Thomas Hitzlsperger "Jetzt stelle ich die Fragen"Seite 3/3

ZEIT ONLINE: Ich traue mir die nötige Distanz zu. Sollte ich, sagen wir, von irgendwelchen schwarzen Konten Wind bekommen, soll ja im Fußball schon mal vorgekommen sein, würde ich der Sache nachgehen – und wenn es drei Mal mein Lieblingsklub ist. Aber wir wollen ja eigentlich gar nicht über Fußball reden.

Hitzlsperger: Stimmt. Aber mir fallen noch andere Beispiele ein: Ich kenne einige Politikjournalisten, denen man ihre Parteizugehörigkeit in ihren Texten anmerkt. Das habe ich unter anderem in der ZEIT festgestellt.

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ZEIT ONLINE: (Räusper) … Sie lesen die ZEIT?! Nicht den kicker?

Hitzlsperger: Nein (lacht), den kicker hatte ich mal im Abo, als ich in England spielte, aber ich hab ihn wieder abbestellt. Ich lese die Süddeutsche, gelegentlich Bild oder die 11 Freunde. Und eben die ZEIT, weil ich mich darin gut über Politik, Kultur und Wirtschaft informieren kann. Und weil sie nicht nur über das aktuelle Fußballgeschehen schreibt.

ZEIT ONLINE: Wohin soll der Verlag Ihr Honorar für dieses Bekenntnis überweisen?

Hitzlsperger: Das klären wir nach dem Gespräch.

ZEIT ONLINE: Würden Sie auch Werbung für die Bild-Zeitung machen?

Hitzlsperger: Nein, würde ich nicht. Ich möchte generell nicht für ein Medium werben und Geld nehmen, denn ich hätte die Sorge, mich angreifbar zu machen. Man könnte mir ein Abhängigkeitsverhältnis unterstellen, nach dem Motto: Die schreiben jetzt gut über ihn, weil er Partner ist. Bild lese ich selten, der Stil ist mir zu aufdringlich, die Berichte drehen sich oft um Privates. Das entspricht nicht meinem Interesse. Ich stelle fest, dass private und öffentliche Person nach und nach eins werden. Bedenklich. Ich habe noch eine Frage offen.

ZEIT ONLINE: Heraus damit!

Hitzlsperger: Fan von welcher Mannschaft?

ZEIT ONLINE: VfB Stuttgart. Schon mal gehört?

Hitzlsperger: Sie haben das Zeug zu einem erstklassigen Journalisten.

Die Fragen stellte Oliver Fritsch.

 
Leser-Kommentare
  1. ...obschon ich mit Fußball absolut gar nichts am Hut habe muss ich ehrlich sagen: Dieses Interview war sehr erfrischend. Das Frage-Antwort-Spiel sollte öfters mal umgedreht werden. Vielleicht liegt darin der Journalismus der Zukunft. Wer weiß???

  2. Vielen Dank an "jemand_anders", "erfrischend" bringt es messerscharf auf den Punkt!
    Es ist erfrischend zu erfahren, dass auch Profifußballer an anderen Dingen Interesse haben können als ihrem Beruf, der Kohle die sie damit verdienen, und den spritfressenden Panzern die sie davon kaufen.
    Aber der Trend zum intelligenten, denkenden Fußballer zeichnet sich denke ich hier in Deutschland langsam ab.
    Da wird sogar ein Interview mit Fußballern wieder horizonterweiternd, wenn diese nicht mehr an ihrer Horizontbeschränktheit und verbalen Inkompetenz scheitern!

  3. Wenn man Jemandem zutrauen kann, ein Interview mit ein Fußballprofi mal so ganz anders laufen zu lassen und das auch genau so abzubilden, dann Herrn Fritsch. Und natürlich auch der Redaktion, die dies so zulässt.
    Wer hat jemals so ein aufschlussreiches und aussagekräftiges Interview im Fußballbereich gehört oder gelesen?

  4. ...na ich weiß nicht, dass Hitzelsberger nicht grad zu den Doofen im Fußballgeschäft gehört, ist doch bekannt.
    Was sollte das Interview, wo ist die message ? Außer, dass er die Zeit liest und Herr Fritsch Fan des VfB Stuttgart ist kam nichts rüber, was von Interesse od. Bedeutung wäre.

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