Während die Bundesregierung weiter über die Zukunft der Immobilienbank Hypo Real Estate  (HRE) verhandelt, möchte der ehemalige HRE-Chef Georg Funke vor Gericht Gehaltszahlungen in Höhe von 3,5 Millionen Euro erstreiten.

Funke verlangt, dass sein Vorstandsvertrag erfüllt werde und die Pensionsansprüche bestehen blieben, sagte ein Sprecher des Landgerichts München I am Freitag. Die damit verbundenen Gehaltszahlungen beliefen sich dem Geschäftsbericht 2007 zufolge auf 800.000 Euro im Jahr. Sein Vertrag als Vorstandschef lief bis 2013. Für den Ruhestand hatte ihm die Münchner Bank seinerzeit 560.000 Euro im Jahr zugesichert. Funkes Anwalt war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung klagt auch der ehemalige HRE-Finanzvorstand Markus Fell gegen seinen Rauswurf. Fell erhielt während seiner Zeit bei dem Immobilienfinanzierer ein Festgehalt von 450.000 Euro, dazu sollen weitere 450.000 Euro an Boni kommen, heißt es. Auch Vorstandsmitglied Frank Lamby beanspruche einen Vergütungsanspruch von 37.5000 Euro.

Die Bundesregierung hatte das Management der HRE im Dezember entlassen, insgesamt konnte das Unternehmen nur durch Finanzhilfen von Steuerzahlern und Banken in Höhe von rund 102 Milliarden Euro vor dem Kollaps gerettet werden.

Die HRE hält die Kündigung Funkes weiterhin für rechtmäßig. Das Arbeitsverhältnis sei aus "wichtigem Grund auf Basis von Untersuchungen und einem Rechtsgutachten" beendet worden. Darüber hinaus arbeiteten Vorstand und Aufsichtsrat mit Hochdruck daran, die Vergangenheit lückenlos aufzuklären

Gewerkschafts- und Aktionärsvertreter zeigten sich entsetzt über Funkes Klage. Es zeuge von einer "gestörten Wahrnehmung", wenn der für den Beinahe-Bankrott einer Bank verantwortliche Manager sein volles Gehalt für die nächsten Jahre einfordere, sagte Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Verdi-Bayern-Sprecher Heinrich Birner spricht von beispielloser "Scham- und Maßlosigkeit". "Wir brauchen eine neue Debatte, wem Manager eigentlich verantwortlich sind: den Banken, den Aktionären oder den Bürgern", sagte er.

Da erwartet wird, dass die Bank weitere Hilfen benötigt, arbeitet der Bund an einer Verstaatlichung, notfalls auch gegen den Willen der Aktionäre. Vor allem der US-Investor J.C. Flowers, der zusammen mit einer Beteiligungsgesellschaft 24 Prozent kontrolliert, sträubt sich gegen einen großangelegten Einstieg des Staates.

In Berlin sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Bundestag, dass der Staat sich auf einer Hauptversammlung der Bank Anfang April die Mehrheit sichern wolle. Gelinge dies nicht oder nicht rechtzeitig genug, könne es zu einer Enteignung kommen.