Tabellenführer Hertha kann nicht alles, aber oft mehr als ihr Gegner
Vier Punkte Vorsprung – so langsam muss man sich an den Gedanken gewöhnen, dass die Hertha zum ersten Mal seit der Weimarer Republik den Titel gewinnen kann.

© Matthias Kern/Bongarts/Getty
Im Galopp zur Meisterschaft? Andrej Woronin und Arne Friedrich (oben) feiern ein weiteres Erfolgsstück Herthas
Hertha wird Meister. Seltsam, wie sich das anhört. So wie: Bayern steigt ab. Das letzte Mal war Hertha BSC Meister, als Max Schmeling Weltmeister wurde. Und der ist vor vier Jahren 99-jährig verstorben. Und doch. Hertha kann Meister werden, so viel Zuversicht war lange nicht erlaubt. Für diese Zuversicht sprechen zwei wesentliche Gründe: innere wie äußere.
Hertha ist als Mannschaft ein funktionierendes Gebilde geworden. Die Mannschaft kann längst nicht alles, aber sie kann schon eine Menge. Das ist oft mehr, als ihr Gegner kann. Die Organisation auf dem Platz stimmt, Einstellung und Innenleben auch. Was Spieler wie Josip Simunic sagen, klingt optimistisch. Er ist seit zehn Jahren bei Hertha und erzählt, dass man sich in der Kabine heute gegenseitig respektiere. Niemand sei beleidigt, wenn er kritisiert wird. Simunic: "Man hört sich zu." Es sei erlaubt auszulassen, was diese Aussage im Umkehrschluss für die Vergangenheit bedeutet. Jetzt gilt es, nach vorn zu schauen und die sich bietende Chance zu verfolgen.
Vielleicht war es für einen Verein wie Hertha noch nie so leicht, ganz nach vorn zu kommen. Teams wie Bremen und Schalke, für die Spitzenplätze reserviert schienen, haben sich längst aus dem Titelkampf verabschiedet. Auch Herbstmeister Hoffenheim hat nicht mehr die Form von früher. Der Hamburger SV hat zittrige Beine, und auch der VfL Wolfsburg, der in der Liga aufrückt, hinterlässt nicht den stabilsten Eindruck. Binnen einer Woche ist der VfL im Uefa-Cup und DFB-Pokal gescheitert.
Hertha braucht sich vor niemandem zu verstecken. Jedenfalls nicht vor dem, was die Liga momentan zu bieten hat. Siege wie die gegen Bayern oder jetzt in Cottbus sind wichtig für den Kopf. Mit jedem Sieg wächst die Chance. Hoffentlich verpasst Hertha nicht den Zeitpunkt zum Zupacken. Langsam wird es ernst.
- Datum 09.03.2009 - 11:26 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Die 'Momentaufnahme' stellt die Tabellensituation der Herthaner in einem sehr günstigen Licht dar. Aber: es sind noch elf Spiele zu spielen! Davon sechs Auswärtsspiele!
Z.B. hat der FC Bayern ein deutlich leichteres Programm als die Berliner zu absolvieren.
Hertha muß u.a. zum HSV, nach Stuttgart, nach Hoffenheim und zum 1. FC Köln! Im Olympiastadion werden Werder und die 'NRW-Bande' mit Schalke, Leverkusen und Bochum aufspielen.
Die Spiele gegen die Hamburger und die TSG sind 6-Punkte-Spiele im direkten Wettbewerb an der Tabellenspitze. Wenn Hertha abrutschen sollte, dann sind auch die Spiele gegen Bremen, Schalke und Leverkusen als solche zu bezeichnen.
Vielleicht klappt es für Hertha mit Platz drei. Das wäre ein außerordentlich guter Erfolg. Mehr ist aber nicht möglich. Es fehlt an Substanz. Der Endspurt in der Liga fordert ein Team mit hoher Qualität.
Egal wo Hertha am Ende landet. Es gilt aber schon heute: Eine Super-Saison!
BobBeamon sieht einiges klarer als der Autor des Artikels. 4 Punkte Vorsprung, Torverhältnis klar schlechter als die vier punktgleichen Verfolger. Und ein Restprogramm, das sich gewaschen hat: Hoffenheim, Schalke, Leverkusen, VfB, HSV, Werder, BVB. Da sind 4 Punkte schneller weg, als Simunic den Satz "Wir werden Meister" in ein Mikrofon sprechen kann.
ich als Hertha-Fan finde es schon ein bisschen lustig, wen BobBeamon zu einem starken Gegner hochstilisiert. Bochum kommt nach Berlin? Auweia!
Auch in Köln kann man, wenn es gut läuft, gewinnen.
4 Punkte sind nicht so wenig wie es sich anhört. Denn gesetzt den Fall, dass hertha in den nächsten 3 Spielen auch nur 4 Punkte (bei zwei Heimspielen) holt, müsste einer jener 4 Verfolger alle jene drei Spiele gewinnen, um an Hertha vorbeizuziehen.
Was ziemlich unwahrscheinlich ist. Ergo - Hertha wird also höchstwahrscheinlich auch noch in einem Monat Tabellenführer sein.
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