League-Tagung an diesem Montag in Wien ab. "Ich muss die andere Sache erst mal klären", sagte er am Sonntag in Ciudad Real/Spanien, wo der THW Kiel mit dem 33:35 im letzten Gruppenspiel der Champions League seine erste Saisonniederlage erlitten hatte.
Wie angekündigt leiteten die Kieler noch am Sonntag juristische Schritte ein. THW-Gesellschafter Georg Wegner habe "mit dem Leitenden Oberstaatsanwalt Schwab in Kiel telefoniert und diesen gebeten, alle erforderlichen Ermittlungsmaßnahmen einzuleiten", schreiben die Kieler Nachrichten. Zugleich gab Wegner bekannt, dass Schwenker um Urlaub gebeten habe, der ihm gewährt worden ist. Er wolle Gelegenheit haben, sich in vollem Umfang gegen die Anschuldigungen zu wehren, sagte Rechtsanwalt Wegner.
Aufgeschreckt reagierte auch der Ligaverband HBL, nachdem der Fall bereits zu den Akten gelegt worden war. "Es gibt neue Informationen, die wir bisher nicht kannten", sagte Geschäftsführer Frank Bohmann. Er sprach von überraschend genauen Angaben, die in den Gremien bislang nicht diskutiert worden seien. Nach Informationen des Spiegels sollen Schiedsrichter in mindestens zehn Champions-League-Spielen des THW bestochen worden sein. Vor dem Finale im Jahr 2007 gegen den Bundesliga-Rivalen SG Flensburg-Handewitt sollen gar 96.000 Euro gezahlt worden sein. Der THW Kiel wies dies in einer Presseerklärung als "bösartiges Gerücht" zurück und kündigte rechtliche Schritte an.
Als "falsch und frei erfunden" bezeichnete der THW den Vorwurf, Schwenker soll im Gespräch mit einem Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen Bestechungen zugegeben haben. "Er hat lediglich in einem Gespräch mit Jesper Nielsen, an dem auch der THW-Gesellschafter Dr. Hubertus Grote teilgenommen hat, bestätigt, von den Gerüchten gehört zu haben und diese in gleichem Zusammenhang zurückgewiesen", heißt es in einer THW-Erklärung.
Der HBL-Präsident Reiner Witte beklagte einen immensen Imageschaden für den deutschen Handball. "Alles, was mit und nach der WM in Deutschland in einem wunderbaren Licht erschien, ist jetzt in eine Schieflage geraten. Dem müssen wir jetzt wieder ganz schnell eine andere Richtung geben." Auch Horst Bredemeier, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB) ist besorgt. "Ich halte das für eine wahnwitzige Geschichte, die dem Handball schadet", sagte Bredemeier.
- Datum 14.03.2009 - 15:01 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Alles, was über mehr als zwei Augen und Ohren den Raum verläßt, ist für jede Konspiration eine Gefahr. Jeder Dritte kann, aus welchen Gründen auch immer, später zum Königsmörder werden.
"Noka" Serdarusic hatte (anscheinend) solche Gründe. Sein guter Freund und langer Weggefährte des Erfolgs, Uwe Schwenker, selbst vom Spieler zum Manager eines der erfolgreichsten europäischen Handballvereine hochgestiegen, hat im privaten Bereich etwas getan, was er als guter Freund "Nokas" und der Familie nicht hätte tun dürfen
("Nokas" Rücktritt als Trainer des THW war daher (für "Noka") eine Frage der "Ehre") und der Beginn eines privaten Rachefeldzugs.
Wo Rauch ist, ist ja bekanntlich auch Feuer, und man ist leicht bereit, jedem Gerücht zumindest einen wahren Kern zuzubilligen.
Diese Volksmeinung kann jedoch im konkreten Fall mit gutem Grund angezweifelt werden: Warum sollte ein Mann wie Uwe Schwenker persönlich und für seinen Verein, den THW, alles Erreichte durch ein finanzielles Manöver (die behauptete Schiedsrichterbestechung) aufs Spiel setzen, wo der THW (eine Topmannschaft) doch nicht aus einer schlechten Position in das Endspiel um die Champions-Meisterschaft startete und alle Chancen auf den Titelgewinn hatte? Auch die Begründung für andere Spielmanipulationen wäre genauso abwegig bzw. wenig begründbar.
Bei einer rationalen Betrachtung des Vorgangs läßt sich wenig erkennen, was für Uwe Schwenker den Ausschlag zu Gunsten einer Spielmanipulation hätte geben können.
Außerdem darf man in der ganzen Affäre das handballerische Umfeld des THW und seine Vergangenheit nicht außer Acht lassen.
Der THW hat sich vom Aschenputtel der Liga zu einem Abonnementmeister gemausert. Zwischen den Beteiligten an dem "Skandal" gibt es lange zurückreichende Rivalitäten. So ist z.B. "Manni" Werner (ein Flensburg-Weiche-Urgestein), Aufsichtsratsvorsitzender des HBL, sicher kein Freund des THW, gleiches kann man von Thorsten Storm, Geschäftsführer der "Löwen" sagen, und auch "Hotti" Bredemeier hat unter der übermächtigen Konkurrenz des THW gelitten.
Die Welt liebt des Gerechten Fall, und stellt sich dieser nicht von selbst ein, wird etwas nachgeholfen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren