Kunst auf dem Plattenteller Von Gummi und Filz gefesseltSeite 2/2

In Abgrenzung zu den Codes des Free Jazz bildet sich eine neue musikalische Richtung. Am Anfang noch spielerisch, kommt es ab 1997 zu einer reduzierten Abstraktion und damit zum offenen Bruch mit den etablierten Free-Jazz-Musikern, die sich von den Geräuschklängen der Reduktionisten distanzieren.

Schick, wie er die Becken aneinanderreibt

Schick, wie er die Becken aneinanderreibt

Schick beschreibt die Entwicklung als Versuch, eine Sprache zu finden, in der die Struktur im Vordergrund steht. Die Frage, was überhaupt Komposition ist, sei zentral. Er selbst, erklärt Schick, habe diese Klangsprache über das Material gefunden. Über die Physis von Klang im Raum, mit harschen Geräuschflächen und Elektronika.

Seit fünf Jahren arbeitet Ignaz Schick mit dem Plattenspieler als Instrument. Zuerst wollte er lediglich Geräuschmaterial ausloten, nun setzt er tonale Flächen aus rauschenden, körnigen, feinen Klängen. So testet er, wie sich Objekte in der Reibung auf Filz verhalten, je nach Verhältnis von Druck und Winkel. Es brauche Zeit, um herauszufinden, wie ein Material funktioniert, sagt Schick. Durch Filz ergebe sich eine hauchende Klangqualität. Mittlerweile habe er durch ständiges Üben und Ausprobieren den Punkt erreicht, an dem die angewandten Techniken verlässlich werden. Auch auf dem Saxofon, mit dem er konstruktivistische Rauschblöcke tonalem Material gegenüberstellt.

Inwieweit sich Klang ins Extrem führen lässt und wo der Konsens liegt, beschreibt Ignaz Schick in einer Materialsammlung, die er im Laufe des Jahres als Buch veröffentlichen möchte. Auf seiner Produktionsplattform namens Zangimusic, zu der auch sein Label Zarek gehört, plant und organisiert er Veranstaltungen. Wie das im Oktober 2009 erstmals stattfindende Turntable Festival in der alten Akademie der Künste in Berlin, zu dem er die wichtigsten Vertreter der experimentellen Plattenspieler-Improvisatoren einlädt.

Nach dem Gespräch entfernt sich Ignaz Schick durch den dicht fallenden Schnee. Wie würde es sich anhören, der Klang von frisch gefallenem Schnee, mit einem Geigenbogen gestrichen? Oder Schnee auf Filz? Ein mikrotonales Hauchen.

Das Turntable Festival findet vom 22. bis 25. Oktober in Berlin statt. Informationen über weitere Projekte von Ignaz Schick und Konzerthinweise finden Sie hier »
 
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